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Eliten unter den Flüchtlingen : Aus dem Bürgerkrieg an die Uni

  • -Aktualisiert am

Stipendiaten aus Syrien im Auswärtigen Amt Bild: Stefan Maria Rother

Auch Studenten und Wissenschaftler fliehen aus Syrien. Manche sind besonders kluge Köpfe. Wer diese Eliten fördert - und wo die Schwierigkeiten liegen.

          6 Min.

          Es war eine besondere Reise, die Christian Hülshörster im März 2015 zusammen mit 25 Professoren und Dozenten verschiedener deutscher Hochschulen für knapp drei Wochen antrat. Sie führte die Männer und Frauen nach Istanbul, Beirut, Amman, Kairo und Bonn und rettete Karrieren, die Krieg und Terror beinahe zerstört hätten. Hülshörster und die Vertreter der Hochschulen trafen 500 syrische Flüchtlinge. Sie alle sind Studierende oder Doktoranden aus Syrien und hatten sich auf ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) beworben, das dieser Ende Oktober vergangenen Jahres ausgeschrieben hatte. „Insgesamt haben wir 5000 schriftliche Bewerbungen bekommen und mussten leider schon von Deutschland aus viele aussortieren“, erzählt Christian Hülshörster, der beim DAAD die Gruppe Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten leitet und für das Syrien-Programm verantwortlich ist.

          Hülshörster und die Hochschulvertreter führten Auswahlgespräche mit angehenden Ingenieuren, Mathematikern, Biologen, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern. 200 von ihnen wählten sie anschließend für ein Stipendium aus. Die meisten reisten im Mai und Juni nach Deutschland ein. Vier Monate besuchten sie einen Deutschkurs. Vor wenigen Wochen haben sie ihr Masterstudium oder ihre Promotion an einer deutschen Universität aufgenommen. Der DAAD hat viele von ihnen bei der Bewerbung an den Hochschulen unterstützt. Christian Hülshörster war von dem großen Andrang auf die Stipendien überwältigt. Per Facebook und Twitter hatte die Organisation ihre Ausschreibung bekanntgegeben. „Und dann wurde sie tausendfach geteilt und weitergeleitet und hat sich einfach rumgesprochen“, sagt er. Finanziert werden die DAAD-Stipendien mit insgesamt 16 Millionen Euro hauptsächlich vom Auswärtigen Amt. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg finanzieren ebenfalls zusätzliche 71 Stipendien.

          Was beim DAAD schon begonnen hat, ist derzeit in vielen Universitäten, Stiftungen und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland in Planung: Sie wollen die Studierenden, Doktoranden, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Professoren unter den Flüchtlingen mit Stipendien unterstützen und ihnen helfen, in Deutschland weiterzustudieren, zu forschen und zu lehren. Dass syrische Wissenschaftler und Studierende dringend Hilfe brauchen, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind mehr als 6,7 der insgesamt 20 Millionen Syrer innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Mehr als vier Millionen sind außerdem in die Nachbarländer geflohen. Offiziell geht der Lehrbetrieb an den fünf staatlichen Hochschulen im Land zwar weiter, doch Straßensperren und die heikle Sicherheitslage machen den Weg dorthin oft unmöglich. De facto hat ein Großteil der Akademiker momentan keinen Zugang zu den Universitäten. Für den Bildungsstand der Bevölkerung und den Wiederaufbau des Landes wird das eines Tages fatal sein.

          Sprachprobleme und Studiengebühren

          Forscher der University of California in Davis haben außerdem bestätigt, dass syrische Flüchtlinge ihre akademische Karriere im Ausland nur unter schwierigen Umständen fortsetzen können. Häufig wird dort fast ausschließlich in der Landessprache unterrichtet. In der Türkei beispielsweise halten zudem Studiengebühren viele Flüchtlinge davon ab, ihr Studium fortzusetzen.

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