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Elite-Universitäten : Für null Euro in Harvard studieren

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Harvard University: Erziehung zur Leistung
          3 Min.

          Kinder aus der Mittelschicht haben es in Amerika bald leichter, auf eine Eliteuniversiät zu kommen. Mehrere namhafte Hochschulen haben den Zugang zu einer erstklassigen Ausbildung erleichtert. Aktuelles Beispiel ist die Universität Stanford in der Nähe der kalifornischen Stadt San Francisco: Sie folgt dem Vorgehen Harvards und anderer Universitäten und streicht die Studiengebühren für Kinder aus Familien mit einem Jahreseinkommen von weniger als 100 000 Dollar. Vom kommenden akademischen Jahr an müssen junge Studierende, deren Familien weniger als 60 000 Dollar im Jahr verdienen, auch nichts mehr für Unterkunft und Verpflegung bezahlen.

          "Eltern und Studenten sollen für eine Ausbildung, die nach unserer Ansicht zu den besten in der Welt zählt, nur das bezahlen, was sie sich leisten können", sagt Universitätspräsident John Hennessy. Kein Highschool-Absolvent in Amerika solle durch die hohen Kosten davon abgehalten werden, sich in Stanford zu bewerben.

          Null Dollar Studiengebühren

          Nach Auskunft von Karen Cooper, die sich in Stanford um die finanzielle Unterstützung von Studenten kümmert, stammen 30 bis 35 Prozent der jährlich rund 1650 Studienanfänger aus Familien mit Einkommen von weniger als 100 000 Dollar, 20 bis 25 Prozent der Familien haben weniger als 60 000 Dollar zur Verfügung. Um die finanzielle Unterstützung aufzustocken, wird Stanford unter anderem auf sein Stiftungsvermögen zurückgreifen. Die Stanford Management Company verwaltet ein Vermögen von rund 18 Milliarden Dollar.

          Gleichzeitig hat der Verwaltungsrat der Universität beschlossen, die Studiengebühren für das Jahr 2008/2009, das im Herbst beginnt, von 34 800 Dollar auf 36 030 Dollar anzuheben. Zusammen mit den Kosten für Unterkunft und Verpflegung müssen junge Studierende am College der Universität damit rund 47 200 Dollar bezahlen, etwa 3,5 Prozent mehr als im laufenden Jahr. Höher fällt der Anstieg der Gebühren für einige Hauptstudiengänge aus. Die medizinische Fakultät wird 4,25 Prozent mehr verlangen, die renommierte betriebswirtschaftliche Fakultät erhöht die Gebühren sogar um 6,5 Prozent.

          Zwei Drittel der Studenten erhalten Stipendien

          Die Harvard-Universität in Cambridge unweit von Boston hatte bereits im Dezember finanzielle Erleichterungen für Kinder aus Familien der Mittelschicht angekündigt. Demnach müssen Familien mit Einkommen zwischen 120 000 und 180 000 Dollar im Jahr 10 Prozent davon für die Ausbildung ihrer Söhne und Töchter am Harvard College bezahlen. Der Prozentsatz sinkt mit den Einkommen und erreicht null Prozent für Familien, die 60 000 Dollar oder weniger verdienen. Darüber hinaus erwartet die Eliteuniversität fortan nicht mehr, dass Studierende im College ein Darlehen zur Finanzierung der Gebühren aufnehmen. Auch das Immobilienvermögen der Familie geht in die Bemessung der finanziellen Unterstützung nicht länger ein.

          "Wir wollen, dass alle Studenten, die von einem Studium in Harvard träumen, wissen, dass dies eine realistische und finanzierbare Option ist", sagt Harvard-Präsident Drew Faust. Zwischen 2004, als Harvard unter Führung des damaligen Präsidenten Lawrence Summers erstmals deutliche finanzielle Erleichterungen für Studenten beschloss, und dem laufenden akademischen Jahr hat sich der Anteil der Studierenden aus Familien mit einem Einkommen von höchstens 80 000 Dollar um rund ein Drittel erhöht. Derzeit bekommen rund zwei Drittel aller Studenten im Harvard College finanzielle Unterstützung. Das Stiftungsvermögen von Harvard beträgt rund 35 Milliarden Dollar. Die Studiengebühren betragen derzeit 31 456 Dollar für jedes der vier Jahre am Harvard College. Einschließlich Unterkunft und Verpflegung sind es rund 45 500 Dollar.

          Konjunktur steht Bildung im Wege

          Allerdings sehen sich nicht alle Universitäten dazu in der Lage, die finanzielle Unterstützung für die Studierenden zu erhöhen. Das gilt beispielsweise für die Universität von Südkalifornien (USC) in Los Angeles: "Damit wir etwas Ähnliches wie Stanford machen könnten, müsste unser Stiftungsvermögen viel, viel größer sein", sagt Jerry Lucido, der dort für die Aufnahmepolitik zuständig ist. Ganz untätig ist er aber auch nicht: Zwar seien in den vergangenen zehn Jahren die Studiengebühren um 65 Prozent gestiegen, gleichzeitig habe die USC aber ihre finanzielle Förderung um 80 Prozent erhöht. Nach Angaben Lucidos erhalten knapp 60 Prozent der Studenten und Studentinnen Unterstützung durch die Institution.

          Fachleute befürchten, dass die aktuelle Wirtschaftsschwäche es für viele Studenten noch schwieriger machen wird, ihre Ausbildung zu finanzieren. Einer Studie des Council on Aid to Education zufolge sind nur rund 2 Prozent aller amerikanischen Universitäten in der Lage, aufgrund ihrer finanziellen Ausstattung die Förderung von Studenten zu verbessern.

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