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Junge Mint-Talente : Deutsche Schüler mit Extraschicht zum Physik-Weltcup

  • -Aktualisiert am

Junge MINT-Talente sind doch gar nicht so selten. Bild: Hauri, Michael

Sie sind erst 16 oder 17 Jahre alt und waren gerade auf einem internationalen Physik-Wettbewerb unterwegs. Sie haben viel trainiert. Warum die deutschen Schüler trotzdem nicht so viel Zeit investieren konnten wie die Sieger aus Singapur.

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          Ganz so schlecht scheint es um den naturwissenschaftlichen Nachwuchs hierzulande nicht bestellt zu sein. Jedenfalls startete beim „International Young Physics Tournament“, von den einen als Weltcup, von anderen als Weltmeisterschaft für junge Physiker bezeichnet, auch wieder ein deutsches Team. Die fünf Talente, jeweils 16 oder 17 Jahre alt, trafen  in den vergangenen Tagen in Singapur auf Teams aus 30 Ländern, um in sogenannten Fights physikalische Aufgaben zu lösen und errangen einen respektablen sechsten Platz. Gastgeber Singapur gewann mit seinem Schülerteam den Wettstreit.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar gelten die Mint-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, an deutschen Schulen und Universitäten als Problemfächer mit ausbleibendem Nachwuchs. Aber nach Singapur war Deutschland als Rekordmeister gereist: 22 Medaillen insgesamt in den vergangenen Jahren sind international unerreicht. Im vergangenen Jahr wurde Deutschland in Russland hinter Singapur Zweiter. Im Vergleich mutet der diesjährige sechste Platz zwar weniger gut an, doch errang das Team insbesondere am zweiten und am letzten Wettkampftag vor dem Finale sehr respektable Leistungen.

          Vom diesjährigen und letztjährigen Sieger Singapur hatte sich das deutsche Team einiges abgeschaut, wie Florian Ostermaier sagt. Der Jungwissenschaftler vom Institut für Mikro- und Nanomaterialien der Universität Ulm hat die deutsche Vorauswahl geleitet und die fünf deutschen Starter nach Asien begleitet. Er sagt, dass die deutschen Teams in diesem Wettbewerb bis vor einigen Jahren „sehr gut dabei“ waren, danach aber schwächelten. „In letzter Zeit kommen die Teams aus dem asiatischen Raum sehr stark auf.“ Singapur etwa stelle seine Teilnehmer für ein halbes Jahr von allen anderen Schulfächern frei, um sich auf den Wettkampf vorzubereiten. Gestandene Physiker diverser Universitäten stehen ihnen dabei zur Seite – auf dass die Talente im Wettbewerb experimentelle Aufgaben lösen und ihr Vorgehen überzeugend präsentieren können.

          „Wir versuchen, dieses System in kleinerem Maßstab zu kopieren“, sagt Ostermaier. Das Team sei aber auf das Verständnis von Schulleitern angewiesen, die den Jungphysikern „mal ein paar Kunst- oder Sportstunden erlassen, um an einer benachbarten Universität eine Messung durchführen zu können“. Immerhin: Das Verständnis für Begabtenförderung in der Physik wachse. Das sei aber auch nötig. „Ohne diese Förderung wären wir sicher nicht konkurrenzfähig, weil die Schule den Mint-Spitzenschülern quasi nichts mehr zu bieten hat.“

          Harte Qualifikation

          Auf die fünf deutschen Starter, die sich erst über ein regionales Turnier, dann über eine bundesweite Ausscheidung und schließlich über einen Auswahlworkshop an der Uni Ulm qualifizieren mussten, warteten in Singapur Aufgaben wie diese: Wie könnte ein Teleskop aus nur einer optischen Linse gebaut werden, und wie gut wäre dieses im Vergleich zu herkömmlichen Geräten? Die Lösung musste dann in einem zwölfminütigen Vortrag präsentiert werden, und zwar in Englisch.

          Tüftler allein kommen hier nicht weiter, sie dürfen auch nicht auf den Mund gefallen sein. Ostermaier sagt, dass schon bei den Workshops in Ulm in Trainingssituationen nach den entscheidenden Qualitäten gefahndet werde: experimentelles Geschick, schnelle Auffassungsgabe, aber auch rhetorische Fähigkeiten. Alles in allem kamen die Teilnehmer auf eine Vorbereitungszeit von drei Monaten.

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