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Design-Thinking : Wenn Erklärbären ins Schwitzen kommen

  • -Aktualisiert am

So sieht die neue Art des Denkens aus: Design-Thinking-Studenten in Potsdam Bild: Andreas Pein

Wie gehen Tierhaare von der Kleidung? Wie konserviert man Wissen? Design-Thinking-Studenten klären kuriose Fragen auf neuen Wegen.

          6 Min.

          Wie können ältere Mitarbeiter ihr Wissen an jüngere weitergeben? Diese Frage stellt sich ein mittelständisches Unternehmen. Etliche Angestellte gehen demnächst in Rente. Es besteht die Gefahr, dass mit ihnen wertvolle Kenntnisse aus dem Betrieb verschwinden. Wie etwa ist zu interpretieren, wenn eine Maschine ein bestimmtes Geräusch von sich gibt? Wie reagiert sie auf Ölmischungen? Wie kann die Arbeit mit ihr am besten organisiert werden? Das alles ist Erfahrungswissen, das man kaum aufschreiben kann.

          Um gute Lösungen zu finden, kooperiert der Mittelständler mit der School of Design Thinking, die zum Hasso-Plattner-Institut an der Uni Potsdam gehört. An dem 1998 gegründeten, privat finanzierten Institut werden eigentlich IT-Fachleute ausgebildet. Die School of Design Thinking bietet aber einen Studiengang für Menschen an, die Vorkenntnisse aus unterschiedlichen Fachrichtungen mitbringen. Sie sollen eine ganz neue Art des Denkens kennenlernen, von der viele Fachleute glauben, dass sie ganz hervorragend zur digitalisierten Arbeitswelt passt: Die kreative, portionsweise, iterative Art zu denken, die Designer und Architekten schon immer nutzen, soll im Design Thinking auf alle möglichen Fragen auch außerhalb dieser Gebiete angewendet werden – etwa auf Management-Probleme.

          Design Thinking wurde Ende des 20. Jahrhunderts entwickelt, um Konsumgüter zu verbessern.Die Kursteilnehmer an der School of Design Thinking sind an zwei Tagen je Woche vor Ort; manche arbeiten nebenbei oder studieren noch ein weiteres Fach. Sie kommen aus aller Herren Ländern; Unterrichtssprache ist Englisch. Dass bei einem Design-Thinking-Projekt Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung und Erfahrung auf eine Sache schauen, soll dazu beitragen, dass ungewöhnliche Ideen entstehen. Das schätzt man in der Wirtschaft.

          „Die Menschen sind geerdet“

          Die School of Design Thinking bekommt regelmäßig Anfragen von Unternehmen, die mit der Methode komplexe Probleme bewältigen möchten. „Viele unserer Projektpartner wollen mit uns zusammenarbeiten, weil sie wissen, dass sie betriebsblind geworden sind“, sagt Claudia Nicolai. „Sie haben erkannt: Ich sehe nicht mehr, woran es hakt.“ Die Ökonomin leitet die School zusammen mit einem Innovationswissenschaftler.

          Um das Wissensproblem des Mittelständlers kümmert sich ein fünfköpfiges Team: ein IT-Fachmann, eine Ingenieurin, eine Musikwissenschaftlerin, ein Mann aus der Filmbranche und der 33 Jahre alte Norman. Er hat Betriebs- und Politikwissenschaft studiert und arbeitet für Berliner Start-ups. Zunächst einmal, so erzählt Norman, hätten die fünf den Betrieb besucht und ausführliche Interviews mit Angestellten geführt. „Das war eine schöne Erfahrung“, resümiert er. „Die Menschen sind geerdet, und im Gespräch mit uns waren sie sehr offen.“ Was er bei diesem Projekt lerne, könne er für seine Arbeit mit den Start-ups gut gebrauchen. Auch dort gehe es darum, dass viele Menschen ihr Wissen miteinander teilten.

          An diesem Montag hat sich das Team zusammengefunden, um die Interviews auszuwerten und daraus weitere Fragen zu entwickeln. Auf derselben Etage sind acht weitere Teams mit ihren Design-Thinking-Projekten beschäftigt. Jedem steht ein Coach zur Verfügung. Stifte, Scheren und Magnete für das Befestigen von Zetteln an Stellwänden liegen bereit, außerdem quaderförmige Sitzhocker, die sich zusammenschieben lassen, um sich spontan zu einem Gespräch zu versammeln.

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