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Design-Thinking : Wenn Erklärbären ins Schwitzen kommen

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Lösungen statt Probleme

Die fünf sitzen mit Sherif Osman zusammen, der an der School of Design Thinking als Wissensmanager arbeitet. An einer Stellwand hängen wieder viele Klebezettel, und sie diskutieren auf Englisch: Wie erwerben Menschen überhaupt Wissen? Durch Zuhören, Zuschauen, Reden? Reicht bei dem Mittelständler die Zeit dafür aus? Was geschieht, wenn „Erklärbären“ mit ihrer Rolle nicht zurechtkommen? Wie können sie didaktisches Wissen erwerben? Könnten die Mentoren den jungen Arbeitern länger zur Verfügung stehen? Die Angestellten sollten nicht als Kostenfaktor gesehen werden, sondern als Potential, sagt jemand. „Menschen wertschätzen“ steht auf Englisch auf einem Klebezettel. „Ich bin glücklich mit diesem Projekt, weil es so greifbar ist“, sagt Norman.

Auch im Team nebenan sind glückliche Menschen am Werk. „In meinem Studium der Sozialwissenschaften haben wir uns eher auf Probleme konzentriert“, sagt Teammitglied Fenja. „Hier arbeiten wir an Lösungen. Das gefällt mir.“ Es geht um Menschen, die Katzen und Hunde halten und jede Menge Tierhaare von ihren Sachen entfernen müssen. Ein lästiges Problem, weiß Mylo aus Großbritannien: „Ich hatte selbst mal eine Katze, und ich gehe manchmal Gassi mit den Hunden meiner Freunde.“

Er hat Politik, Philosophie und Wirtschaft studiert, arbeitet als Szenograph und als Manager kleiner Kulturprojekte. „Da nutzen wir Design Thinking schon, um zu überlegen, was die nächsten Schritte sind, was unsere Vision ist.“ In Potsdam wolle er seine Kenntnisse über die Methode vertiefen. Sie führe alle seine Fähigkeiten zusammen, sagt Mylo und zählt auf: „in einem Team arbeiten, etwas aufbauen und gestalten, kreativ sein und dabei wirtschaftlich denken“. Die Dozentin Claudia Nicolai formuliert es so: „Innovation entsteht aus einer Kombination von einer Idee und der Vorstellung davon, wie man diese in die Realität überführen kann.“

„Vielleicht ist der Schmutz ein Geschenk?“

Genau daran arbeitet das Team jetzt. Sie haben Tierhalter befragt: Wie gehen sie bisher mit dem Problem um? Sie baten sie, ihre Traummaschine zur Beseitigung von Haaren zu zeichnen. „Anhand der Bilder haben wir besser verstanden, was sie sich wünschen“, sagt Mylo. Zwar hat die School of Design Thinking die Idee für das Tierhaar-Projekt zusammen mit einem Staubsaugerhersteller entwickelt. Doch die Studierenden wollen sich nicht auf Ideen für ein besseres Gerät beschränken. Aus den Interviews wissen sie, dass viele Tierhalter wenig Zeit zum Putzen haben, etwa, weil sie kleine Kinder haben oder einen anstrengenden Job. Ein effektiverer Staubsauger allein würde ihnen kaum helfen.

Vor den mit Klebezetteln und Bildern bestückten Stellwänden steht Mylo und überlegt: Ist es denkbar, Katzen und Hunde vor Betreten der Wohnung maschinell von überschüssigen Haaren zu befreien? Kaum. „Meine Katze soll sich wohl fühlen“ lautet das Zitat eines Tierhalters auf einem Klebezettel. „Können wir eine Art Sieb verwenden?“, fragt jemand. Mylo erzählt: Ein Paar, das er befragt hat, betrachtet das Putzen als eine Art Meditation. Anschließend haben die beiden einen gelassenen und aufgeräumten Blick auf die Welt. Jemand sagt: „Vielleicht ist der Schmutz ein Geschenk?“

Das Studium Das Studium an der School of Design Thinking dauert für Anfänger und Fortgeschrittene je ein Semester. Das erste Semester kostet 750 Euro, das zweite ist kostenlos. Bewerbungen für den Basic Track, der im Herbst beginnt, sind vom 31. Mai bis zum 31. Juli möglich. Außerdem veranstaltet die School regelmäßig „Global Design Thinking Weeks“, an denen auch Externe teilnehmen können. Informationen: https://hpi.de/school-of-design-thinking

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