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Design-Thinking : Wenn Erklärbären ins Schwitzen kommen

  • -Aktualisiert am

Kuddelmuddel in Regenbogenfarben

Die Teilnehmer können ihre Ideen mit Puppen oder Fotos veranschaulichen, ihre Sitzungen an die frische Luft verlegen oder in einem Raum Tischfußball spielen, um den Kopf frei zu bekommen. Claudia Nicolai und mehrere weitere Mitarbeiter halten sich im Hintergrund bereit, um Fragen zu beantworten. Dass sie den Prozess nicht dominieren, sei Teil der Methode und ein „Unterschied zur traditionellen universitären Lehre“, betont Nicolai.

Über den Köpfen der Studierenden hängen Zettel auf Englisch und Deutsch an der Wand, die an die Grundsätze des Design Thinkings erinnern: beim Thema bleiben, nutzerorientiert denken, Prozesse bildlich darstellen, Kritik an anderen Teilnehmenden zurückstellen, auf ihre Ideen aufbauen. „Früh und oft scheitern!“ mahnt ein Zettel: Die Studierenden sollen keine Scheu vor Fehlern haben und aus ihnen lernen.

Das Wissensteam hat Plakate und Klebezettel an mehrere Stellwände gehängt – ein Kuddelmuddel in Regenbogenfarben. Norman zeigt Bilder von vier „Personas“, die die fünf gezeichnet haben. Das sind Prototypen von Angestellten des Mittelständlers. Eine „Persona“ trägt eine blaue Arbeitshose. Der Mann arbeitet an einer Maschine. Er ist ein Familienmensch, wie das symbolische Bild einer Frau mit Kind veranschaulicht. „Ich liebe meine Arbeit“ und „Ich möchte meinen Kollegen helfen“ verkündet die „Persona“ via Klebezettel. „Dieser Mann denkt auch zu Hause noch darüber nach, wie er sein Wissen an andere weitergeben kann“, sagt Norman.

Viele Zwischenschritte nötig

Die nächste „Persona“ ist eine Führungskraft mit Brille und Krawatte. Das Foto eines Föhns symbolisiert den Wind, der ihr entgegenschlägt: die Konkurrenz in China, die Wünsche der Kunden, die Notwendigkeit, Kosten zu begrenzen. Norman zeigt noch zwei weitere „Personas“: Ein 21 Jahre alter Mann hat eben seine Ausbildung abgeschlossen und wird bald Verantwortung für eine Maschine übernehmen. Ein älterer Arbeiter mit Warnweste gehört zu der Gruppe im Betrieb, die ihr Wissen an Jüngere weitergeben soll. Das Team nennt diese Leute scherzhaft „Erklärbären“. „Der Mann nimmt wahr, dass die junge Generation anders tickt als er“, sagt Norman. Nichtsdestotrotz hätten sich auch die Älteren mit moderner Technik angefreundet. Ihre Schichtübergaben organisieren sie mit einem Instant-Messaging-Dienst.

Die Zeichnungen helfen dem Team, die Angestellten und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Ihnen ist klargeworden, wie wissbegierig der Azubi ist. Er will seine Maschine genau verstehen. Er bewundert den Kollegen, der ihn als Mentor betreut. „Doch er ist unsicher“, sagt Norman. „Wann darf er diesen vielbeschäftigten Mann ansprechen?“ Oft fehle Zeit für ausführliche Erklärungen.

Bei manchen herkömmlichen Methoden präsentieren Berater nach einer festgesetzten Zeit eine Lösung des Problems. Design Thinking sieht hingegen viele Zwischenschritte vor. Das Team informiert den Mittelständler über seine bisherigen Überlegungen, erhält ein Feedback, arbeitet mit einer präziseren Fragestellung weiter. Ende des Monats hat das Wissensteam einen solchen Präsentationstermin. Auch der Austausch mit anderen Studierendenteams ist vorgesehen.

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