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Design-Studium : Werber auf der Walz

Marcel Günthel (l.) und Philipp Bertisch in Walz-Kluft Bild: das Schmott

Zwei Studenten der Bauhaus-Universität in Weimar haben sich ein ungewöhnliches Thema für ihre Diplomarbeit gesucht: Die beiden Nachwuchs-Designer gehen auf die Walz. Sie reisen durch Deutschland und bieten Unternehmen ihre Dienste an.

          2 Min.

          Es gibt bequemere Arten, seine Diplomarbeit zu schreiben. Statt vormittags ein paar Stunden in der Bibliothek zu verbringen und mittags im Freibad oder im Café zu entspannen, haben sich Marcel Günthel und Philipp Bertisch für ein härteres Programm entschieden: 24 Stunden am Tag, zehn Wochen lang. Die beiden Studenten der visuellen Kommunikation der Bauhaus-Universität Weimar gehen auf die Walz. Seit einigen Tagen reisen sie durch Deutschland und bieten kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Dienste als kreative Unternehmensberater an. „Wir gehen schon mal vor“, lautet das Motto ihrer Reise.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Wir wollten kein fiktives Projekt machen, sondern etwas Sinnvolles“, sagt der 24 Jahre alte Marcel Günthel. Vor einem Vierteljahr kam den beiden, die schon häufiger im Team zusammengearbeitet hatten, die Idee zur Werber-Walz. Auslöser war ein Vortrag, den Amir Kassaei, der Kreativchef der Werbeagenturgruppe DDB, in Weimar gehalten hatte. Kassaei propagiert schon seit langem die These, Werber dürften sich nicht mehr länger als Bildchenmaler verstehen, sondern müssten als kreative Unternehmensberater arbeiten, um auch in Zukunft noch Aufträge zu erhalten.

          Multimedial auf Wanderschaft

          „Die Unternehmen sehen Designer oft als eine Art Handwerker“, sagt der 25 Jahre alte Philipp Bertisch. So habe auch er es erlebt, als er ein Praktikum in der Berliner Niederlassung von DDB gemacht habe. Dabei spiele die konzeptionelle Arbeit eine wichtige Rolle in ihrem Studium. „Unsere Diplomarbeit ist auch ein Test, ob wir das in der Praxis umsetzen können.“ Ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung kann er zwar ebenso wenig vorweisen wie sein Kommilitone, aber einer solchen Erfahrung bedarf es seiner Ansicht nach auch gar nicht. „Unternehmensberater arbeiten sehr zahlenbasiert, da geht es um die Frage: Wie komme ich von A nach B? Uns geht es mehr um die Frage: Wie soll sich die Lösung anfühlen?“

          Die Reiseroute der beiden steht nicht fest, sie trampen von Ort zu Ort und steigen erst dann aus, wenn auch der Fahrer sein Ziel erreicht hat. So wollen die Studenten gleich die ersten Kontakte knüpfen. Am Zielort angekommen, gilt es dann ein beratungswilliges Unternehmen zu finden, das ihnen freie Kost und Logis - schließlich soll es sich um eine Walz handeln - stellt. Jeweils drei Tage veranschlagen die Nachwuchsdesigner für ihre Analyse- und Konzeptionsphase. Was die Unternehmen aus den Vorschlägen später machen, bleibt ihnen überlassen.

          Anders als traditionelle Zimmermänner sind die Bauhaus-Studenten multimedial auf Wanderschaft - nicht nur ein Handy hat jeder dabei, auch der Laptop darf nicht fehlen. Auf der Facebook dokumentiert das umtriebige Duo seine Reise. Später gilt es, die Erlebnisse auf Papier zu bringen, um den formalen Anforderungen an eine Diplomarbeit zu genügen. Die Professoren hätten nichts gegen die ungewöhnliche Arbeit, ganz im Gegenteil, erzählt Philipp Bertisch. „Die fanden toll, dass mal jemand etwas anderes macht.“ Auch die übrigen Studenten hätten positiv reagiert, sagt er. „Wir haben schon massenhaft Vorschläge bekommen, wo wir überall hinsollen.“

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