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Der Bachelor im Test (6) : Im Career Center bebrüten Brains Soft Skills

  • -Aktualisiert am

Für die Reflexion grundlegender Fragestellungen, wie beispielsweise diejenige, ob es überhaupt Aufgabe der Universität als wissenschaftliche Einrichtung sein kann, Studenten der Geisteswissenschaften technisches Handwerkszeug wie die Bedienung von Computerprogrammen zu vermitteln, bleibt in den immer noch vorherrschenden universitären Systemumstellungswehen keine Zeit. Es gilt, erst zu handeln, um dann nötigenfalls zu einem späteren Zeitpunkt noch umzustellen. Ein Konzept ist gefragt, wie es inhaltlich aussieht, scheint zunächst zweitrangig.

„Modul für vernetztes Wissen“

So kommt es, dass bereits die Richtlinien für die ABKs in anderen Bereichen der Fakultät für Geisteswissenschaften anders ausfallen als in Geschichte und Philosophie. Der Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaft legt seinen Schwerpunkt auf eine möglichst breit gefächerte Veranstaltungspalette. Während der ersten beiden Semester werden sogenannte Berufsfelderkundungsseminare angeboten, die in thematische Schwerpunkte wie Bücher, Presse, Wirtschaft oder PR gegliedert sind. Nachdem im zweiten Jahr auch hier die Vorbereitung auf das Berufspraktikum im Mittelpunkt steht, bietet der Fachbereich für das fünfte und sechste Semester ein "Modul für vernetztes Wissen" an, bei dem die Studenten aussuchen können, ob sie sich intensiv mit Präsentation und Moderation, Schreibtechniken oder mit Projektmanagement beschäftigen möchten.

Begleitend zu den Seminaren wird eine Ringvorlesung über "Berufsfelder und Berufsperspektiven für Sprach-, Literatur- und MedienwissenschaftlerInnen" angeboten. Einmal in der Woche gewähren Experten Einblick in ihr Berufsfeld, damit, so drängt sich der Eindruck auf, auch Geisteswissenschaftler einmal freudig erfahren können, wie viele Berufe auf sie in der großen weiten Arbeitswelt warten.

Nur langsam füllt sich der Saal an diesem späten Nachmittag. Das Publikum in dem mit modernen Tisch- und Stuhlreihen ausgestatteten Hörsaal ist in der überwältigenden Mehrheit weiblich - und jung. Kein Vergleich zu den vielen anderen Vorlesungen in der Literaturwissenschaft, in denen bereits eine Viertelstunde vor Beginn eine Hundertschaft zeitungslesend auf den Dozenten wartet.

Routinierter Vortrag zu Folienbildern

Für das Berufsfeld Personalarbeit hat die Koordinatorin der Veranstaltung heute eine Expertin aus dem eigenen Haus eingeladen: Frauke Narjes, Leiterin des "Career Centers" der Universität Hamburg. Sie spricht mit Mikrofon am Kopf und trägt routiniert zu ihren Folienbildern vor. Auf die Ansprache, die sie versucht, reagieren die Studenten aber nicht. Nur eine Handvoll meldet sich bei der Frage, wer sich eine spätere Tätigkeit in der Beratung vorstellen könnte. Der Rest ist da, um die Zeit abzusitzen und auf der Teilnehmerliste zu unterschreiben. Ohne Unterschrift keine Credit Points.

Mit Hilfe der Konstruktivismustheorie versucht Narjes, die Studenten von den modernen Methoden der Beratung zu überzeugen. "Es gibt keine objektive Wirklichkeit, die Wahrheit entsteht im Gehirn jedes Einzelnen." Daher(!) dürfe auch nicht die eigene Sichtweise bei einer Beratung entscheidend sein. Vielmehr müssten die Erfahrung des Experten und die Ansichten des Gegenübers eine Symbiose eingehen. Einzelhirne mit Eigenwahrheiten in Symbiose: So weit, so wirr.

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