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Der andere Berufseinstieg : „Das macht uns so leicht keiner nach“

  • Aktualisiert am

Hannes Koch, 23, hat an der School of Audio Engineering in Berlin seinen Bachelor gemacht. Bild: Privat

Bachelorabsolventen machen einen Master oder fangen an zu arbeiten. Hannes Koch hingegen segelt um die Welt – und produziert ungewöhnliche Lieder.

          2 Min.

          Herr Koch, warum segeln Sie um die Welt?

          Mein Segelpartner Ben Schascheck und ich nennen uns Sailing Conductors, also segelnde Dirigenten. Im Juli 2011 begann unsere Reise. Seitdem produzieren wir Lieder, die von Musikern aus unterschiedlichen Ländern stammen, ohne dass sie sich je begegnet sind. Den Gesang nehmen wir zum Beispiel in Thailand auf und die Melodie in Indien. Beides mischen wir später zu einem Lied zusammen. Ich habe einen Blog erstellt, auf dem wir Tagebuch führen und unsere Musikvideos hochladen.

          Lief bisher alles reibungslos ab?

          Gesegelt bin ich vorher noch nie, daher musste ich mir viel auf der Reise selbst aneignen. Hinzu kommt, dass unser Boot 35 Jahre alt ist und wir vieles reparieren mussten. Daher hatten wir anfangs unheimlich viel mit dem Boot selbst zu tun und konnten wenig produzieren. Bisher fuhren wir unsere Wunschroute ab, die uns von Australien über Thailand nach Singapur führte. In den nächsten Monaten geht es Richtung Indien und Südafrika.

          Was ist das Ungewöhnlichste an Ihrer Reise?

          Unser Projekt ist weder Auslandssemester noch Urlaub. Es ist sozusagen eine Festanstellung, bei der wir von Spenden und Sponsoren leben. Wir gehen danach nicht in einen geregelten Tagesablauf über. Die Reise muss uns so viel geben, dass wir danach als selbständige Kreative unseren Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen.

          Konnte Sie Ihr Studium als Toningenieur auf diese Erlebnisse vorbereiten?

          In meiner Bachelorarbeit spielte ich theoretisch durch, was uns erwarten würde – eine Art Vorabplanung für den Segeltörn. Und ohne das Studium wäre unser Vorhaben sicherlich schwer umzusetzen. Um Musik an ungewöhnlichen Orten überall auf der Welt aufzunehmen, muss jeder Handgriff sitzen, viele Dinge müssen parallel erledigt werden. Daher müssen wir unser Equipment in- und auswendig kennen.

          Sehen Sie für sich einen deutlichen beruflichen Vorteil durch die Reise?

          Die Kombination aus Tontechniker und erfahrenem Segler ist auf der Welt wohl eher einzigartig. Wenn wir 2013 zurückkehren, haben wir auf alle Fälle etwas auf die Beine gestellt, das uns so leicht keiner nachmacht. Wir sind dann keine jungen Menschen mehr, sondern erfahrene Produzenten. Bis dahin haben wir hoffentlich gelernt, was Selbständigkeit bedeutet und können auch schon regelmäßige Einnahmen erzielen. Wir stoßen auf der Reise immer wieder auf Geschäftsideen, die wir eventuell umsetzen könnten.

          Gibt es bereits berufliche Angebote?

          Unser primäres Ziel ist, dass die School of Audio Engineering unseren Masterabschluss sponsert. Konkrete Jobangebote gibt es noch nicht. Allerdings hat der John-Lennon-Tourbus, ein mobiles Aufnahmestudio, schon angefragt, ob wir nach unserer Wiederkehr etwas zusammen auf die Beine stellen wollen.

          Das Gespräch führte Steffen Eggebrecht.

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