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Community Colleges : Amerikas unentdeckte Kaderschmieden

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Bild: F.A.Z. - Tresckow

Ihren ersten Studienabschluss machen viele Amerikaner am Community College. Nur wenige Deutsche kennen diese Schulen - dabei sind sie unschlagbar günstig. Und haben schon so manche Führungskraft hervorgebracht.

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          Gouverneur Arnold Schwarzenegger, Space-Shuttle-Kommandantin Eileen Collins, Designer Calvin Klein und Genomforscher Craig Ventor - ihre Karrieren könnten kaum unterschiedlicher sein. Aber eines haben diese vier prominenten Amerikaner gemeinsam: Ihre Ausbildung haben sie an einem Community College begonnen, an einer der fast 1200 kommunalen Institutionen, die möglichst breiten Bevölkerungsschichten in den Vereinigten Staaten Zugang zu höherer Bildung ermöglichen wollen.

          Fast die Hälfte der amerikanischen Studenten studiert zunächst zwei Jahre an einem Community College, um dort den "Associate Degree" zu erwerben. Mit diesem Abschluss kann man dann auf ein anderes College wechseln und dort ohne Zeitverlust in zwei weiteren Jahren seinen "Bachelor" machen.

          Größter Zulauf ausländischer Studenten

          In Deutschland sind die Community Colleges jedoch bislang kaum bekannt. Wer mit dem Gedanken an ein Studium in Amerika spielt, träumt meistens von Eliteuniversitäten wie Harvard und Yale - aber nicht vom "Houston Community College" in Texas, dem "Santa Monica College" in Kalifornien oder dem "Montgomery College" vor den Toren Washingtons. Diese drei Schulen haben den größten Anteil ausländischer Studenten unter den Community Colleges. Insgesamt waren an ihnen 2006/07 mehr als 85 000 Ausländer eingeschrieben, rund 15 Prozent aller ausländischen Studenten in den Vereinigten Staaten.

          Verglichen mit den herkömmlichen Colleges, haben die Community Colleges sogar den größten Zulauf ausländischer Studenten. Während der Anteil der ausländischen Bachelor-Studenten 2006/07 insgesamt sogar um 1,5 Prozent sank, verzeichneten sie einen Zuwachs von 6,8 Prozent. So steht es im Bericht "Open Doors 2007", den das "Institute of International Education" jährlich publiziert. Wie generell beim Auslandsstudium in Amerika, sind auch an den Community Colleges Studenten aus Asien am stärksten vertreten. Deutschland belegt mit 659 Studenten den 19. Platz.

          Aber was genau haben die Community Colleges ausländischen Studenten zu bieten? "Ein breitgefächertes Studienangebot mit intensiver Betreuung zu relativ geringen Gebühren", sagt Judith Irwin, die Direktorin für internationale Programme beim Dachverband American Association of Community Colleges (AACC). "Die Studiengebühren liegen im Schnitt bei 6500 Dollar im Jahr. Für das Studienjahr an einem vierjährigen staatlichen College zahlt man dagegen im Durchschnitt doppelt so viel. Für ein privates College klettern die Kosten sogar auf durchschnittlich 25 000 Dollar im Jahr."

          Die Qualität variiert erheblich

          Außerdem hätten die Klassen an Community Colleges meist nicht mehr als 25 bis 35 Studenten, ihnen würden intensive Lernhilfe und Betreuung geboten - zumal da die Dozenten sich hier ganz auf die Vermittlung von Wissen und nicht auf die Forschung konzentrierten.

          Besonders beliebt sind bei ausländischen Studenten an Community Colleges Studiengänge wie Unternehmensführung, Informatik, Ingenieurswesen, Hotel- und Restaurantmanagement sowie Multimedia. "Aber man kann im Grunde alles studieren, von Kunst bis Zoologie", erläutert Judith Irwin. Allerdings variieren nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität erheblich von Community College zu Community College. Denn traditionell sind diese auf den Arbeitskräftebedarf der regionalen Wirtschaft ausgerichtet, die auch an der Gestaltung des Lehrangebots mitwirkt.

          Je nach Region kann es also gewaltige Unterschiede zwischen den Colleges geben. "Aber man kann nicht generell sagen, dass das Niveau an Community Colleges niedriger ist als an anderen Colleges", sagt Alexandra Michel vom Beratungsdienst "College-Contact.com" in Münster, der kostenlos über Studienmöglichkeiten im Ausland informiert.

          Geringe Gebühren, aber strenge Aufnahmekriterien

          Insgesamt sind die Aufnahmekriterien jedoch weniger streng als an vierjährigen Colleges, weil man an den Community Colleges darauf setzt, Lücken oder Schwächen durch intensive Betreuung auszugleichen. Das gilt auch bei Englischdefiziten ausländischer Studenten. So brauchen diese oft nicht den Sprachtest TOEFL nachzuweisen. Viele Community Colleges veranstalten stattdessen Eingangstests und machen gegebenenfalls die Teilnahme an Englischkursen zur Auflage.

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