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Comics als Lehrmethode : Bildergeschichten für das Jurastudium

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Die neuen Jura-Comics nehmen zivilrechtliche Themen in den Fokus. Bild: Universität Regensburg

In Schulen werden schon länger gezeichnete Lehr-Comics eingesetzt, um bestimmte Sachverhalte anschaulicher darzustellen. Regensburger Wissenschaftler haben sich nun daran versucht, komplizierte juristische Sachverhalte als Bildergeschichten darzustellen.

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          Schon lange gibt es in Schulen spezielle Lehr-Comics für die verschiedensten Unterrichtsfächer, die den Schülern trockene Materie mit Hilfe von betexteten Bildern verständlicher machen sollen. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Regensburg einen Versuch gestartet, Comics auch zur Vermittlung komplizierter Sachverhalte aus dem Bereich Jura einzusetzen.

          Christian Wolff vom Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur der Universität Regensburg und die beiden Juristinnen Tamara Hahn  und Bettina Mielke stellten die Comics im Tagungsband zum 16. Internationalen Rechtsinformatik-Symposion vor. Sie kommen zu dem Schluss, dass Comics auch zur Vermittlung von abstrakten juristischen Sachverhalten geeignet sein können.

          Comics im juristischen Kontext hätten vielfältige Vorteile, argumentieren die Regensburger Wissenschaftler: Denn die Bildergeschichten sprechen verschiedene Sinne zugleich an und fördern auf diese Weise einen aktiven Lernprozess. Darüber hinaus wecken sie über den Einsatz von Symbolen und Farben Emotionen beim Leser – ein Umstand, der im Unterricht motivierend wirken kann.

          Es geht um die Themen Testament und Erben.

          Die Regensburger Wissenschaftler entwickelten auch eigene Vorschläge für juristische Lehrcomics. Ganz bewusst wählten sie dazu ein Problem aus dem Zivilrecht und nicht aus dem gemeinhin als anschaulicher empfundenen Strafrecht. So sollte geklärt werden, ob Comics auch für abstrakte Themengebiete geeignet sind. Zudem ging es um die Frage, ob gerade bei abstrakten Themen ein pädagogischer Mehrwert durch die Kombination von Bild und Text zu erzielen ist.

          Im Zentrum der im Rahmen des Projekts entstandenen Comics steht ein bekanntes juristisches Problem zur Testamentsgestaltung, die sogenannte Einheitslösung beim „Berliner Testament“. Als Berliner Testament bezeichnet man ein gemeinschaftliches Testament von Ehe- oder Lebenspartnern, in dem sich diese gegenseitig als Alleinerben einsetzen und für den Fall des Todes des Überlebenden den Nachlass an Dritte regeln. Hierzu gibt es mit der Einheitslösung und der Trennungslösung im Wesentlichen zwei unterschiedliche Gestaltungsformen.

          Durch möglichst überzeichnete Charaktere sollen die Inhalte besser im Kopf bleiben.

          Mit Hilfe der Regensburger Comics lassen sich die Schwachstellen der beiden Gestaltungsvarianten gut darstellen, die zu bestimmten Zeitpunkten relevant werden. Dabei verzichteten die Regensburger Wissenschaftler darauf, die dargestellten Personen in einem durchgehend laienhaften und flapsigen Stil sprechen zu lassen. Vielmehr enthalten die einzelnen Sprechblasen weitgehend juristische Fachsprache, wodurch ein über die Bilder hinausgehender Erkenntniswert geschaffen werden soll.

          Zur Verdeutlichung der für das Berliner Testament typischen Probleme dienen überzeichnet dargestellte und immer gleich bleibende Charaktere („alter, reicher Ehemann“; „junge Ehefrau mit Hang zum exzessivem Luxusshopping“). Die Forscher erhoffen sich, dass dies dazu beiträgt, das Dargestellte besonders gut im Gedächtnis zu behalten.

          In den vergangenen Jahren sind schon mehrfach Versuche gestartet worden, juristische Inhalte möglichst anschaulich aufzubereiten. Dabei spielen auch digitale Medien eine Rolle. Als Smartphone-App ist etwa mittlerweile ein Spiel namens „JuraShooter StGB“ erhältlich.

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