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Regelstudienzeit : „Interessante Lebensläufe sind wichtiger als schnelles Studieren“

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Carsten Baumgärtner kümmert sich als Senior Partner bei BCG federführend um das Thema Talentsuche und -auswahl. Bild: dpa

Wie wichtig ist ein schnelles Studium? Carsten Baumgärtner vom Beratungsunternehmen Boston Consulting sagt: Am Ende zählt, was Studenten mit ihrer Zeit angefangen haben.

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          Brauchen die Studenten an deutschen Universitäten zu lange für ihr Studium?

          Wir suchen Bewerber, die zu den besten zehn bis 15 Prozent ihres Jahrgangs gehören. Bei dieser Zielgruppe können wir kein Muster erkennen, dass sie länger für ihr Studium brauchen. Wenn unsere Bewerber über die Regelstudienzeit hinaus studieren, haben sie meistens gute Gründe dafür.

          Mit der Bologna-Reform wurde die Regelstudienzeit in den meisten Fächern verkürzt. War das ein Fehler?

          Eine Folge sind mit Sicherheit die verdichteten Lehrpläne. Dadurch bleibt Studierenden weniger Zeit, Praxis- oder Auslandserfahrungen zu sammeln. Aus unserer Sicht sind diese Erfahrungen aber sehr wichtig. Daher nehmen wir eine längere Studiendauer gerne in Kauf, wenn Bewerber dafür diese Erfahrungen mitbringen.

          Oftmals befürchten Studenten, dass sie schlechtere Berufschancen haben, wenn sie ihr Studium nicht möglichst schnell abschließen. Ist diese Sorge berechtigt?

          Nein. Wenn es gute Gründe für eine längere Studiendauer gibt, ist die Sorge unberechtigt. Uns ist wichtig, dass Bewerber die Zeit sinnvoll genutzt haben. Wir möchten sehen, dass sie aus ihrer Komfortzone herausgegangen sind. Das ist absolut legitim, schließlich sind uns interessante Lebensläufe wichtiger als schnelles Studieren.

          Welche Rolle spielt die Studienzeit bei der Einstellung in Unternehmen?

          Bewerber, die unseren Anforderungen entsprechen, sind in der Regel in der vorgegebenen Zeit mit ihrem Studium fertig. Wir sehen hier eine Korrelation zwischen akademischer Exzellenz und Zügigkeit im Studium. Es gibt jedoch strukturelle Faktoren, die weniger Zeit für Auslands- und Praxiserfahrungen lassen. Hier schauen wir sehr genau auf die Lebensläufe und lassen uns gerne erläutern, warum die Regelstudienzeit überschritten wurde.

          Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die ein Universitätsabsolvent für den Arbeitsmarkt mitbringen sollte?

          Was für uns zählt, sind exzellente Noten, analytisches Denkvermögen sowie die Neugier und der Wille, etwas Neues in die Welt zu bringen. Es zählt auch, was ein Bewerber neben dem Studium gemacht hat. Positiv ist, wenn er etwas zu erzählen hat - sei es von einem längeren Auslandsaufenthalt, einem sozialen Engagement oder Leistungssport. Ob er nach New York zu einer Bank gegangen ist oder nach Myanmar zu einer NGO, ist für uns letztlich gleichwertig. Entscheidend ist die Motivation dahinter.

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