https://www.faz.net/-gyl-u9r9

„Campus of Excellence“ : Aus dem Netzwerk in den Job

  • -Aktualisiert am

Es soll ein Teich voller „High-Potentials” werden Bild: Archiv

Auf dem „Campus of Excellence“ sollen Studierende und Unternehmen eine Beziehung für die Zukunft aufbauen. Praktika, Exkursionen nach Osteuropa, Kontakte: das verspricht eine Initiative aus Wissenschaft und Wirtschaft.

          2 Min.

          Einer Initiative aus Unternehmen und Hochschulen kommt das Verdienst zu, den abstrakten und leicht abgegriffenen Begriff „Vernetzung“ mit neuem Leben zu erfüllen. Studierende aller Fachrichtungen können sich im Internet um einen Platz im „Campus of Excellence“ bewerben. Dabei handelt es sich um ein Angebot, das in diesem Sommer Experten aus Gesellschaft, Hochschulen, Forschung und Wirtschaft mit jungen Akademikern in Kontakt bringt. Es bedeutet viel Kopf-Arbeit für die Interessenten, doch zur Verbindung von Theorie und Praxis locken längere Praktika oder Auslandsexkursionen nach Polen, Ungarn oder Russland. Profitieren sollen sowohl die Unternehmen auf der Suche nach talentiertem Nachwuchs sowie junge Menschen auf der Suche nach dem Eintritt ins Arbeitsleben.

          Von den Teilnehmern wird neben sehr guten Hochschulleistungen auch Persönlichkeit gefordert. Angesprochen sind vor allem Studenten im letzten Drittel ihrer Ausbildung, damit sich aus der Zusammenarbeit auch konkrete berufliche Perspektiven ergeben können. Sie sollen „neben Deutsch mindestens eine Fremdsprache, bevorzugt Englisch, sehr gut beherrschen“. Erwartet werden zudem „erste berufsqualifizierende Kenntnisse“, qualifizierte Praktika, längere Auslandsaufenthalte. Professor Thomas Heimer von der „Frankfurt School of Finance & Management“, Sprecher des wissenschaftlichen Beirats der Initiative, hofft nicht nur auf Bewerber aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern ermuntert ausdrücklich auch angehende Ingenieure, Juristen oder Geistes- und Sozialwissenschaftler, sich zu melden.

          Auch für junge Führungskräfte aus Unternehmen

          Online sollen die Bewerber zunächst ihre Motivation erläutern, nach der Vorauswahl werden anschließend 60 Studierende ausgewählt, dazu 20 Führungskräfte aus Unternehmen sowie 20 Journalisten.

          Während der Exkursionen („summer school“) Ende September werden drei Leitthemen und Aufgaben mit unternehmerischem Blickwinkel bearbeitet: Arbeit (in Budapest), Wissen (Moskau) und Werte (Warschau). Osteuropa erscheint den Initiatoren aus mehreren Gründen relevant: als wichtiger Markt, aber auch als Outsourcing-Region, die erhebliche Investitionen aus dem Westen angezogen habe, als Wissenschaftsstandort mit hoch entwickelten quantitativen Methoden, zum Beispiel in Moskau, oder als Transformationsgesellschaft, in der es, wie seit dem EU-Beitritt Polens, eine intensive Auseinandersetzung mit europäischen Werten gibt.

          Für die Praktika („praxis academy“) von Anfang August bis Mitte September werden pro Standort 20 Teilnehmer ausgewählt. Das „wirkliche Geschäft“, wie Heimer es nennt, sollen Studierende in Unternehmen in Hof, Nürnberg, Karlsruhe oder Frankfurt kennenlernen. Während der Arbeit solle Projektarbeit mit wissenschaftlichem Anspruch geleistet werden. Dieses Angebot, das den jungen Leuten Erfahrung und persönlichen Kontakt zur Wirtschaft in Aussicht stellt, ist von der Summer School unabhängig.

          Am Ende ein Arbeitsplatz

          Zum Internetportal gehört auch ein virtueller Campus, auf dem aktuelle Studien und Aufsätze zu den Themen veröffentlicht werden, eine virtuelle Bibliothek dient der Vor- und Nachbereitung sowohl der Exkursionen als auch der Praktika.

          Heimer lobte bei der Vorstellung des Projekts, das Netzwerk aus den Jahren 2005 und 2006 habe dazu geführt, „dass der Zugang der Absolventen zum Mittelstand besser wird“. Das heißt: Viele haben einen Arbeitsplatz gefunden. Auf dieses Ziel verwies auch Martin Blessing, Mitglied des Commerzbank-Vorstands: Nur in Netzwerken könne Innovation entstehen, „das hilft der mittelständischen Wirtschaft“. Die Absolventen der beiden früheren Jahrgänge haben inzwischen einen Förderverein gegründet, in dem die Kontakte weiter gepflegt werden - akademisch und persönlich.

          Die Initiative, einst entstanden in Oberfranken, wird getragen und finanziert von gesellschaftlichen Institutionen, Verbänden und Unternehmen der Wirtschaft. Zu den 50 Namen gehören unter anderem Boston Consulting Group, Commerzbank, das Forum Zukunft Oberfranken, die Fraunhofer Gesellschaft, Konrad-Adenauer-Stiftung, der TÜV Rheinland und die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft.

          Das Budget für dieses Jahr umfasse 800.000 Euro, für die Teilnehmer fallen keine Kosten an.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annalena Baerbock und Sergej Lawrow am Dienstag in Moskau

          Besuch in Moskau : Frostige Atmosphäre zwischen Baerbock und Lawrow

          Annalena Baerbock und Sergej Lawrow waren zwar höflich zueinander aber nicht mehr. Die Gespräche waren wohl kaum mehr als ein gegenseitiges Vorhalten von Vorwürfen. Immerhin gibt es ein Zeichen im Hinblick auf die Ukraine.
          Boris Palmer im März 2021 in Tübingen

          Tübinger Oberbürgermeister : Palmers Chancen bleiben gut

          Boris Palmer ist als Tübinger Oberbürgermeister erfolgreich und bei den Wählern beliebt. Bei der Wahl im Herbst müsste er nun ohne Unterstützung seiner Partei antreten. Die ist gespalten.