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Business Schools : Jenseits von London

  • -Aktualisiert am

Schick - und auch top? Die Frankfurt School will unter die besten fünf Europas. Bild: Frankfurt School

Wer eine Business School in Deutschland absolviert hat, kann sich zwar eines Arbeitsplatzes sicher sein. Doch wie weit sind Frankfurt School, Otto Beisheim School und Co noch von der Konkurrenz in England oder Frankreich entfernt?

          2 Min.

          Unter den harten Währungen, die die Attraktivität von Business Schools ausmachen, ist die Bekanntheit einzelner Absolventen noch nicht angekommen. Anderes zählt deutlich mehr: wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachjournalen, die Summe der akquirierten Fördergelder, die Zahl der Studenten, die Gewichtsklasse von Partnerunternehmen etwa. Und doch sieht es die „Frankfurt School of Finance and Management“ gern, dass Christian Sewing seit Mittwoch offiziell Chef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank ist - und schon als Vorstandsvorsitzender von morgen gehandelt wird.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sewing hat die Frankfurt School durchlaufen, aber Michael Grote, Vizepräsident der privaten Wirtschaftshochschule, sagt sehr entspannt: „Dafür war einer der Samwer-Brüder an der WHU.“ Es war Oliver Samwer, Frontmann bei Rocket Internet und schneidiger Herausforderer der Silicon-Valley-Giganten, der an der „Otto Beisheim School of Management“ in Vallendar bei Koblenz studiert hat - einem der Konkurrenten der Frankfurter also.

          Die Hessen sind ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten und Grenzen deutscher Anbieter. Auf der einen Seite hat die Hochschule nahe der neuen Europäischen Zentralbank enorme Fortschritte gemacht. Knapp 1500 Studenten gibt es hier, auf jeden freien Platz kommen etwa fünf Bewerber. Noch deutlicher wird die Entwicklung bei der räumlichen Veränderung, die im Jahr 2017 ansteht. Dann beziehen die Frankfurter, die knapp 75 Millionen Euro Umsatz im Jahr erzielen, ihren neuen Campus, er soll bis zu 22.200 Studenten Platz bieten. „Unser Maßstab ist Mannheim“, sagt Vizepräsident Grote mit Blick auf die Business School dort, einen weiteren starken nationalen Konkurrenten. Und darüber hinaus: „Wir wollen in absehbarer Zeit zu den fünf besten Business Schools in Europa gehören.“

          Auch die Fachhochschulen sind Konkurrenten

          In Deutschland sehe man sich als stabiles Mitglied der Top 3 - neben Mannheim und der WHU. Über Europa hinaus zu planen oder zu träumen verbietet die Wirklichkeit der deutschen Business Schools, auch wenn sie international ausgerichtet sind. „In Amerika werden nur die London Business School und Insead wahrgenommen“, sagt Grote. Die Engländer repräsentieren den wichtigsten Finanzplatz des Kontinents, die Franzosen mit ihren Standorten in Fontainebleau und Singapur den großen Rest. Deutschland liegt weitgehend unterhalb des Radars. Aber es sei ja auch „kein MBA-Land“, sagt Grote über den Master of Business Administration, den Klassiker im Ausbildungsangebot also. Bei den internationalen Schwergewichten habe ein MBA-Programm 800 bis 900 Teilnehmer, hierzulande seien es höchstens 50 bis 60. Eine Arbeitsplatzgarantie für Absolventen gebe es hier wie dort, nur lasse sich das Niveau der Einstiegsgehälter oft am Renommee der besuchten Business School ablesen. Auch hier sind London und Co. im Vorteil.

          Allerdings sind noch andere Konkurrenten im Rennen. Auch an deutschen Fachhochschulen und Universitäten könne man sich gut ausbilden lassen, und das ohne Investitionen von mehreren tausend Euro, sagt Grote, der mal an der Goethe-Universität in Frankfurt gelehrt hat. „Die machen das zum Teil richtig gut.“ Ein Grund mehr für private Business Schools, ihr Niveau auszubauen. Frankfurt scheint auf einem guten Weg zu sein.

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