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Bildungssponsoring : Spende mit Hintergedanken

  • -Aktualisiert am

Investitionen in kluge Köpfe rechnen sich Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Universitäten, Schulen und Kindergärten profitieren von spendablen Unternehmen. Einige stiften Lehrstühle, andere ganze Institute. Manager haben die Arbeitskräfte von morgen im Blick.

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          Es ist die bisher größte Spende in der deutschen Bildungslandschaft. Insgesamt 200 Millionen Euro bekommt die Bremer International University bis 2011 von der Stiftung des Kaffeemilliardärs Klaus Jacobs. Der macht sich damit im wahrsten Sinne des Wortes einen guten Namen: Die private Hochschule wird künftig „Jacobs University Bremen“ heißen.

          Weniger international wird sie dadurch nicht, auch wenn sie diese Bezeichnung nicht mehr im Namen führt: „Wir investieren in eine einmalige Institution, eine Campus-Universität, an der man Englisch spricht und die junge Menschen aus 86 Nationen in einer für Europa einzigartigen Elitehochschule zusammenbringt“, sagt Stifter Jacobs. Das Land Bremen hatte der Hochschule zur Gründung vor fünf Jahren 110 Millionen Euro Startkapital mit auf den Weg gegeben.

          Die Finanzierung stand dennoch auf wackligen Füßen. Die laufenden Einnahmen waren zu gering, weil nur wenige der inzwischen rund 1000 Studenten die vollen Studiengebühren zahlen. Ende vergangenen Jahres kam die erlösende Meldung. Mit der Großspende aus der Jacobsstiftung ist die Uni finanziell erst einmal aus dem Schneider.

          Kultursponsering wird weniger

          Mit seiner Spende liegt Jacobs voll im Trend, denn Bildungssponsoring wird populärer. Immer mehr Unternehmen engagieren sich in der finanziellen Förderung von Kindergärten, Schulen und Universitäten. Während vor zwei Jahren erst 28 Prozent der deutschen Firmen hier aktiv waren, ist der Anteil inzwischen auf 48 Prozent emporgeschnellt. Jedes zweite Unternehmen sponsert also Bildungseinrichtungen. Das ist das Ergebnis der Studie „Sponsoring Trends 2006“, die die Kommunikationsberatungs-Agentur Pleon und das Institut für Marketing der Bundeswehruniversität München veröffentlicht haben.

          Die Sponsoringexperten beobachten den Markt schon seit 1998. Die aktuelle Studie ist bereits ihre fünfte Erhebung. „Während Kunst- und Kultursponsoring rückläufig sind, hat das Bildungssponsoring deutlich zugelegt“, urteilt Autorin Johanna Bormann. Sie ist bei Pleon für Sponsoring-Beratung verantwortlich.

          Die Studien-Ergebnisse belegen, dass deutsche Manager aus den Pisa-Untersuchungen gelernt haben: Nicht nur der Staat ist gefragt, wenn der Nachwuchs im internationalen Vergleich nicht den Anschluss verlieren soll, sondern auch die Unternehmen. So beträgt der Anteil der Ausgaben für Bildung an den gesamten Sponsoringbudgets von Unternehmen inzwischen 9,9 Prozent. Vor zwei Jahren gaben Firmen erst 6,4 Prozent des Etats für Schulen und Universitäten aus.

          Jeder zweite Euro für den Sport

          Dennoch engagieren sich Unternehmen immer noch deutlich stärker für den Sport als für die Bildung, fand Studienautorin Bormann heraus: Jeder zweite Euro ist für Fußballvereine und Reitclubs reserviert.

          In den kommenden Jahren wollen Unternehmen ihre Bildungs-Förderung weiter aufstocken. 55 Prozent der Befragten prognostizieren diesem Segment das größte Wachstum. Besonders beliebt ist das Sponsoring von Bildungseinrichtungen in der Nähe des Firmensitzes. „Die Unternehmen verstehen das Engagement auch als eine Art von Nachbarschaftshilfe“, erklärt Sponsoringexpertin Bormann.

          Dabei haben Unternehmen immer auch die Studenten von morgen im Blick. So spendiert Autozulieferer Continental einer Gesamtschule am Firmensitz in Hannover ein nagelneues Chemielabor, um den Nachwuchs für naturwissenschaftliche Studienfächer zu begeistern und den ein oder anderen zukünftigen Ingenieur zu fördern.

          Experimentierkästen vom Baukonzern

          Noch früher starten neun Grundschulen in Mannheim: Sie werden neuerdings vom Baukonzern Bilfinger Berger unterstützt. Das Unternehmen stellt Experimentierkästen zur Verfügung, mit denen Schüler die Naturwissenschaften spielerisch erlernen sollen – zum Beispiel wie man Wasser von Schmutz reinigt oder wie man Quark herstellt. 46 Experimente sind mit den Kästen möglich. Zum Einsatz kommen Pipetten, Stövchen und ein Handbuch.

          Auch die Schulung der Lehrer finanziert Bilfinger Berger. Das Sponsoring will der Baukonzern als Bekenntnis zum eigenen Standort verstanden wissen. „Bislang waren wir vor allem in der Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter aktiv“, sagt Heinrich Beck, Personalleiter bei Bilfinger Berger. „Unser erweitertes Bildungsengagement ist Ausdruck unseres Wunsches, den Wissensstandort Deutschland auch außerhalb unseres Unternehmens zu stärken.“

          Hinter dem Experimentierkasten-Projekt mit dem Namen „NaWi – geht das? Naturwissenschaftliche Inhalte im Grundschulunterricht“ steht die Wissensfabrik. In diesem Netzwerk haben sich mehr als 40 Unternehmen aus ganz Deutschland zusammengeschlossen, um ihre Aktivitäten im Bildungssponsoring zu koordinieren. „Bundesweit wird der Unterricht mit der Experimentierkiste bereits an über 100 Grundschulen umgesetzt“, berichtet Beck. „Wir möchten, dass auch die Kinder in unserer Region von diesem Projekt profitieren.“ Ganz uneigennützig ist das Engagement nicht: Bilfinger Berger braucht schließlich auch in Zukunft fähige Ingenieure.

          Lernen im „Aldi Süd Hörsaal“

          Ähnliche Motive haben Unternehmen, die Hochschulen finanziell unterstützen. Der Audimax der Fachhochschule Würzburg heißt zum Beispiel seit dem laufenden Semester „Aldi Süd Hörsaal“. Der Discounter sponsert als Gegenleistung die anstehende Renovierung und bekommt für die nächsten fünf Jahre die Namensrechte. Davon erhofft sich Aldi ein besseres Image bei den Studenten.

          Vodafone will die Universitäten in München und Karlsruhe, die beim Exzellenzwettbewerb siegreich waren, kostenlos mit Kommunikationstechnik ausstatten. Und die Liste der Unternehmen, die Lehrstühle finanzieren, wird immer länger: Die Beweggründe reichen vom guten Kontakt zur Forschung bis zum rein gesellschaftlichen Engagement. So sponsert Schering einen Lehrstuhl für biologische Chemie der TU Berlin, die Allianz fördert eine geisteswissenschaftliche Gastprofessur an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität.

          Spendabler Softwarehersteller

          Mit ihrem Engagement orientieren sich die Unternehmen an SAP, einem der Vorreiter beim Bildungssponsoring. Hasso Plattner, Mitgründer der Softwareschmiede, stiftete schon Ende der neunziger Jahre ein nach ihm benanntes Institut für Informatik an der Uni Potsdam. Darüber hinaus rüsten die Walldorfer deutschlandweit bereits mehr als 200 Schulen und Hochschulen kostenlos mit ihrer Software aus. Für SAP ist damit noch lange nicht Schluss: Allein im vergangenen Jahr sind 28 Bildungseinrichtungen zum Kreis der Gesponserten neu hinzugekommen.

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