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Bildung als Privileg : Südafrikas verlorene Schüler

Gerade im Fach Mathematik belegen südafrikanische Schüler im internationalen Vergleich meist die allerletzten Plätze. Bild: ddp Images

Eine gute Bildung in Südafrika ist immer noch ein Privileg der Reichen. Darunter leiden auch die Unternehmen: Sie finden keine geeigneten Mitarbeiter. Deshalb greifen sie jetzt ein.

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          Wenn die Feuersirene loslegt, springen die Kinder in der Kapstädter Preswitch- Street-Grundschule munter von ihren Stühlen auf. Keine Angst, das sei nur die Pausenklingel, ruft der Schuldirektor Samodien durch den Lärm. Die Reparatur der alten Schulglocke koste zu viel, deswegen müsse man sich mit dem Feueralarm behelfen. Anfangs rückte die Polizei aus, um in der Schule nach dem Rechten zu sehen. Aber jetzt scheint das ohrenbetäubende Heulen niemand mehr zu stören, auch den Schulleiter nicht.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Er hat ganz andere Sorgen. Die Schule hat enorme Herausforderungen zu bewältigen. Mehr als 90 Prozent der Schüler leben in den Armenvierteln am Rande der Stadt. Sie sind morgens mindestens zwei Stunden unterwegs, um zur Schule zu kommen. „Die meisten kommen ausgehungert an, sind übermüdet, schlafen im Unterricht ein“, sagt Samodien. Die Eltern besuchten während der Zeit der Rassentrennung noch sogenannte „Bantu-Schulen“, Schulen, die für die unterdrückte schwarze Bevölkerung vorgesehen waren. Sehr viel mehr als eine Grundausbildung boten sie nicht. Den Sprösslingen können die Eltern selbst in den unteren Klassen kaum zur Seite stehen.

          Südafrika muss sich in internationalen Bildungsstudien immer wieder mit hinteren Plätzen zufriedengeben. Im jüngsten Index zur globalen Wettbewerbsfähigkeit des Weltwirtschaftsforums (WEF) lag die immerhin zweitgrößte afrikanische Volkswirtschaft an der Qualität des Bildungswesens gemessen auf Rang 140 unter 144 Ländern, gemessen an der Güte der Mathematikausbildung sogar auf dem letzten Platz. Auch die turnusmäßigen Prüfungen des Bildungsministeriums stellen den Schulen kein gutes Zeugnis aus. In der jüngsten erreichten Neuntklässler in Mathematik im Durchschnitt nur 11 von 100 Punkten. Ein Jahr zuvor waren es 14 Punkte. Da zeigte sich sogar die sonst kritikresistente Bildungsministerin besorgt.

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          Schlechtere Ausbildung als in Burkina Faso, Sierra Leone oder Mali

          Die Aussagekraft solcher Studien, insbesondere internationaler Vergleiche, wird auch in Südafrika immer wieder in Zweifel gezogen. Empört hat die Regierung die Untersuchung des Weltwirtschaftsforums zurückgewiesen. Eine schlechtere Ausbildung als in Burkina Faso, Sierra Leone oder Mali? Das wollte man in der leistungsfähigsten Volkswirtschaft auf dem Kontinent nicht hinnehmen. Doch es ist unbestritten, dass die Bildungskrise in Südafrika hauptverantwortlich ist für eine chronisch hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 25 Prozent. Unter den Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren hat - wiederum nach einer WEF-Schätzung - mehr als jeder zweite keine Arbeit. Legt man den heutigen nationalen Durchschnitt zugrunde, werden nur 50 der 112 Prestwich-Erstklässler zum Matrik, der Schulabschlussprüfung in elf Jahren antreten. 39 werden bestehen, 12 mit einer ausreichenden Note, um studieren zu können.

          Das treibt auch Südafrikas Unternehmen um. Die Gesetzgebung zwingt sie, mehr schwarze Mitarbeiter einzustellen, um die Ungleichbehandlung während der Zeit der Rassentrennung gutzumachen. Doch selbst 20 Jahre nach dem Ende des Unrechtsregimes ist das Angebot an potentiellen Kandidaten extrem klein. Eine staatliche Schule in Südafrika zu führen, ist kein leichtes Unterfangen. Samodien, ein bodenständiger Mann in Sportjacke und Jeans, hat dafür immerhin eine Hochschulanstellung aufgegeben. Zuvor hatte er an einer Privatschule in Saudi-Arabien unterrichtet. „Die Schüler müssen gern in die Schule kommen, das ist das Wichtigste“, sagt er und präsentiert einen druckfrischen Leitfaden für seine Lehrer. Darin ist viel von Motivation und Freude am Lernen zu lesen. Gefragt nach der Reaktion auf den Leitfaden, zuckt Samodien mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wie viele ihn lesen, aber einen Versuch ist es wert.“

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