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Berufsperspektiven : Den Arbeitsmarkt studieren

Bild: F.A.Z. - Tresckow

Fachkräftemangel macht auch vor Behörden nicht halt. Um qualifiziertes Personal zu bekommen, hat die Bundesagentur für Arbeit eine FH in Mannheim und Schwerin gegründet - zwei gefragte Bachelor-Studiengänge.

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          Arbeitsmarktverwaltung - das klingt nicht gerade nach dem Stoff, aus dem große, aufregende Karrieren gemacht sind. Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit ihren mehr als 100.000 Beschäftigten gerne als "Deutschlands größter Dienstleister" bezeichnet. Die Materie verheißt eher Graubrot als Haute Cuisine.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Annika Sigl sieht das jedoch ganz anders. Sie hat während ihres Praktikums einen Blick hinter die Kulissen der Arbeitsagentur in Mönchengladbach werfen können und ist fasziniert: "Man kennt den Betrieb ja sonst nur von der anderen Seite des Tisches", sagt die 29 Jahre alte Oldenburgerin. Vor allem in den Beratungsgesprächen mit arbeitslosen Jugendlichen, die sie auch selbst unter Aufsicht führen durfte, sei ihr dann deutlich geworden, wie schwierig und gleichzeitig anspruchsvoll es ist, sich auf jeden Kunden neu einzustellen. Am meisten hat sie beeindruckt, mit welcher Souveränität die Berater alle Ausflüchte entkräftet haben, sagt Sigl. Für die junge Frau steht fest: Wenn sie ihren Bachelor-Abschluss als Fallmanagerin in der Tasche hat, will sie in der Praxis arbeiten.

          Annika Sigl ist Sprecherin der knapp 300 Debütanten, die derzeit an der im September 2006 neu gegründeten Fachhochschule der BA einen Abschluss in einem der neuen Studiengänge anstreben. Aufmerksam wurde sie auf das Angebot durch Zufall: Weil es ihr für ihr Fernstudium in Kulturwissenschaften an beruflichen Perspektiven mangelte, suchte sie im Internet nach Wechselmöglichkeiten und landete über Umwege bei den beiden neuen Studiengängen der BA. Neben dem Fallmanager/Berater wird auch die Ausbildung zum Arbeitsmarktmanager angeboten, der noch stärker auf betriebswirtschaftliche Inhalte setzt. Damit bildet erstmals ein Zweig der öffentlichen Verwaltung seinen Nachwuchs auf Basis eines international anerkannten Abschlusses aus.

          Mit einer gewissen Skepsis beäugt

          Schuld an diesem Novum sind die Hartz-Gesetze. Denn darin wurde 2003 festgelegt, dass die Bundesagentur künftig keine Beamten mehr einstellt. Bislang bildete die Behörde ihre Staatsdiener unter dem Dach der Fachhochschule des Bundes aus. Doch diese Möglichkeit war damit passé. "Wir standen vor der Frage, wie wir jetzt weitermachen", sagt Ute Tesche. Seit Anfang der siebziger Jahre arbeitet sie im Personalwesen der BA. Der Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um die besten Mitarbeiter ist gerade in den letzten Jahren härter geworden, sagt sie. Dieser Trend werde sich noch fortsetzen, zumal die BA trotz eines für den öffentlichen Dienst recht flexiblen Tarifvertrages bei der Vergütung nicht mithalten könne. Gegen eine ausschließliche Rekrutierung von außen spricht noch ein anderes Argument: "Herkömmliche Studiengänge decken lediglich ein Drittel unserer Anforderungen ab. Das hat einen erheblichen Nachschulungsbedarf zur Folge", sagt Tesche. Weil die Infrastruktur in Schwerin und Mannheim ohnehin vorhanden war, entschied man sich schließlich für die Gründung einer eigenen Fachhochschule und speziell konzipierter Studiengänge.

          Im Nachhinein spricht Bernd Reissert scherzhaft von einem "Himmelfahrtskommando". "Wir wussten damals noch gar nicht so recht, wo wir landen werden", sagt der Gründungsrektor der BA. Die Fachhochschulen des Bundes wurden von den öffentlichen Hochschulen immer mit einer gewissen Skepsis beäugt, erinnert sich der Arbeitsmarktökonom, der zuvor an der FHTW Berlin lehrte. "Wie haltet ihr es denn mit der Forschung? Wollt ihr überhaupt mit anderen Hochschulen zusammenarbeiten?", lauteten die gängigen Fragen. "Denen mussten wir erst mal erklären, dass wir es mit den Qualitätsansprüchen wirklich ernst meinen", sagt Reissert.

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