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Außeruniversitäres Engagement : Liegestütze für den Lebenslauf

  • -Aktualisiert am

Kochen, Fußball spielen, Freiwillige Feuerwehr

Ein interessantes Hobby könne gar gelegentlich eine schlechte Note wettmachen. „Wenn Männer gerne kochen oder Frauen Fußball spielen, kommt das sehr gut an“, weiß Hesse. Auch wenn sich jemand jahrelang bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, sich regelmäßig um Tiere oder Umwelt sorgt oder als Schiedsrichter im Verein pfeift, lässt das Personalerherzen höher schlagen. Entscheidend ist nicht, dass es sich um ein teures, prestigeträchtiges Hobby handelt, sondern dass man sich auch in seiner Freizeit für etwas einsetzt. „Man kann sich durch ein Hobby viel interessanter machen als mit einer Zwei in Mathe“, behauptet Hesse.

Das gilt nicht nur für Schüler, sondern mehr noch für Studenten. Gerade weil die Bachelor-Absolventen heute erst Anfang zwanzig sind, sei es umso wichtiger, in Bewerbungen „Substanz“ anzubieten, sagt der Coach und rät zum „Aufhübschen“ der Bewerbung. Viel Zeit für Hobbys bleibe den Studenten zwar oft gar nicht, angesichts der vollgepackten Curricula. Aber es sei schon wichtig für den Personaler, zu wissen, ob jemand gut Schach spiele, Marathon laufe oder Nachhilfe gebe. „Es ist heute alles viel komplizierter, die Ansprüche sind höher geworden.“ Den Begriff der eierlegenden Wollmilchsau vermeidet der Coach zwar, aber es sei tatsächlich so, dass „größerer Output bei geringerem Input“ erwartet werde. Vielfach werde das Fundament für eine aktive Freizeitgestaltung nach wie vor im Elternhaus gelegt. „Gutbürgerliche Eltern wissen das und unterstützen ihre Kinder beim Erlernen eines Instruments oder im Sport.“ Aber auch Schulen böten meist Spielraum für zusätzliches Engagement, etwa in Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag oder in Schülerfirmen.

Bloß kein Extremsport!

Der Trend zu Ganztagsschulen und die Einführung von G8, des verkürzten Gymnasiums mit seinen verlängerten Schultagen bis in den Nachmittag hinein, stellten allerdings schon „ein großes Problem“ dar, sagt Christian Schläger von der Hans Lindner Stiftung im bayerischen Arnstorf. Mit ihrem Projekt „Frühaufsteher“ will die Stiftung Jugendliche schon frühzeitig in ihrer Persönlichkeitsentwicklung aktiv unterstützen und berufliche Orientierung geben. Dazu hat sie einen Katalog zusammengestellt, in dem sämtliche Vereine der Region aufgeführt sind und mit den entsprechenden Schlüsselqualifikationen beschrieben werden. So kann sich jeder das passende Hobby heraussuchen.

Im „Kompetenzpass“ können die Jugendlichen sich die Teilnahme an den einzelnen Projekten offiziell bescheinigen lassen. Die Schüler erhalten damit ein Zertifikat, das ihnen jenseits von Schulnoten persönliche und soziale Kompetenzen nachweist. „Schülern ist oft nicht bewusst, dass es für den künftigen Arbeitgeber interessant sein könnte, Oberministrant gewesen zu sein oder Kinderschwimmkurse gegeben zu haben“, sagt Schläger. „Dabei können solche Aktivitäten zum Beispiel zeigen, dass man ein gutes Organisationstalent hat.“ Vorsicht sei allerdings geboten mit der Angabe extrem gefährlicher Hobbys, die ein hohes Verletzungsrisiko bergen: Personalchefs dürfte das zwar durchaus interessieren - ob es zum Vorteil des Kandidaten gereiche, sei aber eine andere Frage.

Welches Hobby?

  • Teamsportarten: Sie verbinden Spaß mit Disziplin, etwa wenn es darum geht, regelmäßig und pünktlich zum Training zu kommen. Man lernt, nicht nur gemeinsam Erfolge zu feiern, sondern auch Niederlagen einzustecken. Fairplay und Wille zum Sieg halten sich die Balance.
  • Ausdauersportarten: Hier braucht es neben Disziplin auch Eigenmotivation und Durchhaltevermögen. Daneben sind Taktik und strategisches Denken, etwa im Tennis, sehr wichtig.
  • Tanz, Theater, Musik: Darstellerische Hobbys machen selbstbewusst und schulen mimisch wie rhetorisch. Man braucht Disziplin und lernt, vor größerem Publikum aufzutreten. „Wenn Männer gerne kochen oder Frauen Fußball spielen, kommt das gut an.“ Jürgen Hesse, Coach

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