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Auslandspraktika : Auf russischen Feldern

Anna Rada Bild: Archiv

Der Deutsche Bauernverband organisiert Auslandspraktika für Studenten der Agrarwissenschaften - etwa nach Russland, Amerika, Neuseeland, Australien und Ecuador.

          2 Min.

          Beim Praktikum in Russland hat Anna Rada einen Gegner wieder getroffen. Als sie die Felder ihres Praktikumsbetrieb in der Nähe der südrussischen Stadt Wolgograd inspizierte, entdeckte sie zwischen Weizen, Mais und Hirse eine Pflanze, die der Studentin der Agrarwissenschaften gar nicht gefiel. „Ein schreckliches Unkraut, das in halbtrockenen Regionen vorkommt“, sagt die 28-Jährige. Sie kannte den Plagegeist von einem Studienaufenthalt in Australien. „Das hat mir gezeigt, dass es auch so etwas wie eine Globalisierung der Unkraute gibt.“

          Die Einsicht, dass sich die Probleme von Landwirten rund um den Globus trotz aller Verschiedenheiten ähneln, gehörte zum Ersten, was Rada in ihrem Praktikum in Russland gelernt hat. Die junge Frau nimmt teil an einem Praktikumsprogramm, das der Deutsche Bauernverband seit genau 20 Jahren organisiert. „Unsere Praktikanten sollen die Methoden und Probleme der russischen Landwirte kennenlernen“, sagt Stefan Metzdorf, der für den Bauernverband von Bonn aus den Austausch koordiniert. „Sie sollen aber auch erfahren, wie die russische Landwirtschaft organisiert ist, und wie die Arbeitskultur aussieht.“ Und nicht zuletzt sollen sie ihre interkulturelle Kompetenz schulen.

          „Gelenktes Praktikum“

          Deshalb lebt und arbeitet Anna Rada noch bis Mitte Oktober in drei verschiedenen russischen Agrarbetrieben, und das mit Familienanschluss. Den ersten Teil ihres Praktikums verbrachte sie auf einer ehemaligen sowjetischen Kolchose: 20.000 Hektar Anbaufläche, gleich daneben ein Milchviehbetrieb mit 1000 Kühen. Richtig anpacken konnte sie dort noch nicht. „Das war ein riesiger Betrieb, und der Chef eher eine Art Manager. Ich habe mir mehr die Produktionsweise angeschaut.“ In dem zweiten Betrieb, der kleiner ist, wird sie aber voraussichtlich richtig mitarbeiten können. Der deutsche Bauernverband schickt Studenten der Landwirtschaftslehre sowie Gärtner und Junglandwirte für ein Praktikum von zwei bis drei Monaten nicht nur nach Russland. Auch die Vereinigten Staaten, Neuseeland, Australien und Ecuador sind Ziele der Praktika, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bauernverband finanziell gefördert werden. Für Russland brauchen die Teilnehmer Russischkenntnisse auf Schulniveau, und sie müssen einen Eigenanteil von 500 Euro zahlen. Dafür bekommen sie einen Vorbereitungskurs und ein Abschlussseminar; aber auch die Anreise und alle Kosten vor Ort sind enthalten.

          Ob nun in Neuseeland oder Russland - der Anspruch an den Austausch ist überall gleich hoch. Deshalb spricht Organisator Metzdorf von einem „gelenkten Praktikum“: Schon vor der Abreise in das Zielland werden die Praktikanten geschult und während ihrer Zeit von lokalen Partnern betreut. Im Falle von Russland ist der Austausch keine Einbahnstraße: Seit 1991 sind 90 Deutsche nach Osten gereist. Gleichzeitig haben aber rund 1700 Studenten aus Russland, Weißrussland und der Ukraine für zwei bis drei Monate in deutschen Landwirtschaftsbetrieben gearbeitet. Die ehemaligen russischen Praktikanten betreuen dann Studentinnen wie Anna Rada während ihres Aufenthalts in Russland, suchen die Betriebe für das Praktikum aus und führen sie manchmal sogar selbst.

          Aus den Aufenthalten entwickeln sich bisweilen lebenslange Verbindungen zum ehemaligen Gastland. Viele ehemalige Praktikanten haben nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Stellen gefunden, die einen Bezug zu Russland haben. Der allererste Programmteilnehmer, Stefan Dürr, ist sogar in sein ehemaliges Gastland zurückgekehrt und führt dort den Großbetrieb „Ekoniva“. Auch Anna Rada kann sich vorstellen, nach ihrem Studium den Kontakt zu Russland zu halten. „Vielleicht forsche ich über Nutzpflanzen in halbtrockenen Gebieten“, sagt sie. Wolgograd, wo der Sommer heiß und der Winter trocken und eiskalt ist, wäre ein attraktives Forschungsfeld. Erst einmal will sie aber ihr Praktikum genießen. „Ich hoffe einfach, noch viele spannende Erfahrungen hier zu sammeln.“ Auf den Felder aber auch mit den Menschen.

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