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Studentenauswahl : Ausgesiebt vor dem ersten Semester

Bummler, Wechsler und Abbrecher will keine Hochschule. Bild: Cyprian Koscielniak

Bummler, Wechsler und Abbrecher will keine Hochschule. Seit die Mittelverteilung von der Zahl der erfolgreichen Absolventen abhängt, testen immer mehr öffentliche Hochschulen ihre Bewerber. Die Privaten tun es längst.

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          Psychologie ist ein begehrtes Studienfach, die Plätze sind knapp, das Interesse ist bundesweit unverdrossen groß. An der Freien Universität Berlin werden zum neuen Wintersemester im Bachelorstudiengang rund 100 Plätze frei. Die FU rechnet mit 2000 Bewerbern, ist aber gut auf den Ansturm vorbereitet und tut das, was in künstlerischen und sportlichen Fächern - wo Begabung eine große Rolle spielt - ohnehin verlangt wird: Sie führt erstmals einen Eignungstest ein, um Studenten auf ihre allgemeine Leistungsfähigkeit an einer Hochschule zu testen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Zwei bis drei Stunden werden die Kandidaten dann an der FU am Computer Testfragen beantworten. Das scheint in Anbetracht einer Studienabbrecherquote von rund 22 Prozent in Deutschland eine gute Idee zu sein. „Zumal das Thema Berufswahl in den Schulen viel zu kurz kommt. Ein häufiger Grund, ein Studium abzubrechen, liegt darin, dass die Leute völlig falsche Vorstellungen von beruflichen Perspektiven haben“, sagt Hans-Werner Rückert. Der Leiter der Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung der FU erlebt häufig Studenten, die mit ihrer Fächerwahl scheitern.

          Das ist auch ein Problem für die Hochschulen, die inzwischen Prämien dafür bekommen, dass ihre Studenten nach der Regelstudienzeit mit einem Abschluss in der Tasche die Uni verlassen. „Fachwechsler, Abbrecher und Uniwechsler sind also ein Kostenfaktor und schlagen sich in den Budgets der Fachbereiche nieder“, sagt Rückert. Also suchen die Hochschulen auch aus finanziellem Interesse die intellektuell Besten, die Motiviertesten, die Geeignetsten für ihre Studiengänge. Der Berliner Test soll diese Bewerber herausfiltern.

          Auch das Abi spielt eine Rolle

          Entwickelt hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Psychologie, so dass er auch bundesweit einsetzbar ist. Es gibt vier Module: Analytisches Denken, Mathematik und Biologie auf Leistungskursniveau, fachspezifisches Verständnis aus dem Themengebiet Psychologie und Englisch werden geprüft. Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro. Aus den Testergebnissen wird eine Rangreihe gebildet, bei der auch die Abinote eine Rolle spielt. Was deutlich ist: Es geht ausdrücklich um kognitive Kompetenzen und keinesfalls um einen Persönlichkeitstest, weder soziale Kompetenz noch Kommunikationsfähigkeit stehen im Fokus.

          Das Klischee - viele Psychologiestudenten wollten sich eigentlich selbst therapieren - habe sich, so sagt der Psychoanalytiker Rückert, längst als unzutreffend erwiesen: „Die sind stabiler als viele andere. Aber natürlich kennt jeder einen durchgeknallten Psychologen, das ist aber eher eine Abwehrhaltung Außenstehender.“

          Test hin oder her. Fakt ist: Die Abiturnote ist nach wie vor der zuverlässigste Prädiktor für den Studienerfolg, „einen besseren haben wir nicht“, sagt Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System HIS. Aber Ausnahmen bestätigen diese Regel, und durch Tests haben auch Kandidaten mit mittelmäßigen Abschlussnoten eine Chance, genommen zu werden. Das ist ein Argument, das Gert Bruche von der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin nennt, um für den Studierfähigkeitstest seiner Hochschule zu werben und auch skeptische Abiturienten zu überzeugen, die nicht nur mit der 50-Euro-Testgebühr hadern.

          „Die Schicksalhaftigkeit der Abinote wird auf diese Weise abgemildert, über den Test hat auch jemand mit 3,0 eine Chance“, erklärt der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft. Das Argument kommt an, bestätigt Tobias Michalke, der im vierten Semester „Bachelor of Economics“ studiert und sich bei Kommilitonen umgehört hat. Der Industriekaufmann und Werkstudent hat im Jahr 2005 mit 1,9-Fachabitur, einem Lebenslauf und Motivationsschreiben einen Platz bekommen. Der 25-Jährige findet die Probeaufgaben auf der Homepage (http://www.fhw-berlin.de) fair: „Wer motiviert ist, ein bisschen Gehirnschmalz mitbringt, hat gute Chancen, das zu schaffen.“

          „Es geht um die Qualitätssicherung“

          Der Hochschulleitung hilft der Test zumindest, ein logistisches und ein finanzielles Problem zu lösen: Es gibt rund 3000 Bachelor-Bewerber für 400 Plätze. Die Mittelverteilung der Hochschulen in der Hauptstadt ist leistungsbezogen, „der Druck wird Jahr für Jahr gesteigert, ein Effizienzindikator ist der Prozentanteil der Studierenden, die in der Regelstudienzeit abschließen“, erklärt Bruche. Der Professor nennt ein weiteres Argument, den Test einzuführen. „Es geht uns generell um eine Strategie einer Qualitätssicherung der Hochschule. Wir sehen den Test als gute Eingangsberatung für Studierende, so können sie sich selber besser einschätzen.“

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