https://www.faz.net/-gyl-6ub1v

Arbeitnehmer : Im Nebenberuf Student

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter von Tresckow

Immer mehr Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeiter, wenn sie den Master machen wollen. Sie beteiligen sich an den Kosten und bieten Teilzeitarbeit an, um sich Fachkräfte zu sichern.

          4 Min.

          Die Sache war klar, völlig klar. Nach seinem Bachelorabschluss und zwei Jahren im Unternehmen wollte Florian Kumb den Master machen - neben dem Beruf. Entschlossen ging der 23-Jährige in die Verhandlungen mit seinem Arbeitgeber, einem Fernsehsender. „Ich hätte gekündigt, wenn mein Arbeitgeber mir den Master nicht erlaubt hätte“, sagt Kumb. Doch sein Chef war einverstanden. Nun beginnt Kumb ein zweijähriges Masterstudium in Medien und Kommunikationswirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). „Dass man solche Qualifikationen berufsbegleitend erwerben kann, empfinde ich inzwischen als ein Merkmal für einen guten Arbeitgeber“, sagt Kumb und fügt hinzu: „Wer die besten Mitarbeiter haben will, muss schon was bieten.“

          So selbstbewusst wie er treten inzwischen viele Bachelorabsolventen auf. Sie wissen, dass Unternehmen schon heute Schwierigkeiten haben, Stellen mit gut ausgebildeten Kandidaten zu besetzen und dass sich der Mangel noch verschärfen wird. „Berufsbegleitende Master- und Promotionsprogramme sind heute ein absolutes Muss für Unternehmen, wenn sie die richtigen Bewerber anlocken wollen“, sagt Michael Donat von der Managementberatung Bearing Point in Frankfurt. „Auch wenn viele Firmen es noch nicht wahrhaben wollen: Die Bewerber bestimmen die Bedingungen, nicht umgekehrt“, sagt Donat. Nicht nur Dax-Konzerne, sondern auch immer mehr mittelständische Unternehmen legten Masterprogramme auf und würben damit, dass man bei ihnen nicht nur arbeiten, sondern auch studieren dürfe.

          Die Telekom zum Beispiel hat seit 2009 ein fest etabliertes Masterprogramm. Es sei ein Bonus im starken Wettbewerb um gute Bewerber, sagt Ingo Dahm von der Telekom. Der Autozulieferer Bosch hat mit seinem „Pre-Master-Programm“ ähnliche Erfahrungen gemacht. „Es ist eine der Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel zu begegnen“, sagt Vera Winter, die in der Abteilung Mitarbeiterbindung arbeitet. „Wir wollen frühzeitig Kontakt zu Nachwuchskräften knüpfen, und das geht nun mal am besten nach dem Bachelorabschluss.“

          35 Tage im Jahr freigestellt

          Das Angebot an berufsbegleitenden Programmen ist üppig: Mehr als 700 zählen die Forscher des Hochschul-Informationssystems (HIS) in einer aktuellen Studie. Auch der Waschmaschinenhersteller Miele hat ein eigenes Programme aufgelegt. „Für uns als mittelständisches Unternehmen macht es Sinn, möglichst früh an die potentiellen Bewerber zu kommen“, sagt Meike Wacker, Referentin für Personalentwicklung. „Wir wollen unsere Mitarbeiter auf lange Sicht binden.“

          Dabei gestalten die Unternehmen ihre Masterangebote ganz unterschiedlich. Florian Kumb zum Beispiel wird 35 Tage im Jahr freigestellt, um Seminare zu belegen und um Klausuren zu schreiben. Er trägt die Kosten seines Studiums selbst, geht dafür aber auch keine Verpflichtung gegenüber dem Fernsehsender ein, im Unternehmen zu bleiben. Die Telekom bietet sowohl einen berufsbegleitenden Bachelor als auch einen Master an; auch eine Promotion ist möglich. „Zwischen den Abschlüssen müssen aber immer zwei Jahre liegen, in denen der Mitarbeiter Vollzeit arbeitet“, erklärt Dahm. 200 Telekom-Mitarbeiter machen derzeit in Deutschland ihren Master, rund 50 schreiben an der Doktorarbeit.

          Weitere Themen

          Seifenoper statt Moderation

          Leonard Diepenbrock : Seifenoper statt Moderation

          Leonard Diepenbrock, einst bekannt als RTL-Fernsehmoderator bei „Punkt 6“ und „Exclusiv“, hat sein Leben vor der Kamera aufgegeben – für vegane Schönheitsprodukte. Umerziehen will er aber niemanden.

          Topmeldungen

          Zum Tod von Thomas Oppermann : Ein beherzter Streiter für die Demokratie

          Kämpfend stemmte sich Thomas Oppermann dem Niedergang der SPD entgegen. Er war ein pointierter Redner, erfahrener Jurist und gehörte zu den energischen Taktgebern seiner Partei. Doch die erfüllte seinen Wunsch nach einem Ministeramt nicht.
          Norbert Röttgen, Friedrich Merz und Armin Laschet bei einer virtuellen Debatte der Jungen Union am 17. Oktober.

          CDU-Parteitag : Warten auf den Vierten?

          Die Verschiebung des CDU-Parteitags verschiebt auch die Perspektiven der Bewerber um den Parteivorsitz. Wirklich gestärkt hat sie aber keinen der drei. Aber vielleicht einen Vierten.

          Die Karrierefrage : Wie meistere ich die Krise?

          Resilienz ist das neue Karriere-Zauberwort, gerade jetzt in Pandemie-Zeiten. Die gute Nachricht: Seelische Widerstandskraft lässt sich lernen.
          Turbinenläufer im Gasturbinenwerk von Siemens Energy

          Steuertipp : Aktien von Siemens Energy verkaufen

          Ob die Aktie von Siemens Energy eine gute Anlage ist, muss jeder selbst wissen. Aus steuerlicher Sicht lohnt sich der Verkauf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.