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Studieren im Rollstuhl : Vor der Uni kommt der Pflegedienst

  • -Aktualisiert am

In Begleitung: Maximilian Schulz (rechts) wird in seinem Unialltag von Anna Cavallini unterstützt, die einen Bundesfreiwilligendienst macht. Bild: Maria Irl

Seit Jahren sitze ich im Rollstuhl. Meine Beine sind gelähmt, mein Kopf mitnichten. Deshalb studiere ich. Manchmal ist das schwer – ein typischer Unitag.

          7 Min.

          Ich wache auf, und es fühlt sich an, als steckte mein Brustkorb in einem Schraubstock. Vielleicht steckt mein ganzer Körper in einem Schraubstock, aber unterhalb meiner Brustwarzen fühle ich nichts, schon seit zwei Jahren nicht mehr. Meine innere Uhr sagt mir, dass es Zeit ist, wach zu werden. Ich bin nicht ausgeschlafen, aber das Quetiapin, eine 300-mg-Schlaftablette, die ich allabendlich einnehme, sorgt dafür, dass ich durchschlafe, sobald ich den Kampf gegen die innere Unruhe erst mal gewonnen habe.

          Ich schalte mein Handy ein und öffne die Facebook-App: Urlaubsfotos, Trump, Restaurantbesuche, Erdogan, Verlobungen; die Nachrichtenschnipsel, Statusupdates und Belanglosigkeiten geben mir das Gefühl, mit der Welt verbunden zu sein. Ich merke, wie sich der Schraubstock langsam öffnet. Es ist 7.30 Uhr, als ein Auto vorfährt. Der Pflegedienst ist da. Die schwere Haustür fällt laut ins Schloss, ich höre den großen Schlüsselbund, Eintrittskarten in die Leben anderer.

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