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Akademische Grundausbildung : Den Bachelor biegen sie sich schon zurecht

  • -Aktualisiert am

Erst der feste Halt, dann die Spezialdisziplin, sagt der deutsche Bachelor Bild: dpa

Einige Jahre Berufserfahrung sammeln, um später mit den praktischen Erfahrungen einen Lieblingsbereich zu vertiefen: So stellen sich Bachlor-Studenten ihre Zeit nach der Uni vor. Das kommt Unternehmen entgegen.

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          Ein Raunen geht durch die Reihen der knapp hundert dicht gedrängt sitzenden Studenten und Absolventen von Bachelor-Studiengängen. Philipp Kroetz, Unternehmensberater bei McKinsey, hat sie in seinem Vortrag gerade über den firmenüblichen 14-Stunden-Tag aufgeklärt. „Wenn man eine Woche lang von acht bis Mitternacht arbeitet, kann man in der Folgewoche auch ruhig einmal schon um zwanzig Uhr gehen“, hatte Kroetz im Rahmen der Messe „Startschuss Bachelor“ - ausgerichtet vom Karriere-Netzwerk e-fellows.net - voller Stolz mitgeteilt. Frisch gebackene Bachelor-Absolventen, die als so genannte „Junior Fellows“ in ein Beraterteam eingegliedert werden, müssen bei McKinsey demnach von Null auf Hundert ins Arbeitsleben einsteigen. Sascha Treppte, Student der internationalen Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt/Oder ist sich unsicher, ob das für ihn das richtige wäre: „Wenn ich meinen Abschluss mache, bin ich 23 Jahre alt. Ob ich mir dann wirklich in den besten Jahren meines Lebens als Berater die Hörner abstoßen will, weiß ich noch nicht.“

          Durch den Bologna-Prozess sollen bis zum Jahr 2010 auch die allerletzten Studiengänge verschwinden, die mit einem Diplom oder Magister abschließen. Bachelor und den Master ersetzen sie. Die kürzere Regelstudienzeit der Bachelor-Studiengänge von meist sechs statt neun Semestern und straffere Studienstruktur sorgen dafür, dass die Absolventen schon in jüngeren Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sofern sie nicht direkt ein vertiefendes Master-Studium anschließen. Die Diskussionen um Wohl oder Übel der neuen Abschlüsse sind kontrovers. Der internationalen Vergleichbarkeit und der besseren Berufsqualifizierung der Bachelor-Abschlüsse bei den Befürwortern steht die Meinung gegenüber, die Bachelor-Studiengänge würden unbrauchbare Schmalspurakademiker ohne fundiertes Fachwissen hervorbringen.

          Nicht alle sind gleich fit für den Arbeitsmarkt

          Dem Für und Wider des Bachelor-Abschlusses begegnet man auch in den Personalabteilungen dieses Landes unterschiedlich. Das hat eine kürzlich veröffentlichte Studie des Arbeitskreises Personalmarketing gezeigt, die Bachelor-Abschlüssen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften eine gute, in den technischen Bereichen hingegen eine schlechte Berufsbefähigung attestierte (zur Diskussion des Begriffes Beschäftigungsfähigkeit - Employability - lesen Sie Zukunftsunternehmer in eigener Sache). Ähnliche Erfahrungen hat auch Jürgen Blasi beim Anwerben der Unternehmen für die Karrieremesse „Startschuss-Bachelor“ gemacht.

          Bei der Veranstaltung konnten sich etwa 250 nach Studienleistungen ausgewählte Studenten bei Hochschulen und Unternehmen über Masterstudiengänge und Möglichkeiten des Berufseinstieges informieren. „Unternehmen aus den Bereichen Forschung, Technik und Naturwissenschaften stehen dem Bachelor eher skeptisch gegenüber, während gerade Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfer jetzt schon auf die Jung-Akademiker zählen“, berichtet Blasi. Es seien also vor allem die Unternehmen mit hohem Praxisbezug, die dem Bachelor gegenüber prinzipiell offen seien. Doch auch dort herrsche vielerorts noch Unsicherheit.

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