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Handwerksordnung : Neue Pflicht zum alten Meister

Fliesenleger in Erfurt Bild: dpa

Fliesenleger, Rolladentechniker, Orgelbauer und viele mehr sind betroffen: Nach einem vom Bundestag frisch beschlossenen Gesetz müssen sie künftig wieder einen Meisterbrief haben, um einen Betrieb zu gründen.

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          In zwölf Handwerksgewerken ist künftig ein Meisterabschluss wieder Voraussetzung für die Gründung eines eigenen Unternehmens. Der Bundestag stimmte am Donnerstag mit breiter Mehrheit für das entsprechende Gesetz. Zu den betroffenen Berufen gehören Fliesenleger, Rollladentechniker, Estrichleger, Böttcher, Drechsler und Holzspielzeugmacher, aber auch Raumausstatter, Lichtreklamehersteller und Orgelbauer. Sie gehören zu den 53 Gewerken, für die 2004 die Meisterpflicht aufgehoben wurde, um den Wettbewerb zu fördern und Unternehmensgründungen zu erleichtern.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Ein weiterer Grund war ein latenter Konflikt mit der EU-Kommission. Nur für sogenannte gefahrengeneigte Berufe blieb diese Pflicht bestehen, beispielsweise Elektriker, Maurer, Fleischer und Klempner. Bis auf die Grünen, die sich enthielten, stimmten alle Fraktionen für die Neuregelung. Bestehende Betriebe genießen Bestandsschutz. In fünf Jahren wird die Novelle evaluiert.

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte in der vorangegangenen Debatte, mit der Rückkehr zur Meisterpflicht in den zwölf Gewerken werde das Handwerk gestärkt. Die Meisterpflicht sei Ausdruck der Wertschätzung gegenüber dem Handwerk Der CDU-Politiker würdigte die Ausbildungsleistung des Handwerks.

          FDP zweifelt Auswahl der Gewerke an

          Die Handwerks-Meister seien das Herz des Mittelstandes und die Pfeiler der sozialen Marktwirtschaft, sagte der FDP-Abgeordnete Manfred Todtenhausen. Grundsätzlich unterstützte er die Neuregelung, zweifelte aber die Auswahl der Gewerke an. Man könne den Verbraucherschutz beim Orgelbauer nachvollziehen, hier seien anspruchsvolle Statiken erforderlich. Aber beim Böttcher, Drechsler und anderen seien die Liberalen nicht so davon überzeugt. „Dennoch sagen wir: Daran lassen wir es nicht scheitern.“

          Der AfD-Ko-Vorsitzende kritisierte, dass nur zwölf Gewerke „rückvermeistert“ werden. Das Baugewerbe begrüßte die Entscheidung des Bundestags. „Der Meistertitel ist essentiell wichtig, um die Qualität und Sicherheit der Bauausführung sowie der beruflichen Bildung zu erhalten“, betonte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, Felix Pakleppa. Nun sei der Bundesrat aufgefordert, dem Gesetzesvorschlag auch zuzustimmen. „Damit kann ein politischer Fehler aus den Jahren 2003 und 2004 korrigiert werden.“ Bei einer Zustimmung könnten die Änderungen Anfang 2020 in Kraft treten.

          Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) setzt sich für eine zusätzliche Stärkung des dualen Ausbildungssystems ein: etwa über einen Meisterbonus, mit dem bei bestandener Meisterprüfung angefallene Gebühren ganz oder teilweise erstattet werden, oder eine Gleichstellung des Meistertitels mit dem Bachelor. „Das würde dem Trend zur Akademisierung entgegenwirken und die Ausbildungsberufe langfristig attraktiv halten“, sagte ihr Vorsitzender Carsten Linnemann.

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