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Zwischen Arzt und Pfleger : Erfahren, kompetent und doch kein Arzt

  • -Aktualisiert am

Dass ein Helfer mit Hochschulausbildung an der Schnittstelle zwischen Arzt und Pflegekraft entlastend für die Mediziner und vorteilhaft für die Qualität der Patientenversorgung ist, davon ist Professor Konrad Spesshardt schon lange überzeugt. Der Nuklearmediziner und ehemalige Leiter der St. Vincentius Kliniken in Karlsruhe entwickelte und schrieb das Curriculum für Baden-Württemberg. Seit Oktober 2010 ist die DHBW die einzige staatliche Einrichtung in Deutschland, die den Bachelorstudiengang „Arztassistent“ anbietet. Auch einige private Hochschulen haben ähnliche Studiengänge im Programm, jedoch ohne einheitliche Abschlüsse oder Lehrpläne. Neben dem seit Jahren akuten Fachkräftemangel vor allem außerhalb der städtischen Ballungsgebiete und den stetig steigenden Anforderungen in der medizinischen Versorgung, hat Spesshardt noch ein drittes Anliegen: Sein ganzes Berufsleben lang arbeitete er eng mit technischen Assistenten und Pflegern zusammen. „Viele von ihnen waren engagierter, praxiserfahrener und besser im Umgang mit Menschen als so mancher Medizinabgänger. Sie in ihrer Ausbildung und ihren Berufschancen auszubremsen schafft Frustration und ist eine Verschwendung menschlicher Ressourcen, die wir uns gar nicht leisten können.“ Voraussetzung zur Studienzulassung ist daher im Gegensatz zu vielen anderen dualen Studiengängen auch eine bereits abgeschlossene Ausbildung, zum Beispiel zum Krankenpfleger oder Operationstechnischer Assistenten.

Dennoch: Einen Quereinstieg ins reguläre Medizinstudium wird es auch mit der neuen Qualifikation nicht geben. Dadurch, dass Medizin in Deutschland weiterhin nicht in das übliche System von Bachelor und Master Studiengängen eingegliedert ist, bleibt der Weg zum Arzt über weitere Universitätsbildung verschlossen. Wer auf Grund der harten Zulassungsbedingungen keinen Medizinstudienplatz bekommt und nach alternativen Einstiegen in den Arztberuf sucht, für den ist der neue Studiengang nicht das Richtige. Auch unter Ärzten ist der neue Beruf nicht unumstritten. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sprach noch 2014 von der Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin: „Wir brauchen keinen Arzt light.“ Ein medizinisch qualifizierter Assistent „als Substruktur unterhalb des Arztberufes“ wäre höchst problematisch für Fragen der ärztlichen und juristischen Verantwortlichkeit und könne neue Probleme bei der Aufgabenverteilung schaffen. Mittlerweile scheinen diese Bedenken beiseite gewischt. Ende Mai dieses Jahres sprach sich der Deutsche Ärztetag für ein bundeseinheitliches Curriculum des Studiengangs Arztassistent aus, betonte aber gleichzeitig wie wichtig es sei, ein verbindliches Kompetenzprofil in klarer Abgrenzung zum Arztberuf festzulegen. Weiterer Auftrieb kommt vom Deutschen Krankenhausinstitut, das die neue Qualifikation evaluieren sollte. Nach einem Probezeitraum von fünf Jahren kam der Verband zu dem Schluss, dass Absolventen durch das Studium „in die Lage versetzt werden, patientennahe organisatorische und delegierbare medizinische Tätigkeiten vorzunehmen.“ Eine Fortführung des Studiengangs sei nachdrücklich zu empfehlen.

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