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Zusatzqualifikationen : Futter für den Kopf und Chancen für den Aufstieg

Schneller aufwärts: Mit einer Zusatzqualifikation können viele Absolventen einer Berufsausbildung ihren Karrierezielen schneller nah kommen. Bild: dpa

Wer den Satz vom lebenslangen Lernen ernst nimmt, ist offen für Zusatzqualifikationen im Berufsleben: Während oder nach der Ausbildung lässt sich zusätzliches Wissen auch ohne Studium erwerben. Drei Beispielgeschichten.

          6 Min.

          Mehr Licht im Zahlendschungel

          „Die Finanzwelt war schon immer meins“, sagt die 22 Jahre alte Bianca Dürr aus Karlsruhe. Seit sie denken kann, jongliert sie gern mit Zahlen. Sie besuchte ein Wirtschaftsgymnasium und absolvierte während der Schulzeit ein Bank-Praktikum. „Dass ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau machen wollte, war mir schon lange klar“, sagt Dürr. „Doch als ich das Abitur in der Tasche hatte, wollte ich zusätzlich noch etwas Besonderes, etwas, das ein bisschen anspruchsvoller ist.“ Nach einigem Herumsurfen im Internet fand sie, was sie suchte: Die Zusatzqualifikation Finanzassistentin - und eine entsprechende Lehrstelle bei der Volksbank Karlsruhe.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Finanzassistenten durchlaufen eine vollwertige Bankausbildung, die Ausbildungsdauer ist aber immer auf zwei Jahre verkürzt. Gleichzeitig erwerben sie in der Berufsschule Wissen über die normalen Inhalte der Banklehre hinaus, vor allem in Steuerrecht und Allfinanz-Angeboten. Dabei geht es etwa um die Themen Immobilien, Versicherungen oder Bausparen. „Es ist insgesamt mehr Stoff in weniger Zeit - etwas für Fleißige“, so drückt es Bianca Dürr aus, die ihre Ausbildung im Sommer des vergangenen Jahres abgeschlossen hat. Hinterher können sich die Absolventen mit einem Doppelabschluss schmücken.

          Bianca Dürr
          Bianca Dürr : Bild: Privat

          Wer anders als Bianca Dürr nicht in Baden-Württemberg zu Hause ist, muss dafür allerdings noch eine besondere Art des Extra-Aufwands betreiben: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind die zusätzlichen Lerninhalte nur an baden-württembergischen Berufsschulen zu haben. „Azubis aus anderen Bundesländern haben dann in der Regel Blockunterricht, für den sie jedes Mal nach Baden-Württemberg reisen müssen“, erklärt eine Bundesagentur-Sprecherin.

          Doch das kann sich für die Karriere durchaus lohnen. „Wir haben ein breiteres Wissensspektrum als normale Bankkaufleute, daher ist es für die meisten Finanzassistenten einfacher, schneller aufzusteigen“, sagt Dürr. Sie selbst bekam im Anschluss an ihre Lehre eine der begehrten sogenannten „Juniorstellen“ in der Volksbank. „Zwei Jahre lang durchlaufe ich nun alle Abteilungen, die mit dem Kreditwesen zu tun haben, und lasse mich dort für diesen Schwerpunkt fortbilden“, erklärt sie. Von den zwölf Karlsruher Volksbank-Azubis ihres Jahrgangs ist Bianca Dürr die einzige, die mit ihrer Bewerbung um eine solche Juniorstelle erfolgreich war. „Die Zusatzqualifikation war dafür mit Sicherheit ein Vorteil“, glaubt Dürr. Sie zeige nicht nur im Lebenslauf, dass man sich über die Ausbildung hinaus engagiert habe. Sie helfe auch inhaltlich, etwa in ihrem Falle im Kreditbereich, weil ihr das Thema Immobilien schon vertrauter sei als den Kollegen ohne Zusatzqualifikation.

          Was Bianca Dürr an dem kleinen Extra zu ihrer Berufsausbildung jedoch am meisten reizte: „Ich finde es spannend, nicht nur viel mit dem Kunden zu arbeiten, sondern auch einen stärkeren Blick hinter die Kulissen zu erhalten“, sagt sie. „Wie genau sind die Produkte konzipiert, die wir anbieten? Warum ist das so? Wie berechnet eine Bank das im Einzelnen?“ Diese Fragen könne sie mit dem Rüstzeug der Finanzassistentin nun viel besser beantworten. Den zusätzlichen Lernaufwand habe sie als „nicht übermäßig anstrengend“ empfunden. „Weil ich das Lernen vom Abitur her noch irgendwie gewöhnt war“, sagt Bianca Dürr. „Und weil die Inhalte unglaublich viel Spaß gemacht haben.“

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