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Traumberuf Youtuber : Irgendwas mit Internet

  • -Aktualisiert am

Ein bisschen im Zimmer sitzen, ein bisschen Gitarre spielen, sich dabei filmen. Das kann für eine Karriere reichen – der Weg ist aber steiniger als man denkt. Bild: Youtube

270.000 Menschen folgen dem Kanal von Youtuber Yosuto. Mit jedem Klick verdient er Geld, eine Faustregel sagt: 10 Dollar für 1000 Aufrufe. Viele denken: Traumkarriere, sowas kann ich auch. Ein Irrtum!

          3 Min.

          Ein junger Mann in Shorts mit roter Sonnenbrille und Gitarre sitzt auf einem Sofa, im Hintergrund: eine Zimmerpflanze. Die Sets der Videos des Youtubers Yosuto sind spartanisch, es kommt auf die Musik an. Regelmäßig lädt er auf seinem Kanal Videos hoch, die Komik und Musik verbinden. Meistens spielt er Gitarre, manchmal sitzt er auch am Schlagzeug oder Klavier oder singt sogar. Die Videos haben Titel wie „Wenn du Gitarrist bist, aber nur Klavierstücke kennst“. 270.000 Menschen folgen seinem Kanal, die erfolgreichsten Videos haben mehrere Millionen Aufrufe. Vor seinen Spots wird Werbung geschaltet, Yosuto verdient mit jedem Klick. Wie viel ist unterschiedlich, eine grobe Faustregel sagt zehn Dollar bei 1000 Aufrufen. Yosuto ist Student, heißt im echten Leben Robin und kann von dem Musikvideos leben.

          Eine Kamera, eine schnell gebaute Website und eine Idee - mehr braucht es eigentlich nicht, um damit zu beginnen, im Internet ein eigenes Geschäft aufzubauen und sich selbständig zu machen. Aber ist der Erfolg im Netz reines Glück oder genauso planbar wie Selbständigkeit offline?

          „Jeder kann seine Nische finden“

          Malte Helmhold, Geschäftsführer der Beratungsagentur "Die Berater", nimmt Menschen an die Hand, die im Netz Geld verdienen wollen. Er glaubt, dass es viele Möglichkeiten gibt: "Besonders gut klappt das durch Spezialisierung. Jeder kann seine Nische finden." Peer Wandiger bloggt seit mehr als zwölf Jahren und spricht in seinem Blog selbstaendig-im-netz.de darüber, was das Arbeiten online ausmacht. Auch wenn es noch andere Modelle gibt, ist es laut ihm am beliebtesten auf der eigenen Website, dem Youtube-Kanal oder dem Blog durch Werbung an jedem Klick zu verdienen. "Das ist dann meistens keine klassische Bannerwerbung, sondern Affiliate Marketing", sagt Wandiger. Hinzu kommen Kooperationen mit Unternehmen, bei denen die Internetkünstler auf die eine oder andere Weise ihr Produkt präsentieren. Wer auf Youtube durchstarten will, muss am Anfang allerdings eine Hürde nehmen: Damit überhaupt Werbung vor die Videos geschaltet wird, braucht man 10.000 Abonnenten, und die Videos müssen insgesamt mindestens 4000 Stunden lang angeschaut worden sein.

          Schon nach ein bis zwei Monaten kann man laut Wandiger mit dem eigenen Online-Projekt erste Einnahmen erzielen; um relevante Einkommen zu generieren, brauche man eher ein bis zwei Jahre und monatliche Besucherzahlen im fünf- oder sechsstelligen Bereich. Nach seinen Erfahrungen verdient ungefähr ein Drittel der Blogger gar nichts, ein weiteres Drittel ein Taschengeld von bis zu hundert Euro und nur ein kleiner Anteil kann wirklich davon leben.

          Selbständigkeit im Netz

          Filiz Odenthal ist eine, die davon leben kann. Seit sieben Jahren ist sie Bloggerin, seit einem halben Jahr coacht sie mit ihrem Projekt "Blogger Coaching" andere, die sich im Netz selbständig machen wollen. Im Portfolio hat sie dafür ihre Beiträge, einen Online-Kurs und bald auch Seminare und Intensiv-Coachings. Bloggerin ist sie eher zufällig geworden: Nach einem Stellenverlust sah sie sich nach neuen Möglichkeiten um, beschloss, sich selbständig zu machen und begann zu bloggen. Auch wenn es auf den ersten Blick einfach scheint, Blogger zu werden, sagt sie: "Es braucht schon ein gewisses Maß an technischem und rechtlichem Knowhow."

          Auch Yosuto hatte ursprünglich eigentlich gar nicht vor, mit dem Youtube-Kanal Geld zu verdienen. "Ich wollte einfach neben dem Studium etwas Kreatives machen", sagt er. Dann wuchs der Kanal schneller als erwartet und wurde vom Hobby zu echter Arbeit; mehr als 40 Stunden in der Woche verbringt er damit. Hinter ein paar kurzen Videos steckt mehr Zeit, als man im ersten Moment denkt und: "Man schaltet nie ab, vor allem dann nicht, wenn dein Schlafzimmer dein Studio ist." Viel Zeit verbringe er damit, Ideen für die Videos zu sammeln, hinzu komme das Aufnehmen, Schneiden, Beantworten von Kommentaren und Aussuchen von Requisiten und Material. Neben dem hohen Aufwand gibt es auch noch andere Schwierigkeiten. Für Yosuto als Youtuber ist das zum Beispiel die Abhängigkeit von der Plattform und deren Verträgen. Immer wieder bekommt er für Videos aufgrund angeblicher Rechteverletzungen kein Geld. Für ihn unverständlich, da es sich in den Parodien seiner Meinung nach um eine kreative Weiterentwicklung handelt.

          Die Konkurrenz ist groß

          Hinzu kommt nicht nur bei Youtube, sondern den meisten Unternehmern im Netz die Konkurrenz: "Weil es so einfach ist, gibt es sehr, sehr viele andere, die das auch machen", sagt Wadinger. Laut Helmhold werden höchstens zehn Prozent der Unternehmen im Netz erfolgreich. "Der Erfolg hängt dabei aber immer vom Menschen ab und nicht vom Medium", meint er. Trotzdem hat es aus Sicht der Fachleute einige Vorteile, im Internet zu arbeiten: Örtliche Ungebundenheit zählt dazu, aber auch die Unabhängigkeit von finanziellen oder auch körperlichen Voraussetzungen.

          Einen goldenen Weg zum Erfolg gibt es nicht: "Man muss einfach mal anfangen", sagt Wadinger. Nur durch Ausprobieren könne man lernen und Erfahrungen sammeln. Sinnvoll sei es dabei, sich mit einem relevanten Thema zu beschäftigen, bei dem es aber noch nicht allzu viel Konkurrenz gibt. Für Odenthal ist einer der wichtigsten Faktoren, eine starke persönliche Note zu entwickeln. Sie sagt aber auch: "Man muss sein Angebot an den Markt anpassen können und sich selbst dabei treu bleiben."

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