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Lernvideos von Youtube-Stars : Nachhilfe von den Kumpels aus dem Internet

Von Anfang an überlegten sie sehr genau, wie sie viele Schüler erreichen können. „Man sollte das Thema nach einem Mal Gucken verstehen“, erklärt Giesecke. Und die Filme sollten „cool sein, so dass man richtig Bock hat, sie anzuschauen“. Sie entwickelten einen Grundsatz, der bis heute gilt. „Erklärt wird, wie man es einem Kumpel erklären würde. Das fasst unser didaktisches Konzept zusammen und ist der Grund, warum es funktioniert.“ Dazu gehört eine Sprache, die für Erwachsene mitunter flapsig klingt.

Entscheidender Schub durch Unterstützung des Netwerks Mediakraft

Wie sie ankommen, wissen Youtuber ziemlich gut, denn sie stehen mit ihren Zuschauern in Kontakt. „Wir bekommen jeden Monat etwa 10000 Kommentare zu unseren Videos“, berichtet Schork. „Da ist so viel positives Feedback dabei; das ist unfassbar motivierend.“ Selbst Lehrer fänden das Angebot „megacool“ und empfehlen es ihren Schülern. Manche setzen die Videos sogar im Unterricht ein. Vor vier Monaten habe man eine Umfrage unter den Nutzern gemacht. „Mehr als 75 Prozent von den 2500, die geantwortet haben, hatten dank The Simple Club ihre Note verbessert“, sagt Schork.

2013 machten Giesecke und Schork Abitur und begannen zu studieren, Giesecke Maschinenbau in Karlsruhe, Schork Medieninformatik in München. Der Bachelor ist inzwischen schon in Sicht, und das, obwohl sie 2014 richtig in die Produktion der Nachhilfevideos einstiegen. Den entscheidenden Schub habe die Unterstützung durch das Online-Video-Netzwerk Mediakraft gegeben. Sie konnten Workshops besuchen, durch die sie professioneller wurden. Auch half ihnen das Kölner Unternehmen, ihre Sichtbarkeit auf Youtube zu steigern. Zusammen mit Mediakraft gründeten sie dann die The Simple Club GmbH. Giesecke und Schork führen das Unternehmen, bestimmen Richtung und Strategie. Mediakraft unterstützt mit Marketingwissen, Buchhaltung und Möbeln – und ist Investor: im Glauben an den wirtschaftlichen Erfolg des Nachhilfeportals, das inzwischen eine Internetseite und eine App hat.

Der ökonomische Erfolg stellt sich nämlich trotz Millionen von Aufrufen nicht automatisch ein. Einen Gewinn kann das junge Unternehmen nach eigenen Angaben noch nicht verbuchen; der Umsatz liege im unteren sechsstelligen Bereich. Die beiden Gründer beziehen ein „ganz durchschnittliches Gehalt, von dem wir leben können“. Das Betrachten der Videos ist kostenlos und soll es auch bleiben. Den Filmen ist Werbung vorgeschaltet. Youtube versteigere die Werbeplätze; je 1000 Klicks gebe es einen Betrag, der je nach Angebot und Nachfrage schwanke, erklärt Giesecke. Im vergangenen Jahr sei er aber „generell gefallen“.

Viele Youtuber verdienen mit Merchandising sowie Produktplazierungen und -empfehlungen Geld. Für The Simple Club kommt das schon wegen des Themas nicht in Frage. Giesecke und Schork haben nun eine neue Einnahmemöglichkeit ersonnen. Seit Oktober gibt es für knapp 10 Euro im Monat und jederzeit kündbar das Bezahlangebot The Simple Club+. Es beinhaltet alle Videos ohne Werbung, interaktive Übungsaufgaben, Lösungen zu den Aufgaben und PDF-Spickzettel. Ziel sei, zum kommenden Abitur 10.000 Abonnenten zu haben.

Dazu müssen aber viel mehr Eltern von The Simple Club erfahren. „90 Prozent der Schüler kennen uns, aber ihre Eltern nicht“, sagt Giesecke. Nur selten sprechen Jugendliche mit Mutter oder Vater über „ihre“ Youtuber. „Deshalb sagen wir den Schülern nun, sie sollen ihren Eltern von uns erzählen“, erklärt Giesecke. Die sollen dann auf die Internetseite des Unternehmens gehen, wo es eine Seite extra für die Eltern gibt.

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