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Personalsoftware : Volle Kontrolle über die Mitarbeiter

Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund

Ähnlich wie Salesforce setzte auch Workday von Anfang an auf Cloud Computing, bei dem die Informationstechnologie ins Internet verlagert wird. „Da hatten wir ein bisschen Glück, dass wir genau in der Zeit darauf gesetzt haben, als die Cloud anfing abzuheben“, sagt Bhusri im Gespräch mit dieser Zeitung. Trotzdem hatten vor zwölf Jahren längst nicht alle Unternehmen die Technologie auf dem Schirm, auch Oracle und SAP haben sich erst durch die junge Konkurrenz verstärkt damit auseinandergesetzt.

Bhusri und sein Ko-Gründer David Duffield kamen von Peoplesoft, einem Softwareunternehmen, das sich auch um Personalmanagement kümmert und von Oracle feindlich übernommen wurde. Deshalb gründeten Duffield und Bhusri selbst und setzten darauf, die Software so aussehen zu lassen, wie es die Kunden von anderen Diensten wie Facebook oder dem Karriereportal Linkedin gewohnt sind. Workday sieht eher wie ein soziales Netzwerk aus als wie ein Personalmanagement-Programm. Wer sich ein wenig mit Personalern unterhält, die Workday vor kurzem eingeführt haben, erfährt hinter vorgehaltener Hand, dass das Programm schon schicker aussehe als die Modelle der Konkurrenz. Was freilich noch nichts darüber aussagt, ob es auch nützlicher ist.

Schaut man Bhusri dabei zu, wie er sich durch die von ihm entworfene Software manövriert, wird deutlich, was alles möglich ist mit den Daten, die verknüpft sind – zumindest, wenn man als Unternehmenschef auf viele Zugriff hat. Bhusri kann Mitarbeiter in Teams strukturieren und deren Kalender anzeigen lassen, er sieht nicht nur eine Quote, wie viele Frauen oder Menschen mit Migrationshintergrund bei ihm arbeiten, sondern auch, in welchen Unternehmensbereichen in Zukunft Fachkräfte fehlen könnten.

85 Millionen Dollar in Workday investiert

Er kann sich anzeigen lassen, wie das Unternehmen in verschiedenen Ländern gerade dasteht oder in welchen Regionen welche Gehälter im Durchschnitt gezahlt werden. Außerdem kann er das tun, was jedes Personalprogramm leisten muss: Arbeitszeiten bearbeiten oder Urlaubstage beantragen. Die muss allerdings sein Ko-Gründer Duffield freigeben. Selbst der Vorstandsvorsitzende kann sich bei Workday nicht einfach so freinehmen.

Heute setzen die meisten Unternehmen die Cloud ganz selbstverständlich ein. Bei Amazon etwa trägt deshalb die Amazon Web Services genannte Cloud-Sparte, die viele Rechenzentren betreibt, schon mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz bei. Auch Amazon-Chef Jeff Bezos glaubte offenbar früh an das Potential anderer Unternehmen, Geschäftsmodelle für die Cloud zu entwickeln. Im Jahr 2011 hatte Bezos mit seinem privaten Investmentunternehmen 85 Millionen Dollar in Workday investiert. Von Amazon ist allerdings auch überliefert, dass es besonders gerne die Arbeit seiner Mitarbeiter überwacht, kaum ein Unternehmen stand wegen der starken Kontrolle mittels Daten so häufig in der Kritik wie der Online-Händler.

Doch hat Amazon eine Effizienz erreicht, für die es viele andere Unternehmen beneiden – Workday verspricht seinen Kunden ein ähnliches Potential mit einer Software, die mit Amazons Kontrollsystem vergleichbar ist. Doch muss der SAP-Konkurrent erst noch selbst beweisen, dass er genauso wie Amazon aus der für schnell wachsende Technologieunternehmen typischen Verlustzone herauskommt. Zwar macht Workday inzwischen mehr als 1,5 Milliarden Dollar Umsatz, doch steht dem für das abgelaufene Geschäftsjahr ein Nettoverlust von mehr als 400 Millionen Dollar gegenüber. Bhusri sollte seine eigenen Daten also gut im Auge behalten.

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