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Work-Life-Balance : Wieso sich die Deutschen mehr Freizeit wünschen

Der Wunsch nach mehr Freizeit hat nicht zwingend etwas mit Spaß und Selbstverwirklichung zu tun. Bild: mauritius images / Aurora RF

Kaum eine Forderung hat so schnell Karriere gemacht wie die nach mehr Work-Life-Balance. Das zeigt, wie gut es den Deutschen geht.

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          Für Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) ist die Sache klar: Alle müssen mehr arbeiten! Auf dem Herbstempfang der Arbeitgeberverbände forderte der Christdemokrat von der deutschen Wirtschaft mehr Anstand und von den Arbeitnehmern mehr Einsatz. Der in vielen Ministerämtern alt gewordene Spitzenpolitiker zitierte Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wonach in keinem anderen Industrieland so wenig gearbeitet werde wie in Deutschland. Das Land der Dichter und Denker brauche wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Doch könne es sein, dass die Deutschen ihr Interesse daran zugunsten ihrer Work-Life-Balance verloren haben?

          Christoph Schäfer
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Schäuble gab auf seine Frage keine dezidierte Antwort, allerdings war schon die Beweisführung nicht ganz fair. Es stimmt zwar: Bezieht man alle Menschen ein, die einer Erwerbsarbeit nachgehen, dann kommt kein Land unter den wichtigen Industrienationen auf weniger Arbeitsstunden je Person als Deutschland. Das liegt aber am hohen Beschäftigungsgrad hierzulande, der eine hohe Teilzeitquote mit sich bringt. In Deutschland gehen viele Frauen, Studenten und ältere Menschen einer Erwerbsarbeit nach, dafür aber mit reduzierter Stundenzahl. Sofern sie das nicht aus blanker wirtschaftlicher Not machen, ist das eine erfreuliche Entwicklung.

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