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Auswirkungen für Mitarbeiter : Wie die Digitalisierung die Unternehmenskultur verändert

Das Beratungsunternehmen habe in den letzten Jahren festgestellt, dass die interne digitale Kommunikation einen hohen Stellenwert bekommt. „Es heißt noch zu häufig, man müsse die Geschäftsmodelle digitalisieren, aber nicht die Zusammenarbeit.“ Dabei sei das noch ein großes Problem für die Unternehmen.

Eric Schott und Boris Ovcak haben in einer umfassenden Studie herausgestellt, wo sich Unternehmen noch schwertun in der digitalen Transformation. Ihre „Social-Collaboration-Studie“, also eine Untersuchung zur Zusammenarbeit in Unternehmen, kommt zu einem vernichtenden Urteil: Persönliche Kontakte, Telefonate und E-Mails stehen nach wie vor hoch im Kurs, kaum ein Unternehmen ist so digitalisiert, wie es vorgibt zu sein. Das Potential, Produktivitätsgewinne durch die Digitalisierung zu erreichen, sei jedoch riesig.

Das Intranet als erster Schritt zu mehr Effizienz

Die Forscher haben verschiedene Reifegrade in der Digitalisierung ausgemacht. Mittelständische Unternehmen, die 1000 bis 20.000 Mitarbeiter beschäftigen, haben im Durchschnitt einen niedrigeren Reifegrad als größere Unternehmen. Das bedeutet: Sie sind weniger effizient.

Für Schott und Ovcak ein erstaunliches Ergebnis: Schließlich sei der deutsche Mittelstand eigentlich für seine Innovationskraft bekannt. Die Forscher wollen deshalb darauf hinweisen: Es fehle nicht am Willen, sondern an der Fähigkeit. Viele Unternehmen seien sich nicht bewusst, wo sie anfangen sollen in der digitalen Transformation.

Ein Intranet sei ein erster Schritt, aber verspreche nicht zwangsläufig eine höhere Effizienz oder einen Kulturwandel. „Wer bislang vollständig analog arbeitet, wird es schwer haben, digital zu arbeiten“, sagt Eric Schott, der auch die Unternehmensberatung Campana & Schott führt, für die er die Studie angefertigt hat. Dauerhaft Erfolg hätten daher nur Unternehmen, die sich ein Ziel setzten, das über mehrere Jahre weiterentwickelt werde und nur dadurch erreichbar sei.

Bedarf an Beratung ist hoch

Wiebke Köhler hat früher für Roland Berger und McKinsey Unternehmen beraten, heute versucht sie, die Unternehmenskultur von Großkonzernen anzupassen. Sie hat mit der Deutschen Post, Lufthansa und Thyssen-Krupp zusammengearbeitet, Kühne&Nagel genauso beraten wie die Fluggesellschaft Air Berlin.

Dabei ging es immer um die digitale Transformation. Was sich in all diesen Fällen glich: Kaum ein Unternehmen weiß, wie es seine Mitarbeiter dafür schulen soll. Köhler veranstaltet deshalb Seminare mit Unternehmen – das Außergewöhnliche dabei ist, dass dort auch Konkurrenten in einem Raum sitzen und über ihre Strategie sprechen.

Der Bedarf an Beratung ist hoch, den Führungskräften geht es um den Austausch: „Jedes Unternehmen erlebt dramatische Veränderungen. Sie müssen sich mit neuen Technologien beschäftigen, um ihre Kunden zufriedenzustellen“, sagt Köhler. Dadurch entstünden Geschäftsmodelle, die klassische Unternehmen bedrohen. „Viele Unternehmen können nicht mehr weitermachen wie bisher, sonst werden sie vom Markt überholt“, sagt Köhler.

Ob man nun sie oder Eric Schott fragt, Mittelständler wie Weleda oder global vernetzte Konzerne wie Facebook: Für jedes Unternehmen bedeutet digitale Transformation etwas anderes. Wichtig für Unternehmen ist vor allem: sich klarzumachen, wie sich die Unternehmenskultur kurzfristig und langfristig verändern soll – und welche Technologie das bewirken kann.

Trends blind zu folgen ist dabei die falsche Lösung. Und Digitalisierung um der Digitalisierung willen genauso. Wer wirklich was verändern will, muss die gesamte Belegschaft einbinden. Und vielleicht sogar das sogenannte „Reverse Mentoring“ benutzen: Junge Mitarbeiter zeigen den altgedienten Führungskräften, wie digitale Programme funktionieren und welchen Nutzen sie haben – und bekommen im Gegenzug das Rüstzeug zur Unternehmensführung beigebracht. So können alle von der Digitalisierung profitieren.

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