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Wirtschaft im Unterricht : Schlechte Noten für die Schulbücher

Lehr- und Zündstoff: Vor allem Wirtschaft wird in Schulbüchern oft einseitig vermittelt Bild: Christian Burkert / F.A.Z.

Über Wirtschaft Bescheid zu wissen ist wichtiger denn je. Das zeigte sich besonders in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Doch in Schulbüchern werden ökonomische Themen oft sachlich falsch und einseitig behandelt.

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          Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise wird das öffentliche und private Leben von wirtschaftlichen Themen bestimmt wie selten zuvor. Wer sie verstehen und sich eine Meinung bilden will, muss über ein gutes Fachwissen verfügen. Doch Experten für ökonomische Bildung weisen immer wieder darauf hin, dass die ökonomischen Kenntnisse dürftig sind. Höchstens 10 Prozent der Deutschen verstünden die Finanzkrise in ihren Grundzügen, schätzt der Leiter des Instituts für Ökonomische Bildung, Hans Kaminski. Fachleute wie er fordern vor allem eines: Die Wirtschaftsbildung der Schüler muss besser werden.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Die Schüler haben dagegen wenig einzuwenden. So zeigt die Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken vom vergangenen Jahr, dass sich 74 Prozent ein eigenständiges Fach Wirtschaft wünschen. Andererseits sind die Wissenslücken groß. So können vier von zehn Befragten im Alter von 14 bis 24 Jahren mit dem Begriff Soziale Marktwirtschaft nichts anfangen. Das ist schon allein deshalb problematisch, weil die Haltung, die Menschen gegenüber der Marktwirtschaft einnehmen, stark von ihren Kenntnissen über diese Wirtschaftsform abhängen. So haben Psychologen herausgefunden, dass wirtschaftlich gebildete Menschen die Marktwirtschaft wesentlich positiver einschätzen als ungebildete.

          Wirtschaftslehre ist häufig nur ein Wahlfach

          Die weitverbreiteten ökonomischen Wissenslücken rühren zum einen daher, dass Wirtschaft noch zu wenig intensiv in den Schulen gelehrt wird. Häufig ist Wirtschaftslehre nur ein Wahlfach. Auch wird sie oft an andere Fächer wie Politik oder Recht gekoppelt. Ein anderes Übel ist, dass in deutschen Schulbüchern wirtschaftliche Themen oft lückenhaft und einseitig behandelt werden. So hat gerade die der FDP nahestehende Friedrich-Naumann-Stiftung 52 neuere Schulbücher auf die Qualität ihrer wirtschaftlichen Inhalte hin untersuchen lassen. Nicht zu beanstanden ist nach der Analyse der Umfang, den Wirtschaftsthemen einnehmen. So ist sogar in den untersuchten Geographiebüchern ein Viertel des Stoffes dem Thema Wirtschaft gewidmet, in den Geschichtsbüchern ist es ein Fünftel und in Politik- und Sozialkundebüchern ein Drittel.

          Was der Studienautor und Volkswirt von der Universität Erfurt, Justus Lenz, bemängelt, ist, dass vor allem in Erdkunde- aber auch in Geschichtsbüchern die Marktwirtschaft oft „bedauernswert einseitig, marktkritisch gefärbt und oft unsachlich emotionalisierend“ dargestellt werde. Auch hat Lenz viele sachliche Fehler ausgemacht. Gelungen ist nach seinem Befund die Darstellung wirtschaftlicher Themen nur in den Wirtschaftskundebüchern. In den Geographiebüchern musste Lenz jedoch lesen, dass Wirtschaft ein Nullsummenspiel ist. Das würde bedeuten, dass jemand wirtschaftlich nur etwas hinzugewinnen kann, wenn andere entsprechend viel verlieren. Zu der Wirklichkeit einer wachsenden Weltwirtschaft passt diese Aussage allerdings gar nicht.

          Studienautor: Marktwirtschaft wird oft einseitig dargestellt

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