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Kolumne : Zwischen April + Oktober

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Zurück im Büro nach der Kaffeepause fiel ihr Blick auf eine Anzeige: „Unternehmer sucht unkompliziertes, schlankes, hübsches Girl, welches Lust + Zeit hat (zwischen April + Oktober), mich jeweils am Wochenende nach Südfrankreich zu begleiten.“

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          Sie stand vom Computer auf und holte sich Kaffee. Als sie sich wieder hinsetzte, fiel ihr Blick auf eine Anzeige in der Zeitung, die zufällig neben ihrem Arbeitsplatz lag:

          „Unternehmer, attraktiv, 50 J., ledig, Single, sucht unkompliziertes, schlankes, hübsches Girl, welches Lust + Zeit hat (zwischen April + Oktober), mich jeweils am Wochenende nach Südfrankreich für Sonne, Meer, Shoppen zu begleiten. Du, Nichtraucherin, Genießerin, sportlicher sowie sexy Kleidungsstyle melde Dich mit Foto an ...“

          Zunächst war sie nur an dem fett gedruckten Wort „Unternehmer“ hängen geblieben, denn sie war gerade mit einer Arbeit beschäftigt, die den Wandel des Unternehmerbildes in den vergangenen zwanzig Jahren zum Gegenstand hatte. Dann hatte sie gesehen, es handelte sich um eine Kontaktanzeige. Sie war nicht auf der Suche, und wenn, hätte sie vermutlich nicht im Anzeigenteil der Zeitung damit begonnen, und doch überfiel sie plötzlich der Tagtraum, sich von einer berufstätigen Frau in ein „unkompliziertes, schlankes, hübsches Girl“ zu verwandeln. Dass sie jung sein musste, stand da nicht ausdrücklich, war aber wohl mit dem Wort „Girl“ ausgedrückt. „Schlank“ war nur für jemanden klar, der sich noch nie über die Welten Gedanken gemacht hatte, die zwischen anorexisch schlank und vollschlank lagen. Doch so zu denken, war vermutlich kompliziert, und sie musste ja, um Chancen zu haben, „unkompliziert“ sein.

          Würde sie auch sprechen dürfen? Wenn sie gefragt wurde, bestimmt, aber ansonsten hieß „unkompliziert“ wohl: Klappe halten und lächeln. Eine andere Frage war, was den Unternehmer wohl dazu veranlasste, sich selbst für attraktiv zu halten? Hoffentlich wären sie da einer Meinung. Er hatte ja kein Foto beigefügt, nur sie sollte ihm eines von sich schicken. Wichtig war eigentlich auch nur, dass sie „Lust + Zeit“ hatte für „Sonne, Meer, Shoppen“. Was das wohl genau war, „Sonne, Meer, Shoppen?“ Sie war sich nicht sicher, ob sie allen Anforderungen gerecht wurde. Nichtraucherin ja, Genießerin ja. Aber würde man sich einig werden, wer „am Wochenende in Südfrankreich“ wen oder was genießen wollte? „Sportlicher sowie sexy Kleidungsstyle“ sprach dafür, dass er da die Vorgaben machte. Was sie aber wirklich irritierte: Das Thema der Bezahlung war in der Anzeige gar nicht angesprochen. Und was würde sie zwischen November + März tun?

          Sie trank einen Schluck Kaffee und legte die Zeitung zur Seite. „Der Wandel des Unternehmerbildes“, flüsterte sie vor sich hin, um sich an ihr Thema zu erinnern, beugte sich wieder über die Tastatur und arbeitete weiter.

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