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Kolumne : Willkommen in der Wirklichkeit!

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Als die neue Image-Werbung für die MMS-Bank gedreht werden sollte, hieß es zunächst, die Rolle der Bankangestellten werde von Schauspielern übernommen. Kong war ein starker Befürworter dieser Lösung, konnte sich aber nicht durchsetzen.

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          Kong beobachtete von einem der Innenbalkone das Filmteam im Foyer, das die neue Image-Werbung für die Bank drehen sollte. Zuerst hatte es geheißen, das gesamte Interieur werde in einem Studio noch größer und prächtiger nachgebaut, und die Rolle der Bankangestellten würde von Schauspielern übernommen werden. Kong war ein starker Befürworter dieser Lösung gewesen, aber er konnte sich damit nicht durchsetzen. Man entschied sich für Kundennähe und Weltverbundenheit und beschloss, an realen Orten mit echten Menschen zu drehen. Und genau hier, bei den echten Menschen, gab es ein Problem, das Kong vorhergesehen und auch angesprochen hatte, was ihm den Vorwurf einbrachte, „menschenverachtend“ zu argumentieren. Aber verachtete er die Menschen, weil er sie sah, wie sie waren?

          „Willkommen in der Wirklichkeit - MMS-Bank“, war das wirklich ein guter Slogan? Oder konnte man den auf ganz gehässige Weise falsch verstehen? Einige von ihnen mochten ausgezeichnete Fachkräfte sein, aber einige von ihnen, die meisten, um ehrlich zu sein, waren weder besonders schön noch besonders begabt. Und bestimmt keiner von ihnen gehörte vor eine Kamera.

          Um wenigstens zu retten, was zu retten war, hatte Kong ein Papier verfasst: Er machte darin Vorschläge, gegen die doch nun wirklich niemand etwas haben konnte: Frauen sollten danach künftig hautfarbene Unterwäsche tragen und, bitte, Blusen. Socken sollten, das verstand sich doch eigentlich von selbst, schwarz sein, nicht bunt gemustert. Männer - dass man das erwähnen musste! - durften graue, schwarze oder dunkelblaue Anzüge tragen. Was sonst? Diese mussten - ja, tatsächlich! - täglich gewechselt und regelmäßig zur Reinigung gebracht werden. Kong hätte das nicht erwähnt, wenn es nicht nötig gewesen wäre. Das Hemd, am Rande bemerkt, musste am Kragen weit genug sein, dass eine Fingerbreite Platz darin fand. Ausbeulungen in den Hosentaschen, die durch dicke Portemonnaies erzeugt wurden, waren strikt zu vermeiden. Absolut tabu waren Piercings, Tattoos und auffälliger Schmuck. Brrr. Männern waren, einschließlich der Sonnenbrille, drei dezente Schmuckstücke erlaubt, Frauen sieben. Wuchernde Bartbehaarung war umgehend zu beseitigen. Auch das Haupthaar musste einmal im Monat vom Friseur zurechtgestutzt werden. Studien hatten ergeben, dass ein gepflegter Haarschnitt Sympathien erweckt und die persönliche Wertschätzung steigert.

          Kongs Papier wurde schon bald im Internet veröffentlicht, zusammen mit einem Foto von Kong. Unter dem Foto stand: „Willkommen in der Wirklichkeit - MMS-Bank“. Bis heute findet man es auf diversen Fun-Seiten.

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