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Kolumne : Was wirklich zählt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

„Wenn du Karriere als Manager machen willst, arbeite nicht selbst am Computer“, sagte Schlick. Borg checkte seine Mails. „Allein, dass du so ein Mini-Ding besitzt, zeigt, dass du ein ernster Fall bist.“ Jetzt zögerte Borg doch.

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          Schlick traf Borg in der Kantine. Sie kannten sich von einem Assessment-Center für künftige Führungskräfte. Borg saß beim Kaffee vor seinem Mini-Notebook.

          "Schon wieder am Computer? Erinnerst du dich nicht: Wenn du Karriere als Manager machen willst - arbeite nicht selbst am Computer", sagte Schlick.

          "Nur kurz Mails checken", antwortete Borg.

          "Von wegen. Allein, dass du so ein Mini-Ding besitzt, zeigt, dass du ein ernster Fall bist."

          "So? Meinst du? Warum denn?"

          "All die Männer - es sind fast nur Männer -, die wir jede Woche an den Flughäfen mit ihren Laptops sehen, imponieren uns im ersten Moment. Immer besitzen sie die modernsten Geräte. Sie sind überall erreichbar und scheinbar jederzeit produktiv - und doch werden sie auf diese Weise niemals eine echte Führungsposition erreichen."

          "Aha. Warum eigentlich nicht?"

          "Die Arbeit an den Bildschirmen hält sie von den wirklich wichtigen Dingen ab. Deine Mails kann deine Assistentin checken. Die wichtigen wird sie dir vorlegen. Die unwichtigen wird sie aussortieren. Sie wird stolz sein, diese verantwortungsvolle Arbeit für dich machen zu dürfen. Und du hast Zeit, dir jetzt im Gespräch mit mir wertvolle Informationen über einen Mitkonkurrenten zu verschaffen, anstatt dich mit unsinnigen Zuschriften zu beschäftigen."

          "Woher soll meine Assistentin wissen, welche wirklich wichtig sind und welche nicht?"

          "Darüber muss sie sich selbst den Kopf zerbrechen. Sie wird es tun und, wenn sie fähig ist - was sie ist, denn sie wurde ja von dir ausgewählt - dabei zu keinen schlechteren Ergebnissen kommen als du. Was machst du eigentlich, wenn das Ding nicht funktioniert?"

          "Ich bin mittlerweile gut darin, die Kisten zum Laufen zu bringen."

          "Du liebe Zeit. Dein Fall ist ernster, als ich dachte. Pass auf: Wenn mein Mitarbeiter, der für die Arbeiten am PC zuständig ist, mit seinem Arbeitsgerät ein Problem hat, geht er zu seinem Admin und lässt es von ihm lösen. Ich erfahre das gar nicht."

          Borg klappte demonstrativ sein Notebook zu. "Sag mal, willst du mir was Bestimmtes sagen oder mir einfach nur auf die Nerven gehen?"

          Schlick lächelte, rückte ein bisschen näher zu Borg und raunte: "Wer dazu da ist, Entscheidungen zu treffen, sollte nicht hinter einem Bildschirm in Deckung gehen. Computer sind etwas für Sachbearbeiter, für Befehlsempfänger. Wenn du Karriere machen willst, achte darauf, dass du zu denjenigen gehörst, die nicht am Computer sitzen!"

          Hatte er recht? Borg würde die Frage im Intranet zur Diskussion stellen - noch bevor er zum nächsten Mal seine Mails checkte.

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