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Kolumne : „Halten Sie sich zurück“

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Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Sprich niemals schlecht über frühere Arbeitgeber, hatte Rapp im Bewerberseminar gelernt. Doch nun wurde er beim Vorstellungsgespräch gefragt: „Was hat sie bewogen zu wechseln?“

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          Rapp bekam die Regel im Bewerberseminar beigebracht, das Teil seines Abfindungspakets war: Sprich niemals schlecht über frühere Arbeitgeber – schon gar nicht bei Vorstellungsgesprächen.

          „Auch wenn Sie so einen Hals haben“, sagte der sympathische Seminarleiter mit ausgebreiteten Armen, „halten Sie sich zurück.“

          Rapp hätte eine Menge über seinen Ausstieg zu erzählen gehabt. Allein von „Ausstieg“ zu sprechen war Unsinn. „Rauswurf“ hätte es allerdings auch nicht besser getroffen. Es war irgendetwas dazwischen gewesen. Der Wind hatte sich gedreht, der Druck zugenommen, die Stimmung sich verschlechtert, die Probleme sich vergrößert, und am Ende lag ein Abfindungsangebot auf seinem Schreibtisch, das er besser annahm.

          Die Stellenausschreibung, auf die er sich nun bewarb, verlangte unter anderem folgende Qualifikationen: Selbständige, eigenverantwortliche, teilnehmer- und lösungsorientierte Arbeitsweise, Engagement, Einsatzbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit, interdisziplinäres Denken, überzeugendes Auftreten, Eigeninitiative, Zielstrebigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenz, Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationsgeschick, Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung.

          Rapp bewarb sich übrigens nicht um die Stelle des UN-Generalsekretärs, sondern um eine auf ein Jahr befristete Elternzeitvertretung im mittleren Management, die deutlich schlechter dotiert war als seine vorangegangene, unbefristete Position. Er wurde zum Gespräch geladen.

          Rapp wusste Bescheid: Wer seinen Job loswurde und glücklich genug war, einen neuen zu finden, musste eine Hürde mehr überwinden als jeder Berufsanfänger. Und sie ließ nicht lange auf sich warten, die einzige Frage, die er mit einer Lüge zu beantworten gedachte, allein um seine Professionalität unter Beweis zu stellen. „Was hat sie bewogen zu wechseln?“, wurde er gefragt, und er antwortete: „Der Wunsch nach noch mehr selbständiger, eigenverantwortlicher, teilnehmer- und lösungsorientierter Arbeitsweise, Engagement, Einsatzbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit sowie interdisziplinärem Denken.“

          Seine Erklärung wurde prompt akzeptiert, und er bekam die Stelle. Als er fragte, was schließlich den Ausschlag gegeben habe, bekam er ohne Zögern die Antwort: „Überzeugendes Auftreten, Eigeninitiative, Zielstrebigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Reflexionsfähigkeit, soziale Kompetenz, Belastbarkeit, Flexibilität, Organisationsgeschick, Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung haben uns überzeugt.“

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