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Kolumne : Frage nicht, was dein Verein für dich tun kann

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Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

„Meine lieben Freunde“, begann Dr. Anz, angemessen feierlich, „unser glorreicher Verein, den wir alle seit unseren Kindertagen bejubeln, hat soeben das Double gewonnen. Als Nächstes muss Mailand besiegt werden“. Zunächst allerdings galt es, die Sache mit der Hotelbuchung zu erledigen

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          Die Herren Dr. Anz, Dr. Gmein und Direktor Lang trafen sich spät am Samstagabend in Dr. Anz' Büro. Die Atmosphäre war konspirativ. „Meine lieben Freunde“, begann Dr. Anz, angemessen feierlich, „unser glorreicher Verein, den wir alle seit unseren Kindertagen bejubeln, hat soeben das Double gewonnen. Als Nächstes muss Mailand besiegt werden, und zwar in Madrid. Fragt mich nicht, was ich tun musste, um Karten für das Finale zu bekommen. Nehmt einfach zur Kenntnis: ich habe drei. Jetzt müssen Flüge und ein Hotel gebucht werden. Was die Flüge betrifft: Sie sind zu bekommen, wenn man bereit ist, jeden Preis zu bezahlen. Sind wir bereit, jeden Preis zu bezahlen?“

          Die Frage war rhetorisch gemeint und wurde auch so verstanden. „Gut“, sagte Dr. Anz. „Doch was die Hotelfrage betrifft, können wir mit Geld nichts ausrichten. Alles ausgebucht, von der Jugendherberge bis zum Fünf-Sterne-Palast. Ein höherer Einsatz wird von uns verlangt ...“

          Am Montag kam Frau Perch, Dr. Anz' Sekretärin, wie immer eine halbe Stunde vor ihrem Chef ins Büro. Am Freitag schien es noch eine Abendsitzung gegeben zu haben, dachte sie, als sie seinen Schreibtisch aufräumte. Diese Strategiebesprechungen mit Herrn Dr. Gmein und Herrn Direktor Lang zogen sich öfter mal hin. Frau Perch rückte das Foto von Frau Dr. Anz zurecht und auch jenes der gesamten Familie Dr. Anz mit den drei Kindern. Dabei fielen ihr Unterlagen auf dem Schreibtisch auf, die sie nicht kannte. Da sie für die Korrespondenz ihres Chefs verantwortlich war, sah sie sich die Papiere genauer an. Es handelte sich um drei Internet-Buchungen für Flüge nach Madrid zu einem astronomischen Preis und die Buchung eines Dreibettzimmers im Hotel „The Happy Spaniard“. „Step into Gay Hotel ,The Happy Spaniard' and you'll discover all the ingredients for a satisfying holiday ...“, las sie. Sie warf einen mitleidigen Blick auf das Familienfoto.

          In diesem Augenblick kam Dr. Anz zur Tür herein und sah sie über den Buchungen. Sie versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. „Guten Morgen, Herr Dr. Anz. Wie ich sehe, fliegen Sie nach Madrid.“ „Ja, wegen dem Triple.“ „Hm, so nennt man das wohl. Ich wusste gar nicht, dass Sie und Dr. Gmein und Direktor Lang so eng miteinander ...“ „Wegen des Hotels, meinen Sie? Das ist nur eine Notlösung. Anderswo waren keine Zimmer mehr zu kriegen.“ „Und was werden Ihre Frauen dazu sagen?“ „Sie dürfen es niemals erfahren.“ „Das mit dem Hotel?“ „Nein, das mit dem Flugpreis.“ „Und warum machen Sie es dann?“ Dr. Anz erklärte ernst: „Frage nicht, was dein Verein für dich tun kann. Frage, was du für deinen Verein tun kannst.“

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