https://www.faz.net/-gyl-9t5si

Fristlose Kündigung – was nun? : Sie sind gefeuert!

  • -Aktualisiert am

Wollen Sie ihren Schreibtisch wirklich kampflos räumen? Bild: Getty

Eine fristlose Kündigung stürzt Betroffene oft in existentielle Nöte. Dem Arbeitgeber sollten sie sich aber nicht kampflos ergeben. Unsere Autorin zeigt auf, was sie unternehmen können.

          3 Min.

          Das Meeting war kurz: drei gesprochene Sätze, ein überreichtes Dokument. Der leitende Angestellte ist fristlos entlassen. „Das ist das schärfste Schwert, das ein Arbeitgeber hat“, sagt Hermann Gloistein, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Halle. „Es entsteht sofort ein erheblicher wirtschaftlicher Druck auf den Arbeitnehmer.“ Denn sofort entfällt die Zahlung des Gehalts und der Sozialversicherungsbeiträge. Zudem müssen Arbeitnehmer alles zurückgeben, was ihnen überlassen wurde: Zugangsberechtigungen, Handy, Laptop, Dienstwagen.

          Der Gesetzgeber hat die Hürde für außerordentliche Kündigungen hoch gesetzt: Es muss ein „wichtiger Grund“ vorliegen, etwa sexuelle Belästigung, Körperverletzung oder Betrug. Damit wäre das Vertrauensverhältnis erschüttert und Arbeitgebern nicht zumutbar, die ordentliche Kündigungsfrist abzuwarten. „Im Arbeitsrecht kommt es auf die Umstände im Einzelfall an“, sagt Evelyn Räder aus der Bundesrechtsabteilung der Gewerkschaft Verdi. Auch die Pflicht zur vorherigen Abmahnung sei von Fall zu Fall anders. Ist die Pflichtverletzung des Arbeitnehmers aber besonders schwer, hat der Arbeitgeber zwei Wochen Zeit, um die fristlose Kündigung auszusprechen. Die Zeit läuft, sobald der Arbeitgeber von dem wichtigen Grund erfahren hat. In Unternehmen mit Betriebsrat muss dieser angehört werden; seine Zustimmung ist aber nicht notwendig.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Kerzen und Stofftiere vor der Kita „Am Steinkreis“ in Viersen: Hier starb am 21. April eine Dreijährige.

          Totes Kita-Kind in Viersen : Reihenweise Alarmsignale

          In einer Kita in Viersen soll eine Erzieherin die kleine Greta ermordet haben. Ihr Lebenslauf enthält zahlreiche Alarmsignale. Es war offenbar nicht der erster Übergriff der 25-Jährigen auf ein Kita-Kind.
          Prinz Abdulaziz bin Salman Al Saud (3.von links) führt am 10. April den Vorsitz bei einem virtuellen Treffen der G-20-Energieminister

          Corona und Ölpreis-Verfall : Saudi-Arabiens doppelte Krise

          Eigentlich wollte Saudi-Arabien im Jahr der G-20-Präsidentschaft sein internationales Ansehen aufpolieren. Nun steckt das Land in einer politischen und wirtschaftlichen Krise, die noch vor kurzem unvorstellbar war.