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Stimme und Körpersprache : Hast du mich wirklich verstanden?

Dieses Bild fängt Körpersprache ein: Emmanuel Macron, Angela Merkel, Shinzo Abe und Donald Trump (von links) auf dem G7-Gipfel in Kanada. Bild: dpa

Händedruck, Blickkontakt, Lautstärke – wenn Körpersprache und Stimme richtig eingesetzt werden, können sie über die Karriere entscheiden.

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          Wer Mimik und Gesten im Griff hat und gut bei Stimme ist, kommt im Beruf schneller voran. Ob man im Bewerbungsgespräch seine Willensstärke mit Gesten unterstreicht oder in heiklen Gehaltsverhandlungen das Eis mit einer seitlichen Neigung des Kopfes bricht: Mit der richtigen Körpersprache und Lautstärke wird man selbstbewusster und erfolgreicher, haben Verhaltensforscher erkannt.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie man auch ohne ein gesprochenes Wort Wirkung beim Gegenüber erzeugt, – darin ist Samy Molcho erfahren wie kaum ein anderer. Mitte der 50er Jahre diente er über drei Jahre in der israelischen Armee. Doch dem leidenschaftlichen Tänzer, der seit seinem zehnten Lebensjahr Chansonniers verehrte, machte die eiserne Disziplin schwer zu schaffen. „Der tägliche Drill sollte den Willen brechen und die Truppe auf eine Linie trimmen“, erzählt er. „Wer vom Leben im Stechschritt abwich, wurde bestraft.“ Spielraum für körpersprachlichen Ausdruck gab es dort nicht.

          Dass ein kreativer Geist wie Molcho regelmäßig aus der Reihe tanzte, wundert kaum. „Ich habe viele Strafen abgesessen und landete schließlich auf einem Außenposten.“ So konnte er in beiden Welten überleben: Für das Militär züchtete er tagsüber Brieftauben, die damals als Kuriere eingesetzt wurden. Und nach Dienstschluss war er als Tänzer beim Jerusalemer Stadttheater aktiv. Der 1936 in Tel Aviv geborene und dort auch ausgebildete Pantomime und Schauspieler startete jedoch erst als internationaler Künstler durch, als er nach Wien wechselte und dort die österreichische Staatsbürgerschaft annahm.

          Der Körper verrät alles

          Dort war der verheiratete Vater von vier Söhnen lange Zeit als Professor für Musik und darstellende Kunst tätig. Anschließend vertiefte er als Wissenschaftler und Managementtrainer seine Erkenntnisse zur Körpersprache: „Worte sind nur verbale Absichtserklärungen – unser Körper verrät dagegen alles“, lautet das Credo des Altmeisters, der erst kürzlich den Teilnehmern eines Seminars des Starnberger Management Forums Rede und Antwort stand.

          Ob es um festen Händedruck, direkten Blickkontakt mit dem Gegenüber oder gebeugte oder aufrechte Haltung geht – Trainer und Verhaltensforscher sind sich einig, dass Körpersprache auch vom Bewusstsein gesteuert wird: „Wer diesen Zusammenhang erkennt, kann an ihr arbeiten und so die Persönlichkeit beeinflussen“, ist Molcho überzeugt.

          Bewerbungsgespräch scheitert an Mimik

          Übertragen auf den Berufsalltag, heißt das: Wer in seinem Arbeitsumfeld einen guten Eindruck hinterlassen oder den Weg für den internen Aufstieg vorbereiten will, „sollte sich mit seiner eigenen Körpersprache und der anderer Menschen intensiv beschäftigen“, rät Psychologin Monika Matschnig, die sich auf diese Aspekte spezialisiert hat. „Das Thema wird gerade in Bewerbungsgesprächen gerne unterschätzt“, weiß die Personalberaterin Andrea Raupach-Siecke zu berichten. Oft laufe in solchen Runden die Kommunikation schief, weil die Mimik falsch gedeutet wird.

          Immerhin handelt es sich bei der Körpersprache laut Auskunft der Kommunikationstrainerin Caroline Krüll um „die älteste Sprache der Welt“. Doch in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt hätten viele zu ihr „den Kontakt verloren“. Solche Defizite haben im Berufsleben Folgen. Denn das persönliche Unvermögen, im Umgang mit Kollegen oder Geschäftspartnern stärker der eigenen Intuition zu vertrauen, kann zu täglichem Frust oder sogar auch zu wirtschaftlichen Nachteilen führen: „Viele lassen sich vom Gesagten ihres Gegenübers verführen, obwohl sie in ihrem Inneren spüren, dass an der Zusage etwas nicht stimmt und Vorsicht geboten ist“, warnt Krüll.

          Mimik und Gestik entscheiden über Aussage

          So kann in einer Gehaltsverhandlung etwa die Zusage des Chefs: „Ich werde darüber nachdenken“ je nach Ausdruck von Mimik oder Gestik bedeuten: „Ja, aber da sind noch ein paar Details zu klären“ oder eben: „Nein, aber ich möchte nicht brüskieren und sage das deshalb nicht direkt“.

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