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Corona-Pandemie : Ausbildung in der Krise

Nachwuchs gesucht: Malerlehrlinge bemalen eine Plakatwand. Bild: Samira Schulz

Deutschland braucht mehr Fachkräfte. Doch es werden viel weniger Ausbildungsverträge geschlossen als vor der Pandemie – und Besserung ist wohl so schnell nicht in Sicht.

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          Mehr Wohnungen, mehr Windräder, endlich die maroden Brücken sanieren: Deutschland hat viel vor. Die dafür dringend benötigten Fachkräfte sind allerdings schon heute knapp – und seit Beginn der Corona-Pandemie steckt auch noch die duale Berufsausbildung in der Krise. Nachdem die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2020 regelrecht eingebrochen war und den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung erreichte, hat sich die Lage im vergangenen Jahr kaum gebessert.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, wurden 2021 rund 467.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das waren nur 0,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und fast 10 Prozent weniger als 2019, vor Beginn der Krise. Mit Ausnahme der Landwirtschaft und der freien Berufe gab es in allen Bereichen Rückgänge – darunter zum Beispiel 3,6 Prozent in Industrie und Handel. Der wesentliche Grund ist ein Mangel an Bewerbern, wie nicht nur offizielle Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, sondern auch eine ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte Betriebsbefragung von deren Forschungseinrichtung, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

          In der Umfrage, an der jeden Monat zwischen 1500 und 2000 Betriebe teilnehmen, gab fast die Hälfte der Unternehmen an, dass die Zahl der Bewerbungen für eine Lehrstelle während der Pandemie zurückgegangen ist. 41 Prozent vertreten zudem die Auffassung, dass die Qualität der Bewerbungen abgenommen hat. Zwar hatten viele Betriebe schon vor Corona Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Das gilt insbesondere für den Bau. Die Probleme haben sich in der Krise aber weiter verschärft.

          Weniger Berufsberatung, weniger Praktika

          Die Forscher erklären die Entwicklung zum einen damit, dass aufgrund der Pandemie weniger Berufsberatung in den Schulen stattfand, Ausbildungsmessen ausfielen und die Unternehmen wegen Homeoffice und Kurzarbeit weniger Praktika anboten. Rund vier von zehn Betrieben haben der Befragung zufolge das Angebot an Praktika während der Pandemie zurückgefahren oder ganz eingestellt. Zum anderen haben sich aufgrund der hohen Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung viele Jugendliche entschieden, erst einmal im schulischen System zu verbleiben oder ein Studium zu beginnen – das erscheint ihnen offenbar als sicherer als eine Ausbildung beispielsweise im Gastgewerbe.

          Um ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, versuchen die Unternehmen, für potentielle Bewerber attraktiver zu werden und mehr Jugendliche zu erreichen: Gut die Hälfte der Betriebe gab in der Umfrage an, sie seien bereit, Kompromisse bei der Qualität der Bewerbungen einzugehen, zum Beispiel im Hinblick auf die schulische Qualifikation. Selbst wenn sie Auszubildende finden, stellt sich aber noch ein weiteres Problem: Schließlich reicht es nicht, die Lehrstellen zu besetzen – die jungen Menschen müssen ihre Ausbildung auch erfolgreich abschließen. „Beides hat in der Pandemie deutlich gelitten“, sagt IAB-Direktor Bernd Fitzenberger. So ist der Anteil der Betriebe mit erfolgreichen Ausbildungsabschlüssen 2021 deutlich gesunken: auf nur noch 38 Prozent. Die Unternehmen führen das unter anderem auf kleinere Jahrgänge und verschobene Prüfungen zurück.

          Die schlechte Nachricht für die Betriebe lautet: Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit deuten darauf hin, dass die Situation sich auch in diesem Jahr nicht bessert. Von Oktober 2021 bis März 2022 wurden den Arbeitsagenturen zwar wieder deutlich mehr Ausbildungsstellen gemeldet, die Zahl der Bewerber ist aber weiter gesunken. Bis zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im Herbst kann sich noch einiges tun, doch es droht sich zu wiederholen, was schon in und nach der Wirtschaftskrise 2009 zu beobachten war: Auch damals sank die Zahl der Ausbildungsverträge kräftig. Der Rückgang wurde nie wieder aufgeholt.

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