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Erfassung der Arbeitszeit : Schön flexibel, schön doof

Bis zu später Stunde am Arbeitsplatz: Viele Deutsche sagen, dass sie lange Überstunden machen. Ist damit bald Schluss? Bild: dpa

In der Arbeitswelt von heute sollen alle flexibel arbeiten. Das geht oft zu Lasten der Arbeitnehmer. Damit dürfte jetzt Schluss sein. Gut so?

          6 Min.

          Vertrauen ist gut, das predigt kaum jemand so unermüdlich wie Stefan Brink, seines Zeichens Datenschutzbeauftragter von Baden-Württemberg. Aber in manchen Situationen ist Kontrolle einfach besser. Dann müsse der Arbeitgeber Druck ausüben, sagt er, um die Beschäftigten vor sich selbst schützen. „Eine schöne Forderung von einem Datenschutzbeauftragten“, seufzt Brink lakonisch, schließlich geht ihm die „informationelle Selbstbestimmung“ über alles. Eigentlich. Aber er ist eben gleichzeitig auch Behördenleiter und damit Chef. Das bringt es mit sich, dass er manchmal nachmittags durch die Büros tingelt und den einen oder anderen Mitarbeiter freundlich auffordert, seine Arbeit niederzulegen und nach Hause zu gehen. Oft geht dann die Diskussion los: nur ein bisschen noch!

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Für Brink ist das ein altbekanntes Problem, anfänglich allerdings rein theoretischer Natur. Schon seit zehn Jahren schult er Gewerkschafter und Betriebsratsmitglieder zum Datenschutz, sein Standardfall ist stets die Arbeitszeiterfassung. Ein schönes Beispiel, um zu verdeutlichen, dass Arbeitnehmer ihre Belange auch in die eigenen Hände nehmen können. Warum sollen die Beschäftigten nicht selbst ihre Arbeitszeiten notieren und der Personalabteilung melden? In seinen Seminaren sei dieser Vorschlag regelmäßig der Punkt, an dem Gewerkschafter und Betriebsräte in die Luft gingen, berichtet er. Eine Verleitung zur Selbstausbeutung sei das. Seitdem er Chef ist, weiß er, was sie meinen.

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