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Corona und die Arbeitswelt : Was sollen Führungskräfte in der Krise tun?

Derzeit ist für viele Arbeitnehmer Homeoffice angesagt. Bild: dpa

In Zeiten einer Krise ist gute Führung wichtiger denn je. Aber wie geht das, wenn Sorge und Angst dominieren? Eine Psychologin und Führungskräftetrainerin im Gespräch.

          6 Min.

          Frau von Elverfeldt, wie gelingt Führung in Zeiten der Krise?

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Dazu braucht es im Wesentlichen drei Dinge: Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit und Sinnhaftigkeit. Zunächst ist es wichtig, die eigene Rolle und deren Handlungsoptionen zu verstehen, um in diesem Rahmen gestalten zu können und selbstwirksam zu agieren. Wenn die eigene Tätigkeit als sinnvoll erlebt wird, zum Beispiel, weil man zu einem größeren Ganzen oder dem Wohl anderer beiträgt, wachsen Kraft und Motivation.

          Was kann der Einzelne konkret tun, um diese Krise gut zu meistern?

          Zunächst einmal akzeptieren was ist: Fakten, Verhaltensregeln und auch Gefühle. Was ist, ist! Ganz wichtig, um Transparenz herzustellen: Sorgsam die Fakten aus seriösen Quellen prüfen.

          Was ist als Führungskraft kommunikativ zu beachten?

          Für Klarheit, Orientierung und Prioritäten sorgen: Wesentliche Fakten offen und klar kommunizieren. Zugeben, wenn aktuell der Planungshorizont stark verkürzt ist. In einer Krise, wie bei einem Brand, braucht es Klarheit in der Führung und eine Entscheidung und keine Diskussion. Eine womöglich nicht sofort optimale Entscheidung ist besser als gar keine Entscheidung. Die Kommunikation stärker aufrecht erhalten und digitale Kommunikation intensivieren: In unsicheren Zeiten benötigen Menschen mehr Kommunikation, regelmäßige Updates zu festen Zeiten, Kontakt über Video und Telco im Team wie auch im 1to1. Den Kontakt untereinander anregen, wie zum Beispiel Verabredungen mit dem Kollegen zum Skype-Lunch.

          Für diese Ausnahmesituation gibt es keine Blaupause. Was hilft noch, durchzuhalten bei kurzen Planungshorizonten?

          Erfahrungswerte und eigene Stärken nutzen: Was gibt mir Kraft? Was hat bei früheren Herausforderungen im Umgang mit Unsicherheit geholfen etwa man ist Vater oder Mutter geworden, umgezogen, hat berufliche Krisen erfolgreich gemeistert. Dadurch wird das Gefühl des Selbstvertrauens gestärkt.

          Was hilft noch, die vielzitierte Selbstwirksamkeit zu stärken?

          Aktiv werden: Wozu kann ich diese Krise nutzen? Zum Beispiel Prioritäten und Gewohnheiten hinterfragen, neue Gewohnheiten, Rituale und Alltagsrhythmus etablieren, Neues lernen, Vertrauen und Flexibilität trainieren, anderen helfen, sich körperlich oder manuell und kreativ betätigen. Was gibt Sinn oder was ist wesentlich und führt zu innerer Zufriedenheit? Was kann ich anderen geben? Jeder einzelne kann einen Unterschied machen. Angenommen ich blicke ein Jahr später zurück und tausche mich mit anderen darüber aus. Vielleicht wird die Welt nicht mehr dieselbe sein wie vorher, dennoch werden wir vermutlich das mehr schätzen, was wir vorab entbehren mussten, so wie man nach einer Fastenzeit das Essen viel bewusster genießen kann. Anderen zu helfen, stärkt das Selbstvertrauen ebenso wie den Fokus auf das zu richten, was mir keiner nehmen kann zum Beispiel meine Stärken, Kompetenz, Erfahrungen, Glaube, Wille, Vertrauen.

          Wie kann ich als Führungskraft Vorbild sein, wenn Kontrollverlust droht?

          Sich und das Umfeld an die langfristige Mission erinnern: Die Mitarbeiter gewinnen, weiterhin zu dieser Mission solidarisch beizutragen, auch wenn taktische Kurskorrekturen notwendig sind. Als Vorbild agieren: Was sollen meine Mitarbeiter über mich sagen, wenn diese Krise vorbei ist? Der Kapitän verlässt als letzter das Schiff. Beispiel: Eine Kundin von mir leitet unter anderem die Produktion und ist als einziges Mitglied des Vorstands noch im Büro, um bei ihren Mitarbeitern zu sein.

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