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„Vertuschen ist teuer“ : Warum tun sich Manager so schwer mit dem Fehler-Zugeben?

Fehler einfach zugeben und sich entschuldigen? Für Manager sei das schwer, sagt Silvia Eggenweiler. Bild: dpa

Silvia Eggenweiler ist Partnerin der Personalberatung Odgers Berndtson. Im Interview spricht sie über gute Fehlerkultur, Wege dorthin – und ob es Frauen leichter fällt Fehler zuzugeben als Männern.

          4 Min.

          Sie sind selbst Führungskraft, was war denn Ihr größter Fehler, wenn Sie so zurückblicken?

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ich hatte das Glück, dass ich in meiner Industriekarriere keine derartigen Fehler gemacht habe, die zu weitreichenden Konsequenzen geführt hätten. Das ist auch meinen Führungskräften zu verdanken, die aufgepasst haben. Kleine Fehler habe ich eine Menge gemacht. Zum Beispiel fehlerhafte Kalkulationen. Meine Fehler wurden glücklicherweise von mir oder meinen Vorgesetzten frühzeitig bemerkt und so konnten wir sie korrigieren. Das war ärgerlich, aber – und das ist entscheidend: Man muss auch zu den kleinen Fehlern stehen, anstatt sie zu vertuschen. Dann kann man sie rechtzeitig ausbügeln.

          Warum tun sich so viele Manager schwer mit dem Fehler-Zugeben? Haben sie Angst, das Gesicht zu verlieren?

          Ja, diese Angst ist weit verbreitet und fängt bei den kleinen Dingen an. Jedem passiert es zum Beispiel mal, dass man sich im Ton vergreift. Aber die meisten Manager entschuldigen sich nicht im Anschluss, sondern tun am nächsten Tag so, als wäre nichts gewesen. Viele haben auch ein Problem damit, ihren Mitarbeitern Freiräume zu geben. Dahinter steht die Denkweise: Als Chef weiß man alles besser und hat im Zweifel immer die Macht, einen Weg vorzugeben. Besser wäre es, zu sagen: „Lieber Mitarbeiter, geh du deinen Weg und wenn mal nicht alles zu hundert Prozent rund läuft, kann man es immer noch adaptieren, aber ich stehe hinter dir.“ Für den Fall, dass Fehler passieren, müssen Chefs sich hinter ihre Mitarbeiter stellen und die Verantwortung übernehmen, das gehört dazu.

          Silvia Eggenweiler ist Partnerin der Personalberatung Odgers Berndtson.
          Silvia Eggenweiler ist Partnerin der Personalberatung Odgers Berndtson. : Bild: obs

          Fallen ihnen denn Beispiele ein von Managern, die selbst mal Fehler öffentlich eingestanden haben. So wie Frau Merkel vor einigen Monaten mit der „Osterruhe“?

          Meistens werden erst die wirklich großen Fehler prominent, nicht aber die kleinen. Mir fällt zum Beispiel der frühere Uber-CEO ein, der wegen Nötigung einer Mitarbeiterin seine Position einbüßen musste. Aber erst als sein Fehler öffentlich wurde und es kein Zurück gab, hat er ihn eingestanden, um dann obskurer Weise in den Aufsichtsrat zu wechseln. Oder nehmen wir den VW-Diesel-Skandal: Auch hier hat das Management am Ende Fehler eingestanden. Aber: Meistens muss es erst extrem weit kommen und erst dann, wenn der Skandal unvermeidbar ist, entschuldigt man sich. Dabei könnte viel verhindert werden, würde man Fehler frühzeitig zugeben. Für persönliche Verfehlungen muss man allerdings auch persönlich geradestehen und Konsequenzen ziehen. Eine Entschuldigung ist nur dann akzeptable, wenn sie glaubhaft und ehrlich gemeint ist.

          Warum ist eine gute Fehlerkultur wichtig?

          Fehlerkultur ist Lernkultur. Lernkultur hat auch als Wort eine viel positivere Konnotation.  Unser ganzer Erfahrungsschatz besteht aus den Fehlern, die wir gemacht haben. Wir werden nur richtig gut in einer Sache, wenn wir unterwegs immer wieder herumprobieren und dabei auch mal selbst scheitern. Das Vertuschen von Fehlern dagegen ist unterm Strich meistens viel teurer, als eine gute Fehlerkultur zu pflegen.

          Wie bekommt man die genau?

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