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Unverkrampft und ohne Tabus : Cool, ich werde Bestatter

  • -Aktualisiert am

Jennifer Schmidt: Siegerin im Bundesleistungswettbewerb der Bestatter 2019 und inzwischen Bestattungsfachkraft in Backnang nördlich von Stuttgart Bild: dpa

Gräber ausheben, Leichen vorbereiten, Trauergespräche führen: Erstaunlich viele junge Menschen finden den Beruf des Bestatters attraktiv. Die Zahl der Auszubildenden steigt seit Jahren, Nachwuchssorgen gibt es nicht.

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          Die Sache mit der Berufswahl war für Andreas Werner eigentlich geklärt. Er hatte sein Abi in der Tasche, alles lief auf ein Studium hinaus, Psychologie konnte er sich gut vorstellen. Musiktherapeut, das wäre doch was, dachte er sich damals – und legte kurz darauf eine Kehrtwende hin, die erklärungsbedürftig war. Das betraf den Verzicht auf die akademische Ausbildung, vor allem aber das neue berufliche Ziel: Werner wollte Bestatter werden und hörte fortan Sätze wie: „Du hast doch Abitur, wieso machst du dann eine Ausbildung zum Bestatter?“ An die Kurzzusammenfassung solcher Skeptiker kann er sich noch gut erinnern. „Das ist doch Verschwendung“, musste er sich anhören. Überzeugt hat ihn das nicht. Er ist jetzt 20 Jahre alt und Azubi in einem Bestattungsunternehmen namens Sauerbier im westfälischen Büren. Und er hat das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bestatter sei „kein Beruf, mit dem man sich üblicherweise in der Berufswahl auseinandersetzt“, sagt er. Deshalb müsse man auch so viel erklären. Umso erstaunlicher, dass die Branche keine Nachwuchssorgen kennt. Wer glaubt, dass die Beschäftigung mit Leichen, Gräbern, Trauer, ja dem Thema Tod insgesamt, auf junge Leute abschreckend wirkt, der findet in den Statistiken des deutschen Bestattergewerbes eine andere Welt. Die Zahl der Auszubildenden steige seit Jahren, sagt Elke Herrnberger, die Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB). Nachwuchssorgen kenne man nicht. Die rosarote Gegenwart in aktuellen Zahlen: 552 Auszubildene zählte der Verband, der mit 3100 Mitgliedsunternehmen 81 Prozent der deutschen Bestatter unter seinem Dach vereint, im vergangenen Jahr. Mehr als die Hälfte, nämlich 284, waren weiblich. Es gebe traditionell mehr Bewerber als Plätze.

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