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Expertinnen : Wenn auch mal Frauen die Welt erklären

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Seltenes Bild: Szene vom Weltfrauengipfel Bild: AP

Reden, Podiumsdiskussionen, Zitate in den Medien: Meist treten Männer als Experten auf. Wieso eigentlich?

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          Ulrike Winzer ist professionelle Rednerin, trotzdem ist sie vor Publikum immer etwas nervös. Im vergangenen November beim Speaker-Slam, einem Wettbewerb für Redner in Hamburg, ist sie noch ein bisschen nervöser. Denn vor ihr sitzt nicht nur das Publikum, sondern auch eine Jury. Sie spricht über eines ihrer Lieblingsthemen: Mitarbeitergewinnung in der Arbeitswelt von morgen. Winzer gewinnt den Slam. Bei dem Wettbewerb haben ähnlich viele Frauen, wie Männer mitgemacht. In der Welt der professionellen Redner ist Winzer als Frau aber noch immer die Ausnahme.

          Nur jeder vierte Sprecher auf Kongressen oder Podien ist laut der Datenbank „50 Prozent“ eine Frau. Die Datenbank ist nicht repräsentativ, jeder kann hier Veranstaltungen hinzufügen, aber es sind schon mehr als 500 Veranstaltungen mit knapp 30 000 Sprechern und Sprecherinnen eingetragen. Auch in Zeitungstexten und Talkshows kommen mehr Männer zu Wort. Die britische „Financial Times“ hat etwa erhoben, dass nur 21 Prozent der in ihr zitieren Experten Frauen sind.

          Sogenannte All-Male-Panels, also Diskussionen, in denen nur Männer zu Wort kommen, gibt es noch in beinahe allen Branchen. Männer tauchen nicht nur quantitativ häufiger auf, sondern dürfen sich auch länger ausbreiten. Das fand Elizabeth Prommer, Direktorin des Instituts für Medienforschung an der Universität Rostock, in einer Studie heraus. „Männer erklären uns immer noch die Welt“, sagt sie. „Die Medien hinken der Realität hinterher und zeigen ein altmodischeres Bild, als wir in Realität haben.“ Ohne Frauen fehle einfach eine wichtige Perspektive, sagt Maren Heltsche. Sie setzt sich mit dem Projekt der Speakerinnen-Liste für mehr Frauen auf Podien ein. Imke Ankersen, Kommunikationsleiterin der Malisa Stiftung, die sich für eine differenziertere Darstellung von Frauen in den Medien einsetzt, sieht noch einen anderen wichtigen Grund. „Bilder beeinflussen die Realität“, sagt sie. „Wenn ich immer nur Männer in der Expertenrolle sehe, bleibt Expertise für mich männlich konnotiert.“

          „Netzwerke, die sich selbst reproduzieren“

          Diversität auf Veranstaltungen zu repräsentieren ist häufig kompliziert. Es gebe einfach nicht genug qualifizierte Frauen, die auf Podien auftreten wollen – das hört man immer wieder als Grund für stark männlich geprägte Veranstaltungen. „Ich halte es für ein Gerücht, dass es in manchen Bereichen gar keine Frauen gibt“, sagt Heltsche. Trotzdem spielt der Aspekt eine Rolle; vor allem in der MINT-Branche sind Frauen grundsätzlich unterrepräsentiert. Auch in der wissenschaftlichen Laufbahn steigen sie selten in die höheren Positionen auf. Für Heltsche liegen die Ursachen in der Organisationsstruktur. „Das sind Netzwerke, die sich selbst reproduzieren“, sagt sie. Viele Männer seien den Veranstaltern als Redner schon bekannt, würden wieder eingeladen. Außerdem müssten Frauen oft mehr Care-Arbeit neben dem Beruf leisten, sich also um Kinder oder Angehörige kümmern, und hätten weniger Zeit an oft unbezahlten Konferenzen teilzunehmen. Prommer sagt mit Bezug auf den medialen Bereich: Viele Redaktionen griffen auf Datenbanken zurück und dort seien manchmal eben acht Terrorismusexperten und nur eine Expertin hinterlegt.

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