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Sicherer Arbeitsplatz : Warum der Job des Erziehers ausgerechnet jetzt zum Trendberuf wird

  • -Aktualisiert am

Erzieherinnen und Erzieher drücken die Schulbank: Dozentin Martina Klinke mit einer Klasse im privaten Institut ELEX Bild: Stefan Finger

Der Erzieherberuf war lange unbeliebt. In der Krise aber entwickeln sich Kitas zu sicheren Arbeitsplätzen. Das macht den Job attraktiver. Doch es ist nur ein Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

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          In einem unscheinbaren Bürogebäude im Gewerbegebiet eines Kölner Vorortes drücken angehende Erzieher die Schulbank. Heute steht das Thema Kultur auf dem Stundenplan. Auf Zetteln haben die Teilnehmer des Kurses geschrieben, was ihre eigene ganz persönliche Kultur ausmacht. Nacheinander kommen sie nach vorne. Einige erzählen von ihrem traditionellen Familienurlaub, dem Plätzchenbacken an Weihnachten, dem Kölner Karneval. Viele betonen, dass sie darin Sicherheit und Geborgenheit finden.

          Einer von ihnen ist Pascal van Koten: Bekennender Fan des 1. FC Köln, Karnevalist und gelernter Koch. Bis zur Corona-Pandemie arbeitete er in einem Restaurant in der Kölner Südstadt. Als das Restaurant während der Lockdowns im ersten Pandemiejahr zumachte, blieb van Koten zu Hause, wie Millionen andere Menschen, die in der Gastronomie arbeiteten. Das Jugendheim, in dem er nebenbei ehrenamtlich arbeitete, blieb offen. „Damals habe ich mich gefragt: Was machst du jetzt?“, sagt der 39-Jährige. Im Jugendheim habe er seine Leidenschaft für die Arbeit als Erzieher gefunden. Van Koten informierte sich bei der Jobbörse des Arbeitsamtes und wurde fündig. Jetzt geht er wieder zur Schule, macht als Quereinsteiger seine zweite Berufsausbildung.

          Viele Quereinsteiger

          Leute wie ihn braucht Deutschland. Überall klagen Kindertagesstätten, soziale Einrichtungen und Ganztagsbetriebe über fehlendes Personal. „Der Fachkräftemangel in deutschen Kitas hat stellenweise eklatante Ausmaße angenommen“, sagt Waltraud Weegmann, die Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands. „Kindertagesstätten reduzieren ihre Öffnungszeiten, schließen Gruppen oder vergeben keine Plätze an neue Kinder.“ Mehrere Schätzungen kommen alleine dieses Jahr auf mindestens 20 000 unbesetzte Stellen in Tageseinrichtungen für Kinder. Besonders im Westen fehlt es an Personal, zudem gehen in den nächsten Jahren vermehrt Erzieher in Rente. Deswegen wird es 2025 bis zu 70.000 unbesetzte Stellen geben.

          Pascal van Koten hat ursprünglich einmal Koch gelernt.
          Pascal van Koten hat ursprünglich einmal Koch gelernt. : Bild: Stefan Finger

          Aber nun hat sich etwas Wichtiges verändert. Bis vor zehn Jahren ist die Zahl der angehenden Arbeitskräfte in der Kinderbetreuung stetig gesunken. Der Beruf war wenig attraktiv, galt vor allem als schlecht bezahlt. Dieser Trend hat sich, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, umgekehrt.

          Zuletzt ist die Zahl der Ausbildungsanfänger in den Erzieherberufen um knapp 14 Prozent auf fast 40.000 gestiegen, seit 2009 liegt das Plus bei 70 Prozent. Insgesamt arbeiten heute rund 820.000 Menschen in Tageseinrichtungen für Kinder, fast 10 Prozent mehr als vor der Pandemie. Unter den Anfängern sind viele Quereinsteiger aus anderen Berufen.

          Kirsten Fuchs-Rechlin, die Leiterin der Ausbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte am Deutschen Jugendinstitut, erklärt sich die steigenden Ausbildungszahlen damit, dass zunehmend unterschiedliche Zielgruppen mit der Ausbildung erreicht werden. „Insbesondere die vergüteten, praxisintegrierten Ausbildungen haben zur Attraktivitätssteigerung beigetragen“, sagt sie. Außerdem wurden die Voraussetzungen für eine Erzieherausbildung in vielen Bundesländern gelockert.

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