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Sicherer Arbeitsplatz : Warum der Job des Erziehers ausgerechnet jetzt zum Trendberuf wird

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Erzieherinnen und Erzieher drücken die Schulbank: Dozentin Martina Klinke mit einer Klasse im privaten Institut ELEX
Erzieherinnen und Erzieher drücken die Schulbank: Dozentin Martina Klinke mit einer Klasse im privaten Institut ELEX : Bild: Stefan Finger

Sicherheit zählt nach der Corona-Krise, dem Kriegsbeginn in der Ukraine und dem Anstieg der Energiepreise noch mehr als früher. Für die Quereinsteiger aus dem Kölner Kurs gab es noch andere Gründe, den Erzieherberuf zu wählen. „Ich wollte einfach nicht mehr in diesem System arbeiten“, erzählt die ehemalige Hotelfachfrau Nathalie Sato Vidal. „Die Bezahlung war unterirdisch.“ Meistens habe sie unter 2000 Euro brutto im Monat verdient. „Ich habe gelernt, mit wenig Geld klarzukommen“, sagt die 39-Jährige. Schon vor Corona kündigte sie ihren Job im Hotel und stand erst mal vor dem Nichts. „Ich wollte mich neu erfinden“, sagt sie. Zwei Sachbearbeiterinnen der Arbeitsagentur halfen ihr, die Ausbildungsstelle zu finden.

Das Durchschnittsgehalt von Fachkräften in Kindergärten und Vorschulen liegt bei etwa 3400 Euro brutto im Monat. Das ist zwar immer noch kein Spitzenverdienst, aber 34 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In diesem Zeitraum sind die Erziehergehälter um 10 Prozentpunkte mehr gestiegen als der Durchschnitt aller Gehälter. Auch das hat dem Ansehen des Berufs offenkundig gutgetan, gerade unter Quereinsteigern. Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber etwa sagt: „Erkennbar ist, dass die Ausbildung in berufsbegleitender Form immer mehr an Zuwachs gewinnt und in Anspruch genommen wird.“

72.500 unbesetzte Stellen bis 2025

Die beiden Sozialpädagogen Monika und Detlev Wiener haben das Bildungsunternehmen Elex 2014 gegründet und bilden seitdem Erzieherinnen und Erzieher aus. Die Nachfrage sei hoch, berichten sie, derzeit riefen täglich Interessenten für die Ausbildung an. Von der klassischen Bürofachkraft über die Kosmetikerin bis hin zur Schaufenstergestalterin. Die Plätze für die Ausbildungsklasse im nächsten Jahr werden gerade zügig besetzt. „Die Kapazitäten und Möglichkeiten an den Fachschulen reichen nicht aus“, sagt Monika Wiener.

Das ist nicht nur in Köln so. Eine Modellrechnung des Fachkräftebarometers Frühe Bildung zeigt aber: Selbst wenn sich die Zahl der Neuzugänge bis 2025 verdoppeln sollte, bleiben in Tageseinrichtungen für Kinder immer noch bis zu 72.500 unbesetzte Stellen. In den kommenden Jahren muss also kräftig zusätzlich ausgebildet werden, um dem Personalmangel zu begegnen.

Waltraud Weegmann vom Deutschen Kitaverband glaubt, dass gerade Fachkräfte mit verschiedenen beruflichen Hintergründen dazu beitragen können, diesen Mangel zu mindern. „Es braucht hierfür attraktive Eingruppierungen und jeweils passende Fortbildungen“, sagt sie. Ähnlich sieht es Kirsten Fuchs-Rechlin von der Ausbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte: „Es wird weiterhin darum gehen, auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für das Arbeitsfeld zu gewinnen“, sagt sie. „Hierfür gibt es bislang keine Standards. Das wäre aber notwendig, um das bislang erreichte Qualifikationsniveau in unseren Kitas zu sichern.“

Am Ende der Ausbildung bei Elex steht eine Prüfung an einer staatlichen Fachschule. Viele der Teilnehmer haben ihre Eignung zur Kinderbetreuung aber schon zu Hause unter Beweis stellen können. Die beiden Ausbildungsklassen haben zusammen 45 Teilnehmer. Zusammen haben sie 61 Kinder, die meisten noch in Kita- und Schulalter. Gut möglich, dass auch die festen Arbeitszeiten, die der Erzieherberuf hat, auf Eltern besonders anziehend wirken.

Der Unterricht endet an diesem Tag um 14 Uhr. Die Stühle stehen schon oben auf den Tischen, als Pascal van Koten sich noch Zeit für den F.A.S.-Fotografen nimmt. Er ist dabei aber sichtlich nervös. Wenn er seine Tochter pünktlich von der Schule abholen will, muss er sich beeilen.

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