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Vor dem IT-Gipfel : Mach dich fit für die Digitalisierung

Mit der Installation der hochautomatisierten Fertigungslinie ML1 habe man dann die Lerninhalte und Schwerpunkte nochmals stärker an den werkspezifischen Bedarfen ausgerichtet, heißt es. Die enge Verzahnung der einzelnen Unternehmensbereiche von ABB Stotz-Kontakt sowie der Ansatz, dass bevorzugt interne Lösungen angestrebt werden, nämlich Anlagen selbst geplant und konstruiert werden, hätten zudem einen positiven Effekt auf die Qualifizierungsmaßnahmen gehabt. Im ganzen Unternehmen wurde umfassend Fachwissen gesammelt und mit Trainern und Lernenden aus dem Ausbildungscenter ausgetauscht.

„Infolge der Erfahrungen mit der ML1 und der frühzeitigen Anpassung unserer Ausbildung verlief die Umstellung auf unsere Industrie-4.0-Fertigungslinie ML2 nahezu geräuschlos“, sagt Erhan Serbest, Leiter der Fertigungseinheit in Heidelberg. „Unsere Leute sind auch im Software-Bereich so gut ausgebildet, dass wir Programmierprobleme selbst lösen können. Das macht uns unabhängig von externen Anbietern.“ Durch die engere Verzahnung zwischen Ausbildung und Produktion werde die Beschäftigungsfähigkeit der Auszubildenden deutlich erhöht. Der Nachwuchs wird meist direkt übernommen und ist sofort nach der Ausbildung voll einsatzbereit.

3. Weiterbildung flexibel machen

Neben der Ausbildung neuen Personals ist die Weiterbildung der vorhandenenBelegschaft ein zentraler Baustein der Handlungsempfehlungen. Demnach werden in der digitalisierten Arbeitswelt neue Formen und Angebote erheblich an Bedeutung gewinnen. Die Arbeitsgruppe führt als Praxisbeispiel die Deutsche Telekom an. Ein umfassendes Skill- und Qualifizierungs-Managementsystem biete dem Bonner Unternehmen den Rahmen, um Qualifizierungsbedarfe schnell zu erkennen und mit entsprechenden Bildungsangeboten zu decken. Im strategisch wichtigen Bereich IT-Sicherheit habe das System schon Früchte getragen. „Zur Deckung des Fachkräftebedarfes für die IT-Security haben wir eine Bildungskette hin zum hochqualifizierten Cyber-Security Professional aufgebaut“, sagt Markus Lecke, verantwortlich für Bildungspolitik der Telekom. „Der Weg reicht von einer IT-Ausbildung oder einem dualen IT-Studium über IHK-Zertifikate, Workshops, praktische Übungen, Projektarbeiten und Studienmodule bis zum Master-Abschluss.“ Mit jedem der Mitarbeiter werden individuelle Lernziele getroffen. Die Angebote richten sich ausdrücklich auch an etablierte Mitarbeiter. Denn gerade in der Informatik änderten sich die Anforderungen so rasant, dass lebenslanges Lernen unverzichtbar werde. „Genau wie die Cyber-Attacken sich ständig erneuern und verändern, müssen auch die Menschen, die sie abwehren, flexibel und lernfähig bleiben“, sagt Lecke.

4. Lernen am Arbeitsplatz fördern

Die Arbeitsgruppe regt die Unternehmen an, den Rahmen für Lernen am Arbeitsplatz zu schaffen, Arbeit altersgerecht und lernfördernd zu gestalten sowie vermehrt arbeitsplatzintegrierte, flexible Lernformen zu nutzen. Als Vorbild wird der „Appsist“ des Maschinenbauers Festo und seiner Partner genannt. Der Appsist, zusammengesetzt aus den Worten Applikation und Assistenz, wurde gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), dem Festo-Lernzentrum, dem Fraunhofer IAO, der Ruhr-Universität Bochum sowie der IG Metall entwickelt. Auch die Beschäftigten wurden eingebunden.

Das Ganze funktioniert so: Der Appsist sendet nach dem Fehler einer Maschine ein Signal an das Tablet, die Datenbrille oder die Smartwatch des Maschinenbedieners. Der wiederum geht zur Maschine, meldet sich im System an und erhält vom Appsisten eine Anleitung zur Fehlerbehebung, die er schrittweise abarbeitet. So kann er ohne Instandhalter die Maschine rasch wieder zum Laufen bringen. Appsist passt sich dem Nutzer und der Situation an. Zudem kann das System die besten Lösungen priorisieren. Kommt der Bediener nicht allein klar, kann er vom Tablet aus per Telefon und E-Mail auch Fachleute kontaktieren.

Gleichzeitig stellt das System Hintergrundwissen bereit, ermöglicht also Weiterbildung am Arbeitsplatz. Der individuelle Wissensaufbau und die Lernerfolge werden dokumentiert und können nachgewiesen werden. Nach Auffassung von Christoph Igel vom DFKI wird mit Appsist „für die Qualifizierung am Arbeitsplatz erstmals eine neue Dimension der Individualisierung ermöglicht“.

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