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Von der Schwemme zum Mangel : Pfarrer werden? Uncool!

  • -Aktualisiert am

Im Dienst der Kirche: Pfarrerin Susanne Seehaus bereitet ihre Predigt vor. Bild: Matthias Lüdecke

Kirchen gelten als uncool. Deswegen müssen sie bei der Personalsuche neue Wege gehen. Mittlerweile gibt es sogar Theologiestudenten, die infrage stellen, ob Gott existiert.

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          Haben Sie einen gut verdienenden Mann? „Dann reicht es doch sicher aus, wenn Sie eine halbe Pfarrstelle antreten.“ Diesen Satz hat Susanne Seehaus nicht nur einmal gehört. Die 47 Jahre alte Frau ist heute Vollzeit-Pfarrerin in den Gemeinden Rangsdorf, Groß Machnow und Klein Kienitz südöstlich von Berlin. Wenn sie im Garten ihres Pfarrhauses unter märkischen Nadelbäumen sitzt und vom Beginn ihres Berufslebens erzählt, schwingt Bitterkeit mit.

          Als Seehaus 1996 an der Humboldt-Universität zu Berlin ihr Erstes Theologisches Examen ablegte, sprach man in Deutschland von einer „Pfarrerschwemme“. Im Klartext: Viele evangelische Theologen wollten den Beruf ergreifen. Dafür müssen die Hochschulabsolventen ein Vikariat machen, eine praktische Ausbildung, während derer sie unter Obhut eines Pfarrers in einer Gemeinde mitarbeiten und ein Predigerseminar besuchen, um das Erlebte zu reflektieren.

          Erst dann folgte das Zweite Theologische Examen. „Damals hieß es, dass wir drei bis fünf Jahre auf ein Vikariat warten müssen“, sagt Seehaus. Sie entschied sich erst einmal für einen anderen Weg und begann, an einer Schule im Land Brandenburg Religion zu unterrichten.

          Viele führen ein Leben fernab der Religion

          Inzwischen gibt es keine Pfarrerschwemme mehr: Nicht nur die evangelische, sondern auch die katholische Kirche müssen sich mit Veränderungen in der Gesellschaft auseinandersetzen. Viele Menschen in Deutschland führen ein Leben fernab der Religion oder gehören einer anderen Religionsgemeinschaft an als den christlichen. Soziale Einrichtungen und Schulen in der Trägerschaft der Kirchen sind zwar beliebt, doch die Arbeitgeberin Kirche muss hinnehmen, dass ihre Regeln viel stärker in Frage gestellt werden als früher.

          Ließen sich 1962 in der damaligen Bundesrepublik und in der DDR insgesamt 557 Männer zu katholischen Priestern weihen, waren es nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz im Bundesgebiet von 2015 nur noch 58. Sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche übernehmen Ehrenamtliche Aufgaben, die früher ein Geistlicher erledigte. Vielerorts werden Gemeinden zusammengelegt. In Sachsen-Anhalt etwa gibt es evangelische Pfarrer, die für zehn und mehr Dörfer verantwortlich sind. Sonntags und an christlichen Feiertagen brechen sie zu einem wahren Marathon auf: um 9.30 Uhr Gottesdienst feiern im ersten Dorf, um 11 Uhr im zweiten, um 14.30 Uhr im dritten.

          Geistliche aus dem Ausland prägen das Bild der katholischen Kirche. 2338 Priester waren es 2015 – vor allem Männer aus Polen und aus Indien, die sich bei ihrer Ankunft erst einmal mit der deutschen Sicht auf die Dinge auseinandersetzen müssen. Bei der Deutschen Bischofskonferenz legt man Wert darauf, dass sie nicht wegen des Priestermangels ins Land geholt werden. Man sieht sich als „Weltkirche“, die internationalen Austausch pflegt, ausländischen Geistlichen Schutz vor Krieg sowie Aus- und Weiterbildung bietet. Auch deutsche Priester würden ja ins Ausland gehen, heißt es, etwa als Entwicklungshelfer oder um dort deutsche Gemeinden zu betreuen.

          Schwestern aus Indien

          Da gerade für ältere Menschen Nonnen zu einem katholischen Hospital dazugehören, holt man sich auch hier Verstärkung aus der Ferne. So sind etwa die indischen Nonnen bei den Patienten der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel in Essen sehr beliebt. Zwei arbeiten in der Krankenpflege, eine weitere befindet sich in der Ausbildung. Die Frauen, die dem katholischen Orden der Theresianischen Karmeliterinnen angehören, gelten als besonders geduldig und empathisch. In ihrer Heimat sind knapp 1800 Schwestern dieses Ordens in Krankenhäusern tätig, kümmern sich um Kinder mit Behinderung und um ehemalige Gefangene, die resozialisiert werden.

          Ehe sie hierzulande Kranke pflegen, durchlaufen sie eine Ausbildung. „Bei einer Ausbildung in Indien wird in Deutschland trotzdem eine Anerkennung erworben“, betont Tanja Liebelt, Sprecherin der Katholischen Kliniken Ruhrhalbinsel. Sie erzählt, dass die Schwestern, ebenso wie die deutschen Angestellten, eine 38-Stunden-Woche und 28 Tage im Jahr Urlaub haben. Ihr Vertrag sichert ihnen jedes Jahr fünf freie Tage für Exerzitien zu, also für Besinnung und Gebet. Alle zwei Jahre fahren sie für jeweils fünf Wochen nach Indien zu ihren Familien.

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