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Gehalt : So viel verdienen Videospiel-Entwickler

  • -Aktualisiert am

Autorennspiel auf dem Smartphone Bild: AFP

Wer von einer Karriere als Spieldesigner träumt, weiß jetzt auch, was man dabei verdient: Der Spieleentwickler Innogames veröffentlicht seine Gehälter – und will damit nach innen und nach außen ein Zeichen setzen.

          3 Min.

          Von einer Karriere in der Gaming-Branche träumen viele der Tausende junger Leute, die Ende August wieder zur Videospielmesse Gamescom nach Köln pilgern werden. Dank eines Vorstoßes des Hamburger Unternehmens Inno­games wissen die potentiellen Spieldesigner jetzt auch, wie viel man in der Branche so verdienen kann. Innogames, ein Mittelständler mit 430 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 220 Millionen Euro, ist der größte deutsche Entwickler von Spielen für Smartphone und Tablet, im Branchenjargon „Mobile Games“ genannt. Wer diese in seiner Freizeit spielt, kennt vielleicht „Forge of Em­pires“, ein Strategiespiel, das zu den bekanntesten des Unternehmens gehört.

          Innogames geht einen im Vergleich zu anderen Mittelständlern radikal anmutenden Schritt: Das Unternehmen hat seine Gehälter erst intern harmonisiert, sie dabei nach oben angepasst und geht mit den Gehaltsbandbreiten nun auch an die Öffentlichkeit. Damit will der Spieleentwickler für Fairness und größtmögliche Transparenz sorgen – für Bewerber wie auch für seine Angestellten. Seien die üblichen Gehälter bekannt, „dann kann der Mitarbeiter das mit seiner Führungskraft ganz offen und transparent besprechen“, sagt Innogames-Personalchef Andreas Lieb der F.A.Z. Heimlichtuerei um die Entlohnung, wie in vielen Unternehmen mit vergleichbarer Größe in Deutschland üblich, lehnt er ab. Stattdessen fragt er: „Wir zahlen doch gar nicht schlecht, warum sagen wir das dann nicht auch?“

          Developer können mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen

          Wie aus den Gehaltstabellen, die der F.A.Z. vorab vorlagen, hervorgeht, zahlt das Unternehmen seinen Game Designern ein Einstiegsgehalt von mindestens 34.000 Euro im Jahr. Das maximale Regelgehalt für erfahrene Designer beträgt 85.000 Euro, beim Wechsel in eine höhere Position oder als ausgewiesener Experte sind auch noch höhere Gehälter möglich. Developer – also die Mitarbeiter, welche Spiele nicht gestalten, sondern tatsächlich programmieren – bekommen höhere Gehälter als die Designer. Das Einstiegsgehalt für sie beträgt 48.000 Euro, ohne Personalverantwortung steigen die Regelgehälter bis auf 96.000 Euro im Jahr. Teamleiter erhalten zwischen 75.000 und 115.000 Euro, Bereichsleiter mehr als 115.000 Euro.

          Den Unterschied zwischen den Gehältern von Designern und Programmierern erklärt Lieb mit der Situation am Markt: Das sei schlicht eine Frage von Angebot und Nachfrage, da Programmierer auch in zahlreichen anderen Branchen von der Industrie bis zum Bankwesen gesucht würden. „Die können sich die Industrie aussuchen“, sagt er.

          Marketing-Mitarbeiter bei Innogames verdienen zwischen 44.000 und 89.700 Euro, Teamleiter bis zu 106.375 Euro. Systemadministratoren und Marktanalysten bewegen sich in einem ähnlichen Bereich. Weniger verdienen künstlerische Mitarbeiter („Artists“). Dort bewegen sich die Gehälter zwischen 32.000 und 68.000 Euro, nur Teamleiter erhalten mehr. Alle Summen sind Bruttogehälter für Mitarbeiter am Standort Deutschland; Gehälter im Ausland können abweichen. Insgesamt hat Innogames für neun Berufsbilder Gehaltsbänder festgelegt, etwa 80 Prozent der Belegschaft sind von diesen abgedeckt.

          Auch traditionelle Unternehmen suche Digitaltalente

          Innogames startet die Transparenzkampagne natürlich nicht ohne Grund. Wie alle Unternehmen in Deutschland, die wachsen wollen und dafür auf speziell qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen sind, leidet auch Innogames unter dem Fachkräftemangel. Lieb zufolge hat das Unternehmen zwar keinen akuten Personalmangel, doch es falle ihm durchaus schwer, offene Stellen so qualifiziert zu besetzen wie gewünscht. Zumal es inzwischen mehr Konkurrenz um Fachkräfte gibt, die früher nur in Digitalunternehmen zum Einsatz kamen. „Man merkt, dass jetzt auf einmal auch traditionelle Firmen Berufe haben wollen, die vorher nur wir gesucht haben.“ Beispiele seien User-Experience-(UX-)Designer oder Online-Marketing-Manager.

          Um neue Mitarbeiter zu finden, rekrutiert Inno­games deshalb international, etwa in ganz Europa, Russland oder Lateinamerika und Afrika. Bald sollen Mitarbeiter aus anderen europäischen Ländern auch die Möglichkeit erhalten, aus der Ferne zu arbeiten, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. „Das müssen wir machen, weil der Markt es einfach erfordert“, sagt Lieb. Die Veröffentlichung der Gehaltstabellen soll die Gewinnung neuer Fachkräfte weiter erleichtern. Beispielsweise in Osteuropa sei es üblich, mit einer Stellenanzeige auch das dazugehörige Gehalt zu veröffentlichen, erklärt Lieb.

          Lieb verteidigt die Entscheidung, dass Innogames im Zuge der Harmonisierung die Gehälter seiner Angestellten auch proaktiv angehoben hat. „Die meisten Unternehmen erhöhen Gehälter nur dann, wenn Mitarbeiter danach fragen“, sagt der Personalchef. „So ist es in der Regel im Mittelstand, und so war es früher auch bei Innogames. Aber das ist nicht fair.“ Es sei schließlich nachgewiesen, dass Frauen oder schlicht schüchterne Mitarbeiter bei dieser Herangehensweise benachteiligt würden.

          Die Transparenz habe zudem sehr produktive Auswirkungen, berichtet Lieb: „Wir haben zweimal im Jahr Weiterentwicklungsgespräche mit jedem Mitarbeiter. Seit der Gehaltsrahmen klar ist, kommen dabei von Mitarbeitern viel mehr Fragen wie: Was brauche ich noch, um in den oberen Bereich der Bandbreite aufzusteigen?“ Im Zentrum des Prozesses stehe die Weiterentwicklung der Mitarbeiter. Jedes Unternehmen brauche ein „Karrieremodell“, also die Möglichkeit für Mitarbeiter, sich weiterzuentwickeln und nach objektiv messbaren Kriterien aufzusteigen.

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